Foodwatch Viele Schokohasen mit Mineralölen belastet

Diese Osterhasen könnten Ihre Gesundheit gefährden: Laut der Verbraucherorganisation Foodwatch wurden in mehreren Schokoladen-Hasen Mineralöle gefunden. Sie fordert jetzt strenge Grenzwerte.
Zerbrochener Schokoladen-Osterhase

Zerbrochener Schokoladen-Osterhase

Foto: Sebastian Gollnow/ dpa

In vielen Schokoladen-Osterhasen wurden einem Labortest zufolge potenziell gesundheitsgefährdende Mineralöle gefunden. In acht von 20 untersuchten Schokohasen seien sogenannte aromatische Mineralöle (MOAH) festgestellt worden, teilte die Verbraucherorganisation Foodwatch in Berlin mit. Die Öle stünden im Verdacht, "krebserregend und erbgutschädigend" zu sein.

Die Öle fanden die Tester demnach sowohl in vergleichsweise günstigen Hasen von Discountern als auch in teureren Produkten. "Der Test zeigt, dass die Lebensmittelindustrie das Problem der Mineralöle in Lebensmitteln nach wie vor nicht im Griff hat", sagte Luise Molling von Foodwatch.

"Das Vorkommen von Mineralölbestandteilen, insbesondere von MOAH, in Lebensmitteln ist prinzipiell unerwünscht", teilte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit. Es hat seit Jahren Kenntnis von der Problematik, dass Mineralöle aus bestimmten Verpackungen auf Lebensmittel übergehen können. Nach wie vor gebe es noch keine ausreichenden toxikologischen Informationen zu den Stoffen, teilte das BfR weiter mit. Nach einer ähnlichen Untersuchung mit Adventskalendern 2015 sahen die Experten wegen geringer Aufnahmemengen pro Tag keine neue Gesundheitsgefahr für Verbraucher.

Foodwatch fordert Grenzwerte

Foodwatch fordert nun erneut, dass umgehend Grenzwerte für Mineralöle in Lebensmitteln festgelegt werden. Für potenziell krebserregende aromatische Mineralöle schlägt die Verbraucherorganisation eine Null-Toleranz-Regel vor.

Bislang gibt es für solche Rückstände keine gesetzlichen Grenzwerte. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) plant eine Verordnung, die schon seit mehreren Jahren im Entwurf vorliegt. Die Diskussion über die am besten geeigneten Regelungen zur "Problemlösung" dauere an, teilte eine BMEL-Sprecherin mit. "Weitere Prüfungen und Gespräche mit den betroffenen Kreisen sind erforderlich."

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) teilte mit, Spuren von Mineralölbestandteilen seien überall in der Umwelt vorhanden. Der BDSI und die Schokoladenhersteller arbeiteten gemeinsam an einem Forschungsprojekt, die Ursachen von Mineralölspuren aufzuklären, möglichst zu verringern oder ganz zu vermeiden - auch wenn weder das europäische noch das deutsche Lebensmittelrecht einen Grenzwert vorsähen.

Die aktuell getesteten Schokohasen könnten "unbedenklich gegessen werden", teilte der Verband mit - zumal sie an der Gesamternährung nur einen geringen Anteil hätten und nur in der Osterzeit gegessen würden. Nach Angaben der Deutschen Süßwarenindustrie wurden für den deutschen Markt zu Ostern 111 Millionen Schokohasen produziert.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), eine Organisation der Lebensmittelhersteller, teilte mit, Mineralöl-Stoffgemische seien überall vorhanden und nicht hundertprozentig vermeidbar. Die Industrie arbeite "seit einigen Jahren intensiv an der Problematik". Die Hersteller hätten zum Beispiel bereits Recyclingkartons ausgeschlossen oder zusätzliche Innenverpackungen eingeführt.

Eine "sofortige Freiheit" von Mineralölrückständen in Lebensmitteln sei derzeit aber weder technisch realisierbar noch lebensmittelrechtlich geboten. Laut Foodwatch gelangen Mineralöle auf verschiedenen Wegen in die Schokolade: etwa über für den Transport der Kakaobohnen verwendete Jutesäcke, die mit Ölen behandelt werden, über in der Produktion verwendete Maschinenöle und über Abgase aus Industrie und Verkehr.

brt/AFP/dpa