Offener Brief von Anke Engelke, Torsten Sträter und Co. Prominente Deutsche fordern Fortsetzung des 9-Euro-Tickets

In einem offenen Brief an Kanzler Scholz sprechen sich mehr als 50 Kulturschaffende, Unternehmer und Aktivistinnen für einen weiterhin günstigen Nahverkehr aus: »Das 9-Euro-Ticket darf kein Sommermärchen bleiben.«
Komikerin Anke Engelke: »Geben Sie sich einen Ruck und Deutschland das 9-Euro-Ticket«

Komikerin Anke Engelke: »Geben Sie sich einen Ruck und Deutschland das 9-Euro-Ticket«

Foto: Christoph Hardt / Panama Pictures / IMAGO

Mitten in die laufende Debatte über eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets meldet sich eine breite Gruppe von Prominenten mit einem offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu Wort. Darin fordern sie die sofortige Einführung einer dauerhaft günstigen Nahverkehrskarte. »Nutzen Sie die Chance, geben Sie sich einen Ruck und Deutschland das 9-Euro-Ticket«, schreiben die Promis. Es sei ein »wichtiger erster Schritt in eine bessere, gerechtere und klimaneutrale Zukunft.« Der Brief und eine dazugehörige Unterschriftenliste liegen dem SPIEGEL vor.

Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern gehören zahlreiche prominente Namen, darunter die Komikerin Anke Engelke, Comedian Torsten Sträter, Klimaaktivistin Luisa Neubauer, Medienmanager Fabian Tobias (»Endemol Shine«) und der Autor und Stiftungsgründer (»Gesunde Erde – Gesunde Menschen«) Eckart von Hirschhausen.

»Jede Tonne CO₂ zählt«

»Bahnfahren ist kein Arme-Leute-Verkehrsmittel, sondern Freiheit, es schenkt Lebensqualität«, sagte von Hirschhausen dem SPIEGEL. Er habe seine Bücher in der Bahn verfasst und treffe ständig Kollegen und Kolleginnen im Bordrestaurant. »Wann haben Sie das letzte Mal im Stau einen interessanten Menschen kennengelernt?«

Arzt und Autor Eckart von Hirschhausen

Arzt und Autor Eckart von Hirschhausen

Foto: Monika Skolimowska/ picture alliance/ dpa

Tankrabatt und Pendlerpauschale würden nach seiner Ansicht das Falsche belohnen. In der Wirkung sei das 9-Euro-Ticket endlich was für Menschen, die kapiert haben, dass jede Tonne CO₂ zählt, sagt von Hirschhausen. »Unser Verhalten in der Klimakrise ist wie mit einer vollen Blase aufzuwachen – jeder weiß sofort, was zu tun ist. Aber wir stellen uns lieber schlafend und denken: Wenn du die Augen nicht aufmachst, dann geht es vorbei«.

Finanzierung durch Übergewinnsteuer

Initiator des Briefs ist der Autor und Comedian Sebastian Rabsahl, der unter dem Künstlernamen »Sebastian 23« auftritt und das Ticket nach eigener Aussage selbst kräftig genutzt hat. Nun dürfe es kein einmaliges »Sommermärchen« bleiben. »Für mich ist das 9-Euro-Ticket eine beispiellose Chance, Klimaschutz ohne Entbehrungen, ohne Verbote zu ermöglichen«, sagt Rabsahl. Anstelle eines Dusch- oder Ess-Verbots habe man der Bevölkerung Mobilität gegeben: »Die Botschaft war: Du darfst fahren!«

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Auch die Finanzierungsfrage wird in dem offenen Brief thematisiert: Es gebe demnach »eine ganze Reihe sehr einfacher Möglichkeiten, die erforderlichen rund zehn Milliarden Euro pro Jahr zu finanzieren: per Übergewinnsteuer, Streichung fossiler Subventionen, zum Beispiel des Dienstwagenprivilegs oder der Steuerreduzierung für Kerosin im Personen-Flugverkehr«.

Wissing verspricht Lösung

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat sich mittlerweile für eine Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket ausgesprochen, allerdings ohne konkrete Details zu nennen. Er habe Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) davon überzeugt, dass es ein weiteres, moderneres Ticket geben müsse »und deswegen werden wir uns dafür einsetzen, dass es nicht wieder zum Rückfall in die alten Tarifstrukturen kommt, so wie jetzt kurzfristig zum 1. September«, sagte der Politiker im Deutschlandfunk.

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Wissing machte dabei keine Angaben zum Zeitpunkt der Einführung oder der Kostenstruktur. Einen kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr werde es nicht geben, »aber natürlich muss die Preisgestaltung am Ende attraktiv sein«.

Die 9-Euro-Tickets  haben im Juni, Juli und August jeweils für einen Monat bundesweit Fahrten in Bussen und Bahnen des ÖPNV ermöglicht. Nach Branchenangaben wurden rund 52 Millionen Tickets verkauft. Hinzu kommen mehr als zehn Millionen Abonnenten, die den Rabatt automatisch über ihre Monatstickets bekamen. Der Bund hatte die Aktion mit 2,5 Milliarden Euro zum Ausgleich von Einnahmeausfällen bei Verkehrsanbietern finanziert.

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