Inflation und Energiekrise Zahl der negativen Schufa-Einträge steigt

Für Verbraucher wird es offenbar schwieriger, an Darlehen zu kommen. Laut Schufa steigt sowohl die Zahl der negativen Einträge als auch die der Kreditanfragen. Das Unternehmen sieht auch die Politik in der Verantwortung.
Schufa-Logo: »Viele Menschen haben nur noch begrenzt Rücklagen«

Schufa-Logo: »Viele Menschen haben nur noch begrenzt Rücklagen«

Foto: Timon Schneider / Zoonar / IMAGO

Menschen in Deutschland kommen nach Einschätzung der Auskunftei Schufa nicht mehr so leicht an Kredite. Zugleich zehre die hohe Inflation am Ersparten. »Viele Menschen haben nur noch begrenzt Rücklagen, auch jene aus der Mittelschicht«, sagte Schufa-Chefin Tanja Birkholz der »Süddeutschen Zeitung«. »Wir registrieren daher rund 30 Prozent mehr negative Schufa-Einträge im Vergleich zum Vorjahr.«

Diese folgen zumeist, wenn Rechnungen auch nach mehrmaliger Mahnung nicht bezahlt wurden. Der sogenannte Schufa-Score entscheidet mit darüber, ob jemand einen Kredit bekommt.

Die Schufa bekomme die Daten, dass jemand Rechnungen nicht mehr zahlen konnte, erst mit sechs Monaten Verzögerung, sagte Birkholz. Es lägen also aktuell die Zahlen vom Sommer vor. »Es zieht an«, beschrieb sie die Entwicklung.

Es seien 16 Prozent mehr Kreditanfragen registriert worden, zugleich gebe es aber nur acht Prozent mehr abgeschlossene Verträge. »Nicht alle bekommen also einen Vertrag, brauchen das Geld aber wahrscheinlich«, sagte Birkholz.

Schufa-Chefin will Sonderregelung für Energiekrise

Mit einer raschen Besserung rechnet sie nicht. Es dürfte eher noch schlimmer werden. »Aber wie sehr, das ist abhängig von Umfang und Wirkung der staatlichen Maßnahmen«, sagte die Schufa-Chefin.

Menschen sollten nicht wegen der hohen Energiepreise in Zahlungsschwierigkeiten kommen und dann negative Einträge bei der Schufa kassieren. »Deshalb schlagen wir einen Härtefallfonds vor.« Aus dem könnte der Staat an Menschen oberhalb der Transfergrenze zinslose Kredite vergeben, vergleichbar mit dem Studentenkredit Bafög. Das wäre gedacht für Menschen, die keinen Anspruch auf Bürgergeld haben, aber höhere Energiekosten nicht wegstecken könnten.

»Klar muss das Ziel sein, Energie zu sparen, aber der eine oder die andere kann vielleicht nicht mehr sparen und braucht Überbrückungshilfe«, sagte Birkholz.

Banken, Mobilfunkunternehmen und Vermieter holen sich vor Vertragsschließungen die Einschätzung der Wiesbadener Wirtschaftsauskunftei. Sie sammelt Daten zum Zahlungsverhalten und zu Kreditverpflichtungen von Millionen Bürgern.

Birkholz zufolge hat die Schufa bis zu einer Million Bonitätsanfragen am Tag. Weil außerhalb des Unternehmens niemand genau nachvollziehen kann, wie genau die Schufa zu ihren Einschätzungen zur Kreditwürdigkeit kommt, gibt es den Vorwurf der Intransparenz.

»Das war einfach Mist«

Birkholz gab sich selbstkritisch und versprach mehr Kommunikation. Als Beispiel nannte sie das Projekt »CheckNow«. Damit hatte das Unternehmen ab 2020 versucht, Einblick in Kontobewegungen von Bank- und Kreditkunden zu bekommen und zum Bestandteil ihres Scores zu machen. Das Projekt wurde gestoppt.

»Das war eine gute Idee, aber wir haben es miserabel kommuniziert«, sagte Birkholz. »Das war einfach Mist. Das war eine Produktentwicklung in frühem Stadium, und wir haben die Reaktion unterschätzt.«

Kürzlich hat die Schufa den Score-Simulator  veröffentlicht. Er stellt eine Reihe von Fragen und berechnet daraus einen vereinfachten Schufa-Score. So soll sich die Funktionsweise in Grundzügen nachvollziehen lassen.

mmq/Reuters
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