Kaufkraft in Deutschland Reallöhne liegen erstmals höher als im Jahr 2000

Die Kaufkraft in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die Reallöhne liegen laut einer Studie durchschnittlich 1,4 Prozent höher als im Jahr 2000. Der Zuwachs bei Einkommen aus Vermögen und Unternehmensgewinnen ist aber um ein Vielfaches höher.
Kunden in einem Dresdner Einkaufszentrum: Reallöhne steigen kräftig

Kunden in einem Dresdner Einkaufszentrum: Reallöhne steigen kräftig

Foto: Robert Schlesinger/ picture alliance / dpa

Berlin - Mehr als ein Jahrzehnt lang stagnierten die Reallöhne in Deutschland - oder schrumpften sogar. Nun haben die Reallöhne erstmals das Niveau des Jahres 2000 übertroffen. Das geht aus einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Demnach lagen die durchschnittlichen Bruttolöhne je Beschäftigtem preisbereinigt um 1,4 Prozent höher als vor 15 Jahren. 2013 hatten sie noch unter dem Niveau der Jahrtausendwende gelegen.

Der Anstieg der Tariflöhne und -gehälter hat laut WSI entscheidend zu dem Aufschwung beigetragen. Diese lagen den Angaben zufolge im vergangenen Jahr real um 10,9 Prozent höher als im Jahr 2000. Bundesweit gilt für gut 19 Millionen Arbeitnehmer ein Tarifvertrag

Die neuesten Zahlen zeigten, "dass die Lohnentwicklung in Deutschland langsam wieder ins Lot kommen könnte und dass das Tarifsystem dabei eine entscheidende Rolle spielt", sagte WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck.

In den 2000er Jahren hätten schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Deregulierung am Arbeitsmarkt sowie der wachsende Niedriglohnsektor die Entwicklung der Arbeitseinkommen gebremst. Am Tiefpunkt der Entwicklung im Jahr 2009 hätten die realen Bruttolöhne um 4,3 Prozent niedriger gelegen als 2000, so das WSI. Erst in den vergangenen Jahren, in denen die Löhne real meist zulegten, seien die Verluste wettgemacht worden.

Der Zuwachs bei den Einkommen aus Vermögen und Unternehmensgewinnen ist laut den WSI-Berechnungen aber deutlich größer als bei den Arbeitseinkommen. Von 2000 bis 2014 hätten diese nach den Daten aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nominal um rund 60 Prozent zugelegt. Die nominalen Arbeitnehmerentgelte seien dagegen nur um knapp 33 Prozent gewachsen.

syd/AFP/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.