Abhängigkeit von Russland Bundesregierung konkretisiert Bau eines LNG-Terminals in Brunsbüttel

Die Bundesregierung macht Tempo, um unabhängiger von russischem Gas zu werden: Statt Nord Stream 2 soll nun in Brunsbüttel ein Flüssiggasterminal gebaut werden. Doch bis der erste Tanker hierzulande anlegen kann, wird es dauern.
LNG-Tanker in Singapur

LNG-Tanker in Singapur

Foto: Reuters Staff/ REUTERS

Die Förderbank KfW, der niederländische Gasnetzbetreiber Gasunie und der deutsche Energiekonzern RWE haben eine Vereinbarung (Memorandum of Understanding) über den angekündigten Bau eines deutschen Importterminals für Flüssiggas (LNG) in Brunsbüttel unterzeichnet.

Demnach wird sich der Bund über die KfW zur Hälfte an dem Terminal beteiligen, Betreiberin wird die Gasunie, die zu 100 Prozent dem niederländischen Staat gehört. RWE ist Projektpartner. Zunächst sei geplant, in Brunsbüttel jährlich acht Milliarden Kubikmeter LNG zu regasifizieren – also das verflüssigte und so per Schiff transportierbare Gas wieder gasförmig zu machen. Dadurch sei es möglich, »Erdgas für den deutschen Markt aus Regionen zu beziehen, die durch Gasleitungen nicht zu erreichen sind«, erklärt das Ministerium.

Perspektivisch soll das Terminal zudem für den Import von grünen Wasserstoffderivaten wie Ammoniak umgerüstet werden.

Wann das Terminal in Brunsbüttel fertig wird, steht noch nicht fest. Die Projektpartner wollen es aber »so zügig wie möglich umsetzen«. Die Idee für solch ein »nationales LNG-Terminal« in Brunsbüttel stammt aus dem Jahr 2015, eine Projektgesellschaft gibt es seit 2018. Viel passiert ist seitdem nicht.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte vor einer Woche als Reaktion auf den Ukrainekrieg und die Abhängigkeit von russischem Erdgas auch den schnellen Bau von zwei LNG-Terminals in Deutschland angekündigt und dabei Brunsbüttel und Wilhelmshaven als Standorte genannt.

Deutschland will runter vom Gas

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) machte in der Mitteilung deutlich, dass die Abhängigkeit von russischen Importen schnell verringert werden müsse, »spätestens der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine macht dies zwingend«.

Das Ministerium arbeitet außerdem an einem Regulierungspaket zur Senkung des Gasverbrauchs. Laut einem Bericht der »Welt am Sonntag« sieht der Plan im Gebäudebereich eine Solardachpflicht für gewerbliche und private Neubauten vor. Dafür seien »zinsgünstige Solarförderkredite« vorgesehen. Zudem soll dem noch unveröffentlichten Konzept zufolge die Vorgabe des Koalitionsvertrags zeitnah umgesetzt werden, wonach ab 2025 nur noch Heizungen verbaut werden dürfen, die auf Basis von 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden.

»Konkret bedeutet dies, dass ab 2025 vor allem Wärmepumpen eingebaut und Gebäude an Wärmenetze angeschlossen werden, wobei Biomasse und Solarthermie sowie Fotovoltaik-Dachanlagen eine unterstützende Rolle spielen«, zitierte die Zeitung aus dem Papier.

hej/dpa
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