Fleischskandal in NRW 20 Tonnen mit Antibiotika belastete Putenbrust verarbeitet

Die Serie der Fleischskandale in Europa reißt nicht ab. In NRW wurden in 20 Tonnen Putenbrust-Produkten zum Teil hohe Antibiotika-Werte festgestellt. In Norwegen und England haben Kontrolleure in angeblich islamkonformen Lebensmitteln große Mengen Schweinefleisch gefunden.
Puten auf einem Masthof (Archivbild): "Großteil der Ware wurde schon verzehrt"

Puten auf einem Masthof (Archivbild): "Großteil der Ware wurde schon verzehrt"

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Düsseldorf - Pferdefleischskandal, Bio-Eier-Betrug, Gammelwürste: In Europa vergeht derzeit kaum eine Woche ohne neuen Lebensmittel-Eklat. Jetzt wurde bekannt, dass fast 20 Tonnen mit Medikamenten belastetes Putenfleisch aus Rumänien nach Nordrhein-Westfalen gelangt, weiterverarbeitet und in mehrere Länder ausgeliefert worden sind. Die tiefgefrorene Ware sei bereits Mitte vergangenen Jahres geliefert und verarbeitet worden, berichtet das NRW-Verbraucherschutzministerium am Freitag .

"Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Ware schon verzehrt wurde", heißt es. In der verarbeiteten Pute waren die Antibiotika-Werte laut dem Ministerium in einer Probe 27 Mal höher als erlaubt. Akute Gesundheitsgefahr bestehe nach derzeitigem Wissensstand dadurch aber nicht. Durch den Verzehr von belasteten Lebensmitteln können Menschen gegen Antibiotika resistent werden, so dass diese im Krankheitsfall nicht mehr wirken.

Die Ware sei in einem Betrieb im Kreis Warendorf zu Großpackungen Putenbrust unter der Bezeichnung "Putenbrust, gebraten, Tandoori, mariniert, in Streifen" weiterverarbeitet worden. Eine Firma aus dem Münsterland verkaufte das Fleisch an Kantinenbetreiber und Händler in Deutschland, Großbritannien und Österreich. Rund 15 Tonnen gelangten nach NRW, Bayern, Baden-Württemberg und Bremen. "Die Behörden versuchen, noch so viel Fleisch wie möglich zu finden", sagte ein Ministeriumssprecher. Eigenproben des Betriebs in Warendorf und eines Kunden hätten die Belastung Ende Februar und Anfang März ans Licht gebracht.

Schweinefleisch in islamkonformen Produkten in Norwegen und England

Auch in Norwegen sorgt ein neuer Fleischskandal für Aufsehen. Die Behörden für Lebensmittelsicherheit haben Schweinefleisch in Kebab-Zutaten und Pizza-Belagen gefunden, die als islamkonform gekennzeichnet sind: Die sogenannten Halal-Produkte sollten nur Rindfleisch enthalten. Muslimen ist es aufgrund der islamischen Speisegebote verboten, Schweinefleisch zu essen.

In den genannten Lebensmitteln der Firma Kuraas AS wurde bis zu 30 Prozent Schweinefleisch gefunden, sagte eine Sprecherin der Behörde. Die Untersuchung sei ursprünglich angesetzt worden, um die Produkte auf Pferdefleisch zu prüfen. Das Unternehmen Kuraas AS hat sich auf seiner Website öffentlich entschuldigt.

Der norwegischen Tageszeitung "Aftenposten" zufolge  handele es sich bei den falsch deklarierten Kebab-Produkten um 350-Gramm-Packungen mit der Aufschrift "Aramso Kebab the original". Der Rindfleisch-Pizzabelag "Pizzatopping Biff Piffo" habe sogar bis zu 60 Prozent Schweinefleisch enthalten, heißt es in der Zeitung .

Ein ähnlicher Skandal beschäftigt die Lebensmittelaufsicht in Großbritannien. Ein Unternehmen musste sich entschuldigen, weil Schweinefleisch-DNA in als islamkonform gekennzeichneten Würsten aus Hühnchenfleisch gefunden wurden. Diese waren an mindestens eine Schule geliefert worden.

Wie der Sender BBC berichtet , handele es sich dabei um eine Grundschule im Zentrum der britischen Hauptstadt London. Auch dort waren die Untersuchungen wegen des Pferdefleisch-Skandals veranlasst worden. Pferdefleisch wurde in den überprüften Produkten aus Rind, Lamm, Hühnerfleisch und Pute aber nicht gefunden.

bos/dpa/AP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.