Psycho? Logisch! So gehen Sie mit schwierigen Kollegen um

Wie führe ich meinen Chef und meine Kollegen? Wie werde ich bei der Arbeit glücklich? Wir alle ticken nach festen Regeln - die wir zu unseren Gunsten nutzen können. Zwei Psychologen verraten die besten Tricks.
Die "Richtige-Ohr-Strategie": Innerlich bis drei zählen und tief in den Bauch atmen

Die "Richtige-Ohr-Strategie": Innerlich bis drei zählen und tief in den Bauch atmen

Foto: Corbis

Da ist es wieder, dieses Alpha-Tierchen: Ihr Chef mit seinen dummen Sprüchen, mit seinem dummen Gehabe. Schon wieder ein Witz auf Ihre Kosten. Wie gerne würden Sie mal zurückschießen. Einmal verbal voll unter die Gürtellinie gehen - das wär's. Geht aber leider nicht oder ginge höchstens einmal - und sooo schnell wollten Sie sich von Ihrem Job dann doch noch nicht verabschieden.

Nur: Einfach dasitzen und nichts sagen ist auch nur schwer erträglich. Wie nehmen Sie also risikofrei den Dampf raus? Die Kommunikationsforschung hält dafür ein wirksames Tool bereit: die "Richtige-Ohr-Strategie".

Wenn Ihnen Ihr Chef, Ihre Kollegin, Ihr Kunde vermeintlich blöd kommen, dann zählen Sie innerlich bis drei und atmen tief in den Bauch. Dann schmeißen Sie Ihr Gehirn an und überlegen, wie das Gesagte gemeint sein könnte. Es kann nämlich vier verschiedene Bedeutungen haben - und vielleicht eine ganz andere als Sie auf Anhieb gedacht haben. Der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun unterscheidet vier Seiten einer Nachricht: Sache, Appell, Beziehung und Selbstoffenbarung.

Angenommen, Ihr Chef sagt zu Ihnen: "Ihr Schreibtisch ist aber heute sehr aufgeräumt!" Dann können Sie auf dem Sachohr hören: "Der Schreibtisch ist sehr aufgeräumt." Auf dem Appellohr: "Sollten Sie öfter tun." Auf dem Beziehungsohr: "Ich darf das bewerten, weil ich der Chef bin - und Sie mein Untergebener." Und auf dem Selbstoffenbarungsohr: Ihr Chef ist ein Ordnungsfetisch ist.

Ein Satz - vier Aussagen. Dass alles, was wir sagen und hören, mehrere Seite hat, übersehen wir im Alltag oft. Dadurch neigen wir zu vorschnellen Interpretationen. Wir unterstellen unserem Gegenüber eine Botschaft, von der wir gar nicht sicher sein können, dass sie tatsächlich so gemeint war.

Es könnte ja sein, dass Ihr Vorgesetzter Ihnen vermitteln wollte: "Ich freue mich, einen so ordentlichen Mitarbeiter wie Sie zu haben." Oder: "Ich hätte auch gerne mal genug Zeit, um aufzuräumen." Oder, oder, oder.

Wenn wir vorschnell interpretieren, entstehen Missverständnisse und Streit. Wenn wir offener, geduldiger und auch ein bisschen selbstkritischer werden, können wir viele Konflikte bereits im Keim ersticken. Im Zweifel helfen Rückfragen wie: "Sie sagen 'sehr aufgeräumt' - was genau meinen Sie damit?"

Privat kann die "Richtige-Ohr-Strategie" nicht weniger als Ihre Beziehung retten. Denn auch Äußerungen wie "Was denkst du gerade?" oder "Deine beste Freundin Katrin hat ganz schön abgenommen" haben es vierfach in sich.

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