Altersvorsorge Sparer legen jeden fünften Riester-Vertrag auf Eis

Die staatlich geförderte Privatvorsorge bleibt ein Flop. Nach SPIEGEL-Informationen zahlen viele Anleger keine Beiträge mehr ein.

Rentnerpaar
Stephan Scheuer/ DPA

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Viele Sparer in Deutschland hadern mit der staatlich geförderten Riester-Rente. Nach aktuellen Schätzungen des Bundesarbeitsministeriums ruht derzeit jeder fünfte Riester-Vertrag. Die Anleger zahlen also keine Beiträge mehr ein, haben ihren Vertrag aber nicht gekündigt.

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Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Mit der staatlich geförderten Privatvorsorge sollten die Versicherten jene Lücke schließen, die durch ein sinkendes gesetzliches Rentenniveau entsteht.

Doch die Riester-Rente gilt wegen der seit Jahren stagnierenden Nachfrage und hoher Vertriebs- und Verwaltungskosten als Flop. Im ersten Quartal 2019 existierten rund 16.561.000 Verträge, das sind etwa 30.000 weniger als noch 2018. Die Verträge werden oft nur deshalb nicht gekündigt, weil die Kunden sonst staatliche Zulagen zurückzahlen müssten.

FDP fordert neue Altersvorsorge

Die zuständigen Ministerien zeigen sich ratlos, wie das Kostenproblem gelöst werden könnte. Hierzu habe die Bundesregierung ihre Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen, schreibt das für die Riester-Förderung verantwortliche Finanzministerium. Auch zur Frage, wie ein geplantes neues, standardisiertes Riester-Produkt aussehen könnte, gebe es keine abgestimmte Haltung.

"Die Bundesregierung kommt in einer wichtigen Frage wie der Altersvorsorge nicht vom Fleck", kritisiert FDP-Finanzexperte Frank Schäffler. Er plädiert für ein neues "Altersvorsorge-Depot", in dem alle Bürger aus ihrem Bruttoeinkommen Geld ansparen können.

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insgesamt 71 Beiträge
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thoms1957 02.08.2019
1. Super, das "Altersvorsorgedepot"
Gibt es schon und ist seit Jahrzehnten bewährt: Die gesetzliche RV. Ermöglichte der Gesetzgeber freiwillige Einzahlungen in selbige, würde der gesamte Quatsch mit der " zusätzlichen privaten Vorsorge" entfallen". Und das ist auch der Grund, weshalb die Schröder Regierung das auch nicht wollte - es kann sich die private Versicherungswirtschaft dann nicht die Taschen vollstopfen. Und die FDP will das schon mal gar nicht, ließe sich auch nicht mit dem neoliberalen Weltbild vereinbaren. Das FDP Modell sieht sicher auch Steuergelder vor, sonst merkte auch der letzte potentielle Kunde, dass er am Ende draufzahlt. Versicherte wären mit dem freiwilligen Einzahlungsmodell in die GRV besser dran: Keine Vertragsprovisionen und keine Verwaltungsgebühren. Eventulle Erbschaften könnte man ebenfalls dort anlegen. Und alle 4 Jahre kann der Wähler entscheiden, ob das Modell funktioniert. Dazu gehört aber auch, dass endlich alle Einkommensarten versicherungspflichtig werden und dass jeder dort einzahlen muss. Und wem das alles nicht reicht, der kann ja jederzeit zusätzlich "privat vorsorgen". Ich tue das, indem ich bis zur Rente mein Haus abgezahlt habe - wenn alles gut geht.
chrisotm 02.08.2019
2. Wieso?
Mittlerweile gibt es doch schöne Riester-Verträge am Markt, allerdings nicht viele, aus meiner Sicht eigentlich nur einen Einzigen, der mittlerweile auch (nach bestimmter transparenter Quote) 100% Aktienquote fährt. Die Probleme sind doch eher, dass - es ohne Aktien sich nicht lohnt. - bei Aktien mit zwei oder mehr Töpfen alles nur BlackBox Modelle sind. Wie genau da die Versicherung wie und wann umschichtet, gibt sie im Vorefeld nicht preis. - und gute transparente Fondssparpläne mit 100% Aktienquote (wegen der Garantie) sehr schwer zu finden sind. Hinzukommt, dass mdie üblichen Verkäufer gerne immer das Falsche verkaufen. Allerdings muss man zu Gute halten: Der Markt bietet relativ gute Angebote, aber nur wenige. Gleichzeitg muss der Kunde sich aber auch bemühen.
Holzbeinschnitzer 02.08.2019
3.
Ich sage das nun schon gebetsmühlenartig. Wir brauchen keine private Vorsorge. Alle zahlen ohne Ausnahmen ein, keine Beitragsbemessungsgrundlage also kein Höchstbeitrag, Mindestrente und Höchstrente festlegen und schon redet keiner mehr über Altersarmut. Dieses Problem ist lösbar. Man muss es nur wollen und sich nicht von Lobbyisten und denen mit eigenen Vorsorgewerken einlullen lassen. Schäuble hat einmal gesagt, wir sind eine Schicksals- und Solidargemeinschaft. Der Spruch sollte nicht nur dann gelten, wenn die Ärmeren für die Reichen zahlen müssen, sondern auch umgekehrt.
dasfred 02.08.2019
4. Rente ist wie Flughafen. Wir können alles besser
Das scheint der Wahlspruch der deutschen Politik zu sein. Ebenso, wie es im Ausland funktionierende Flughäfen gibt, die man in Berlin nur nachbauen müsste, gibt es in vielen Ländern Rentensysteme, die bei einer ähnlichen Bevölkerungsstruktur erheblich besser funktionieren. Aber statt das beste System zu übernehmen hat die Regierung Schröder, in einer Zeit, als Reformen anstanden, lieber ein Gelddruckprogramm für Maschmeier und Co. gestartet. Die gierigen Lobbyisten der Versicherungswirtschaft fanden mehr Gehör, als die Mahner. Weil Deutschland ja alles besser kann. Die Verantwortlichen haben längst ihre Millionen im Trockenen. Seit über zehn Jahren ist bekannt, dass Riester ein Flop war und trotzdem will keiner substanzielle Veränderungen beschließen. Ich habe aufgegeben mich zu Ärgern.
tommirf 02.08.2019
5. Kostenproblem
"Die zuständigen Ministerien zeigen sich ratlos, wie das Kostenproblem gelöst werden könnte. " Für die Lösung eines Kostenproblems ist es jetzt viel zu spät. Die "Kosten" sind der Teil, an dem sich die Versicherungswirtschaft doll und doof verdient, weil die Regierung Schröder auf Beratung des Herrn M. aus H. und des Herrn Riester den Versicherern exorbitante Provisionen und extra-weiche Risiko-Polster eingeräumt hat. Die werden in den ersten fünf ( bei Riester acht bis neuen ) Jahren von den Versicherten und auf dem Weg über die Zuschüsse auch vom Steuerzahler bezahlt. Das ist also durch...da gibt es nichts mehr zu lösen. Ich habe selbst bis vor 20 Jahren Lebens- und Rentenversicherungen verkauft, und bin wegen der Riester-Modelle ausgestiegen, weil ich danach meinen Kunden nicht mehr hätte in die Augen sehen können...
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