Lebensarbeitszeit Schuften fürs System

Wie bleiben die Renten sicher? Die Versicherungswirtschaft hat dazu eine Studie in Auftrag gegeben. Ein Ergebnis: Wenn alle länger arbeiten, stabilisieren sie das System.
Behörde: Mit 76 noch bei der Arbeit

Behörde: Mit 76 noch bei der Arbeit

Foto: Christian Charisius/ dpa

Rentenmäßig beginnt in absehbarer Zeit die "heiße Phase", wie das Prognos-Institut in seiner aktuellen Rentenstudie schreibt. Zwischen 2025 und 2035 nämlich gehen die "Babyboomer" in Rente - die demografisch größte Alterskohorte der aktuell Erwerbstätigen. Dank steigender Lebenserwartung werden sie ihre Rente deutlich länger genießen können als die Ruheständler bisher.

Was das für die Altersbezüge bedeutet, für den Arbeitsmarkt, für den Staatshaushalt und für die Finanzierung der Rentenkasse, das hat Prognos im Auftrag des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) untersucht.

Die Kurzstudie vergleicht drei unterschiedliche Szenarien zum Umgang mit Lebenserwartung, Lebensarbeitszeit und Renteneintrittsalter und wie sich das bis 2040 auf das System auswirkt. Dann dürfte auch der heute 44 Jahre alte Durchschnittsdeutsche in Rente sein. Die drei Szenarien sind simpel, sie unterscheiden sich im Wesentlichen durch das Renteneintrittsalter.

Basisszenario

Im Basisszenario (auf das sich alle anderen Überlegungen beziehen) wird die aktuelle Entwicklung fortgeschrieben: Das durchschnittliche Renteneintrittsalter steigt von heute 64,2 auf 65 Jahre.

Früher in Rente

In diesem Szenario setzt sich der Trend zur "Rente mit 63" durch, das Durchschnittsalter beim Eintritt in den Ruhestand bleibt auf dem aktuellen Stand von rund 64 Jahren.

Arbeiten bis 67

In diesem Fall steigt das gesetzliche Renteneintrittsalter bis 2029 auf 67. Eine weitere Variante ist das Szenario "Lebensarbeitszeit plus", bei dem künftig die Regelaltersgrenze an die steigende Lebenserwartung gekoppelt wird.

Die Erkenntnis der Studie: Wenn alle länger arbeiten, profitiert der Arbeitsmarkt und die deutsche Wirtschaft, die Rentenkasse füllt sich, der Bund muss entsprechend weniger zuschießen und die Renten der Versicherten steigen, weil sie durch die längere Lebensarbeitszeit entsprechend höhere Ansprüche erwerben. Arbeiten alle kürzer, ist das Gegenteil der Fall.

Allerdings sind die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Modellen eher gering. Konkret: Im Szenario "Früher in Rente" steigt der Rentenbeitrag bis 2040 um 0,2 Prozentpunkte, während die Durchschnittsrente um rund 220 Euro im Jahr oder 18 Euro im Monat sinkt.

Wird dagegen generell bis zum Alter von 67 Jahren weitergearbeitet, kann der Beitragssatz bis 2040 um 0,3 Prozentpunkte sinken, während die Renten (netto vor Steuern) um 0,4 Prozentpunkte steigen könnten. In heutigen Preisen hätte ein durchschnittlicher Rentner dann gut 200 Euro pro Jahr mehr - ein Plus von gut einem Prozent im Vergleich zum Basisszenario.

Auch das hat allerdings einen Nachteil: Stehen mehr Arbeitskräfte zur Verfügung, sinken die Löhne.

nck