Studie vom BUND Billig-Putenfleisch sehr oft mit resistenten Keimen belastet

Putenfleisch vom Discounter ist offenbar häufig mit antibiotika-resistenten Keimen belastet. Die Umweltorganisation BUND fand bei einer Stichprobe in 50 von 57 Fleischstücken solche Bakterien.
Putenzucht in Thüringen: "Übermäßiger Einsatz von Antibiotika"

Putenzucht in Thüringen: "Übermäßiger Einsatz von Antibiotika"

Foto: Michael Reichel/ picture alliance / dpa

Berlin - Wer günstiges Putenfleisch bei Lebensmitteldiscountern kauft, muss damit rechnen, dass es mit antibiotikaresistenten Keimen belastet ist. Bei einer bundesweiten Stichprobe seien auf knapp 90 Prozent der Fleischstücke solche Keime nachgewiesen worden, teilte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Montag in Berlin mit. Das sei ein klares Zeichen für den fortgesetzten Missbrauch von Antibiotika in der Putenmast, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Für die Untersuchung hatte der BUND in zwölf Städten frisches, abgepacktes Putenfleisch bei Discountern gekauft und im Labor untersuchen lassen. Getestet wurde auf sogenannte MRSA-Keime - Bakterien, gegen die viele Antibiotika unwirksam sind. Gesucht wurde auch nach ESBL-produzierenden Keimen. Das sind Bakterien, die Antibiotikaresistenzen an andere Bakterien weitergeben können. Das Labor wurde 42 Mal bei MRSA fündig und 30 Mal bei ESBL. Nur sieben der 57 Proben waren unbelastet.

Zum Vergleich testete der BUND auch vier Proben aus Hofschlachtereien, bei denen die Puten alternativ gehalten worden waren. Dabei wurden keine Belastungen nachgewiesen.

1450 Tonnen Antibiotika pro Jahr

Laut BUND können die gefährlichen Keime auf Menschen übertragen werden, wenn etwa das rohe Fleisch mit dem gleichen Messer geschnitten wird wie andere Lebensmittel, die dann roh verzehrt werden. Das durchgegarte Fleisch sei nicht gefährlich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, sich nach dem Berühren des Fleischs gut die Hände zu waschen.

Die Leiterin Agrarpolitik beim BUND, Reinhild Benning, nannte die Studienergebnisse "schockierend, aber nicht überraschend". In der deutschen Tierhaltung würden jährlich 1450 Tonnen Antibiotika für 800 Millionen Euro eingesetzt.

BUND-Chef Weiger sagte, die Untersuchung sei nicht repräsentativ - dies könne die Organisation nicht finanzieren. Eine flächendeckende Erhebung sei "zwingend" notwendig; dafür müssten Bund und Länder sorgen. Der "Handlungsbedarf" sei aber bereits klar. Keime, die mit Antibiotika nicht mehr bekämpft werden können, seien "eine der größten Gesundheitsgefahren".

Die Organisation verlangt, den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast deutlich zu reduzieren - um mindestens die Hälfte. Auch der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Friedrich Ostendorff, forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. Obwohl der übermäßige Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung lange bekannt sei, fehlten "ernst gemeinte Konsequenzen des Landwirtschaftsministers und der Tierhaltungsindustrie".

stk/AFP/dpa
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