Recycling Kommt bald das Pfand auf Batterien?

Staubsauger, Fahrräder, Tablets: Immer mehr Geräte hängen am Akku. Nur die Hälfte der wertvollen und brandgefährlichen Altbatterien wird gesammelt, ein neues Gesetz soll helfen - und erntet schon jetzt Kritik.
Alte Batterien und Akkus werden auf einem Recyclinghof gesammelt (Archivbild)

Alte Batterien und Akkus werden auf einem Recyclinghof gesammelt (Archivbild)

Foto: Jens Kalaene / picture alliance / dpa

Mülldeponien gehen in Flammen auf, Sortieranlagen fangen Feuer, im Container entzünden sich Elektrogeräte: Immer häufiger berichten Abfallverwerter von Bränden, die durch Akkus verursacht werden. "Das sind moderne Hochenergiequellen", sagt der Entsorgungsspezialist Georgios Chryssos. Er warnt: "Eine einzelne kleine Lithium-Knopfzelle kann schon erhebliche Brandereignisse auslösen."

Chryssos ist Geschäftsführer der "Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien" (GRS), bekannt durch die grünen Sammelboxen in Supermärkten. Die Gefahr durch brennende Akkus für Mitarbeiter in den Entsorgerfirmen ließe sich eingrenzen, sagt Chryssos, wenn in Deutschland mehr Batterien geordnet gesammelt und verwertet würden.

Die Bundesregierung hätte dazu jetzt Gelegenheit. Diesen Donnerstag, am späten Abend, steht die Novelle des Batteriegesetzes im Bundestag zur Abstimmung. Die Koalition hat sich darauf verständigt, die Mindestsammelquote von Gerätebatterien um fünf auf 50 Prozent zu erhöhen. Abfallverwerter und Umweltschützer lehnen die Neufassung ab. Sie sei völlig unzureichend, kritisiert Chryssos, eine vertane Chance.

Neue Sammelquote wurde schon im vorigen Jahr übertroffen

Eine Sammelquote von 50 Prozent hält Chryssos für unambitioniert. In der Praxis habe man 2019 mit 52,2 Prozent diesen Wert bereits übertroffen. Das heißt allerdings auch: Fast die Hälfte der Akkus landet womöglich in der Müllverbrennung statt in der Recyclinganlage. "Die Sicherheitsrisiken infolge der ungeordneten Rücknahme und Entsorgung steigen an", sagt Chryssos.

Der Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien ist in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen. Das Marktvolumen hat sich laut Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie zwischen 2013 und 2019 mehr als verachtfacht. Viele Geräte im Haushalt, die früher noch am Kabel hingen, sind heute mit einem Akku ausgestattet: Staubsauger, Bohrmaschinen, Haarföhne. Dazu kommen immer mehr Elektroroller und vor allem E-Bikes. Und schließlich die Zellmodule in Elektroautos und Hybridfahrzeugen: Sie machen 2020 laut GRS-Schätzung bereits rund 52.000 Tonnen aus.

Für diese großen Batteriesysteme gibt es weiterhin keine Sammelvorgaben, obwohl die Elektromobilität gerade durchstartet. Auch bei kleineren Industriebatterien, dazu gehören E-Bikes und Scooter, fehlen nach wie vor konkrete Vorgaben, etwa 15.000 Tonnen kommen in diesem Jahr davon in den Verkehr. Die 50-prozentige Sammelquote gilt nur für kleine Gerätebatterien, wie sie in Zahnbürsten oder Gartengeräten zu finden sind. Ihr Aufkommen schätzt die GRS für dieses Jahr auf etwa 13.000 Tonnen.

Die Marktsituation habe sich massiv verändert, darauf gehe die Novelle kaum ein, moniert Peter Kurth, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser und Rohstoffwirtschaft (BDE). Kurth vermisst neue umweltpolitischen Akzente im Gesetz, da immer noch die Hälfte der Gerätebatterien keinem sachgerechten Recycling zugeführt werde. "Dabei gehen dem Kreislauf wichtige Recyclingrohstoffe verloren." Die Zellen enthalten wertvolle Bodenschätze wie Lithium, Nickel, Kobalt oder Grafit.

Nächste Legislaturperiode geht es weiter

Dass das Gesetz den Anforderungen des heutigen Batteriemarkts nicht gerecht werde, kritisieren auch die Oppositionsfraktionen. Die Grünen fordern, die Sammelquote auf 65 Prozent und 2030 auf 80 Prozent zu treiben, um die Sammelbereitschaft zu erhöhen. Außerdem schlagen sie vor, ein Pfandsystem einzuführen. Die Linke plädiert für ein Pfand von 50 Cent für Kleinstbatterien und bis zu 50 Euro für Speicher von hoher Kapazität. Auch der BDE plädiert für ein allgemeines Pfand. "Wir brauchen eine Pfandregelung, damit wir ein weiteres Instrument haben, Batterien über die richtigen Recyclingwege zu steuern", so Kurth.

Als Argument dagegen führen Kritiker an, dass Geschäftemacher Batterien aus dem Ausland einführen könnten und so das System missbrauchen. Allerdings zeigt die Praxis der Verwertung von Blei-Säure-Autobatterien, dass ein Pfandkonzept erfolgreich funktionieren kann: Auf jede Starterbatterie wird ein Pfand von 7,50 Euro erhoben, die Sammelquote liegt bei 99 Prozent.

Besonders lange wird das novellierte Gesetz indes ohnehin kaum in Kraft bleiben. In wenigen Wochen steht in Brüssel eine Neufassung der Batterierichtlinie auf der Tagesordnung, dann müsste Berlin wiederum das Batteriegesetz anpassen. Die Prognose von BDE-Mann Kurth: "Wir werden uns in der nächsten Legislaturperiode erneut damit beschäftigen."

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