Kostenfalle Roaming Ohne Strafgebühr nach Hause telefonieren

Beim Telefonieren ist schnell Schluss mit Europa. Erst Mitte 2017 fallen die Strafgebühren für Handynutzer im EU-Ausland. Bis dahin sollten Urlauber ein paar einfache Regeln beachten.

Telefonieren im Ausland: "Ja, schön hier, nein, Mama, ich geh nicht in die Sonne"
DPA

Telefonieren im Ausland: "Ja, schön hier, nein, Mama, ich geh nicht in die Sonne"


Eigentlich müsste es ein zutiefst europäisches Projekt sein: Endlich ein gemeinsamer Markt zum mobil telefonieren, bei dem es egal ist, ob ich von Hamburg aus in Helsinki anrufe oder in Hannover, von Paris eine SMS nach Athen schicke oder nach Avignon.

Doch genau dagegen haben Europas Telefongesellschaften etwas: Die Abschaffung der Roaming-Gebühren, also das Ende der Strafgebühr fürs mobile Kommunizieren über ansonsten offene Grenzen, soll in der EU erst Mitte 2017 kommen.

Vom offenen europäischen Wettbewerb der Telefongesellschaften ganz zu schweigen: Wer nach Mitte 2017 entdeckt, dass im Nachbarland der Telefontarif für die eigenen europäischen Bedürfnisse günstiger ist, dort aber nicht wohnt, kann mit dieser Erkenntnis weiterhin wenig anfangen. Auch nach Juni 2017 soll nur eine bestimmte Quote an Gesprächen und Datentransfers zum günstigen Nachbarlandpreis erstanden werden dürfen.

Aber noch haben wir 2015, die Roaming-Gebühren sind noch nicht abgeschafft. Und spätestens im Sommerurlaub fragen sich die Verbraucher, wie sie es vermeiden können, die Kassen der Mobilfunkanbieter unnötig zu füllen.

Aktuell haben Sie als Bürger und als Tourist drei Optionen.

  • Den regulierten EU-Tarif nutzen. Mit ihm kostet eine SMS aus dem EU-Ausland nach Hause 7 Cent, ein Megabyte Daten 24 Cent, ein Anruf maximal 23 Cent pro Minute. Wer im Ausland einen Anruf auf seinem Handy entgegennimmt, ist mit bis zu 6 Cent pro Minute dabei. Für Urlauber, die sich nur ab und zu mal daheim melden möchten, ist das ausreichend. Wenn Sie nichts unternehmen, gilt für Sie im Ausland normalerweise automatisch der EU-Tarif. Allerdings kann man nie ausschließen, dass Ihnen eine andere Auslandsoption untergejubelt worden ist - zum Beispiel durch ein voreingestelltes Häkchen bei Vertragsabschluss. Fragen Sie Ihren Mobilfunkanbieter und verlangen Sie gegebenenfalls eine Anpassung.
  • Wenn Sie im EU-Ausland als Geschäftsreisender oder auch als Individualtourist mehr telefonieren und Daten verschicken wollen, nutzen Sie die Auslandsoptionen bei ihrem Mobilfunkanbieter und buchen Sie ein entsprechendes Paket. Das Reisepaket Plus kostet bei Vodafone zum Beispiel 3 Euro, mit dem regulierten EU-Tarif würde man für die gleiche Leistung bis zu 27 Euro bezahlen.
  • Falls Sie länger im EU-Ausland sind oder in die USA, nach Thailand oder Australien reisen, die EU also verlassen, können Sie schon hierzulande vor der Abreise eine entsprechende ausländische SIM-Karte kaufen. Mit einigen dieser SIM-Karten können Sie sogar einstellen, dass Sie im Ausland unter Ihrer heimischen Mobilfunknummer erreichbar bleiben. Ein Monat USA kostet auf diese Weise zum Beispiel bei Holiday Phone 65 Euro.

Eigentlich hätte die Strafgebühr für mobiles Telefonieren und Datenversenden in der EU bereits in diesem Frühjahr fallen sollen. Doch dann intervenierten die Telefongesellschaften vor allem in Spanien und Großbritannien, vor ihrem Lobbydruck kapitulierten einige europäische Regierungen. Und so hat die Gebühr weiter Bestand.

Für manchen nicht so versierten Kunden der Mobilfunkgesellschaften wird das Kommunizieren in Europa ab Frühjahr 2016 sogar teurer. Bis dahin gilt wie bereits beschrieben der alte EU-Tarif: Der Höchstpreis für eine SMS aus einem EU-Land in ein anderes beläuft sich auf 7 Cent. Danach gilt eine Strafgebühr von 2 Cent, aufgeschlagen auf den Inlandstarif. Hat man zum Beispiel einen Prepaid-Tarif, mit dem eine SMS im Inland 9 Cent kostet, liegt die neue Gebühr dann bei 11 Cent.

Ach, Europa!

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.



insgesamt 54 Beiträge
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Grafsteiner 04.07.2015
1. Strafgebühren
So ein Blödsinn. Dann waren die früheren Auslandsgebühren des Staatsunternehmens Post wohl Extrasteuern?
rotertraktor 04.07.2015
2. Willkommen in der lupenreinen Lobbykratie
Ach, Europa - warum hast du nur die Chancen verpasst, dich zu einem echten demokratischen Miteinander der Bürger und Völker zu entwickeln? Stattdessen haben wir nur ein Europa der Banken, der Konzerne und der allgegenwärtigen Lobbyisten, die auf ihrer steueroptimierten Freihandelsspielwiese nach Belieben schalten und walten.
KJB 04.07.2015
3. Kein Sinn für Wirtschaft
Ähm, Strafgebühr? Es mag ja teilweise absurd hohe Roaminggebühren geben aber in manchen Ländern wie zb. große Flächenländer oder Gebirgige Regionen wie die Schweiz haben schlicht höhere Erschliessungskosten.
mschuster91 04.07.2015
4. Ungleiche Voraussetzungen
Außer Acht lassen viele dabei, dass die Voraussetzungen für Mobilfunkprovider extrem ungleich sind. Ein Land wie z.B. Luxemburg musste kaum Investitionen für eine vollständige Netzabdeckung aufbringen, die Flächenländer D/F/ES aber dafür extrem viel. Nicht zu vergessen, dass im Zug der LTE Ausbauten und des immer weiter wachsenden Datenverkehrs die Investitionen nicht aufhören! Dass ich jetzt als Verbraucher von (angenommen) extrem günstigen Luxemburger Tarifen profitieren soll und die Kosten bei den deutschen Providern hängen bleiben sollen, ergibt ökonomisch keinen Sinn.
99luftballons 04.07.2015
5. Im Ausland?
Dort eine Prepaid Karte kaufen! Mit teilweise deutlich guenstigeren Datentarifen, als bei uns, hat man dann kurz via Whatsapp oder aehnlichem die Nummer kundgetan. Wenn dann irgendetwas nicht ueber die Messenger apps gehen kann, ist ein anruf aus D. auf diese Prepaid dann kostenfrei. Und billig fuer den Anrufer. Alles andere ist Bloedsinn! Meiner Meinung nach! Klappt sogar in Europa! Mit einem 2 Sim Phone kostet die SMS dann mit auslaendischer Karte aus einem EU-Land auch in D. nur 7 cent. Statt der ueblichen 9, wenn keine SMS flat, aber deutsche Karte! wann werden europaeische Anbieter es schaffen, eine auslaendische Karte im eigenem Bereich zum lokalen Tarif in Rechnung zu stellen? Oder z.B. bei einem,Gespraech zwischen zwei deutschen Karten in Spanien laeuft eh nix ueber den eigenen Anbieter. Ausser der ueberzogenen Rechnung, narrtuerlich!
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