Hohe Gebühren, wenig Rendite So vermeiden Sie die Kostenfalle bei der Riester-Rente

Unter den Riester-Produkten war die Uniprofirente von Union Investment bislang ein Geheimtipp. Doch jetzt verringert das Management die Ertragschancen - die hohen Kosten aber bleiben. Wie Anleger reagieren können.

Seit 2001 beschäftige ich mich mit der Riester-Rente . Und seit 2002 habe ich auf die Frage, welcher Riester-Fondssparplan denn für junge Sparer geeignet sei, immer auch die Uniprofirente von Union Investment genannt. Der Grund: Die Uniprofirente war das einzige Riester-Produkt, mit dem man sein Geld für die geförderte Altersvorsorge ausschließlich in Aktien stecken konnte. Genauer in einen bekannten und ordentlich gemanagten Aktienfonds, den Uniglobal. Weil die Riester-Regeln zusätzlich vorsehen, dass die Anbieter den Kunden den Erhalt des Ersparten und aller Fördergelder garantieren müssen, kann den Sparern selbst im Falle eines Aktiencrash kurz vor Rentenbeginn nicht allzu viel passieren.

Ich habe dabei billigend in Kauf genommen, dass die Anbieter der Uniprofirente, die Volksbanken und Raiffeisenbanken, die Sparda- und PSD Banken, bei den Gebühren für ihre Riester-Sparer ganz schön hingelangt haben. Für diesen Riester-Vertrag werden bei jeder Einzahlung hohe Provisionen fällig. Der sogenannte Ausgabeaufschlag lag bei 5 Prozent. Hinzu kam eine jährliche Managementgebühr von etwa 1,5 Prozent des angesparten Guthabens pro Jahr. Ein einträgliches Geschäft für die Genossenschaftsbanken.

Aber auch die Anleger hatten an der Uniprofirente ihre Freude. Seit 2002 hat sich der Wert eines Anteils des Fonds Uniglobal, Basis für die Uniprofirente, etwa verdreifacht.

Nur einmal gab's einen Wermutstropfen. In der Finanzkrise 2008/2009 zog die Fondsgesellschaft Union die Reißleine und machte von einer Vertragsklausel Gebrauch, die es ihr erlaubte, die Aktienfonds im Depot der Uniprofi-Sparerdauerhaft durch Rentenfonds auszutauschen, weil sie ansonsten den Kunden den späteren Kapitalerhalt nicht garantieren konnte. Für diese Riester-Anleger waren damit alle Chancen dahin, noch von der Renditestärke der Aktien zu profitieren.

Union Investment ändert Fonds bei Uniprofirente

Die Krise am Aktienmarkt war nur von kurzer Dauer, der Aktienfonds von Union musste aber herbe Verluste hinnehmen und die Anteile der Kunden sind zu schlechten Preisen in Rentenfonds umgetauscht worden. Viele Sparer, die sich dieses Risikos nicht bewusst waren, reagierten entsprechend empört.

Dann kam Pfingsten 2015. Kurz vor dem Pfingstfest teilte die Fondsgesellschaft mit, dass sie bei mehr als einer Million Kunden das Geld aus dem Uniglobal nun grundsätzlich in einen anderen Fonds mit reduziertem Aktienrisiko verschieben will - ab Anfang August.

Die Logik habe ich noch verstanden. Mit dem neuen Aktienfonds werden die Risiken des Kunden beim Auf und Ab an den Märkten durch spezielle Derivatgeschäfte gesteuert. Es ist damit weniger wahrscheinlich, dass die Fondsgesellschaft das Kundengeld aus Sicherheitsgründen in die ungeliebten Rentenfonds umschichten muss.

Aber viele Kunden haben nun einmal diese Riester-Rente gerade wegen ihres hundertprozentigen Aktienanteils gekauft. Und jetzt verändern die Fondsmanager einfach das Produkt. Das ist zumindest ungewöhnlich. Erst beiläufig erfährt man, dass man dieser Umstellung für den eigenen Vertrag auch widersprechen kann. Bei Finanztip  haben wir ausgerechnet, für wen das sinnvoll ist - und für wen nicht.

Widerspruch gegen die Anpassung ist möglich

Hinzu kommt: Die Manager verordnen ihren Kunden nicht nur ein anderes Produkt. Der Preis bleibt hoch, obwohl das Einzigartige, die Ertragschance von 100 Prozent Aktienanteil, künftig fehlt. Riester-Sparer, die in den kommenden 30 Jahren jedes Mal die maximalen 2100 Euro pro Jahr in dem Fonds anlegen, bezahlen in unserer Finanztip-Modellrechnung dafür schnell 22.000 Euro an Kosten. Dabei gibt es die gleiche Art Fondssparplan mit ähnlichem Risiko und gleicher Anlagesumme bei einem anderen Anbieter inzwischen auch für weniger als die Hälfte: etwa 10.500 Euro. Der neue günstige und schlanke Riester-Fondssparplan  legt das Geld ausschließlich in preiswerten Indexfonds an und hört auf den schönen Namen Fairr.

Das Angebot der Volksbanken befindet sich in unserer Modellrechnung preislich in schlechter Gesellschaft mit ähnlichen Angeboten der Deka (Sparkassen - etwa 17.000 Euro Kosten) und der DWS (Deutsche Bank - etwa 22.000 Euro Kosten).

Meine Konsequenz ist eindeutig. Ich wünsche den Profirentnern viel Erfolg, die dem Management widersprechen und beim alten Modell bleiben. Für neue Riester-Verträge gilt: Bye bye, Uniprofirente! Es war schön mit Dir. Künftig werde ich wohl öfter über Fairrriester sprechen müssen.

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Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.