Rohkostboykott Deutsche Bauern leiden unter Ehec-Panik

Die Warnung vor frischem Obst und Gemüse zeigt Wirkung: Die Nachfrage nach Rohkost hat dramatisch nachgelassen. Viele Bauern vor allem in Norddeutschland müssen ihre frische Ware entsorgen - der Schaden beträgt mehrere Millionen Euro am Tag.
Landwirt beim Schreddern von Salatköpfen: Existenzbedrohende Ausfälle

Landwirt beim Schreddern von Salatköpfen: Existenzbedrohende Ausfälle

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Düsseldorf - Die sonst wertvollen Lebensmittel taugen derzeit nur noch für den Schredder: Gurken, Tomaten und Salat werden von den Verbrauchern derzeit weitgehend gemieden. Obwohl spanische Importgurken als ein Träger des gefährlichen Darmkeims Ehec identifiziert worden sind, bleiben viele Käufer auch bei deutschem Gemüse skeptisch. Vor allem im Norden Deutschlands bleiben die Bauern wegen der Angst vor den aggressiven Ehec-Keimen auf ihrer frischen Ware sitzen.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) beklagt Umsatzeinbrüche in Millionenhöhe. DBV-Präsident Gerd Sonnleitner sagte: "Wenn die Kaufzurückhaltung so weitergeht, wird der Schaden noch höher werden als zwei Millionen Euro pro Tag." Derzeit sei die Ernte von Freilandsalat sowie von Tomaten und Gurken aus dem Gewächshaus vielerorts in vollem Gange. Einzelne Betriebe könnten in Existenznot geraten.

In Niedersachsen waren Bauern bereits gezwungen, geerntetes Gemüse wegzuschmeißen. Andere ließen die Ernte auf den Feldern und pflügten sie unter, sagte Axel Boese von der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland. Allein in Niedersachsen hätten fünf Großabnehmer im Einzelhandel ihre Gemüsebestellungen storniert.

Die Erzeugergenossenschaft Landgard mit rund 700 Gemüsebetrieben am Niederrhein berichtete, der Absatz von Salat sei um 70 Prozent eingebrochen. Bei Tomaten und Gurken lagen die Rückgänge bei 25 Prozent. "Insgesamt lässt sich auch bei anderen Gemüseprodukten ein Rückgang von zehn Prozent feststellen", erklärte Landgard, die zu den bundesweit größten der Branche zählt.

Auch Einzelhandel spürt Rückgang der Nachfrage

Deutliche Absatzeinbrüche meldeten auch Bauern in Nordrhein-Westfalen. "Es geht da nicht um eine Kiste, es geht um ganze Lkw", sagte Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Viele Landwirte sind reine Spezialisten: Sie bauen im Treibhaus nur Tomaten oder Gurken an - entsprechend heftig trifft sie die Absatzkrise.

Auch im Lebensmitteleinzelhandel ist die Nachfrage nach Gurken, Salat und Tomaten regelrecht eingebrochen. Verbraucher fragten das Verkaufspersonal verstärkt nach der Herkunft der Ware. Deutschlands größter Handelskonzern Metro verzeichnet nach eigenen Angaben leichte Absatzrückgänge. Bei Gemüse aus Spanien seien die Kunden derzeit eher zurückhaltend.

Spanische Gurken waren am Donnerstag als eine Ursache für die Infektionswelle in den Fokus gerückt, nachdem das Hamburger Hygiene-Institut auf ihnen den Durchfallerreger fand. Die Proben stammten vom Hamburger Großmarkt. Es sei aber nicht auszuschließen, dass weitere Lebensmittel eine Infektionsquelle waren, hieß es.

fdi/dpa
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