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06. September 2010, 21:31 Uhr

Schweden

Nicht-zugelassene BASF-Genkartoffel entdeckt

Auf Feldern in Nordschweden ist die genveränderte BASF-Kartoffel Amadea entdeckt worden, die noch gar nicht zugelassen ist. Angeblich ist die Pflanze aber nicht in die Produktion gelangt. Gentechnikgegner sehen sich dennoch bestärkt, die EU zeigte sich sehr besorgt und verlangt Aufklärung.

Limburgerhof/Brüssel - Der Chemiekonzern BASF hat auf Feldern in Nordschweden Pflanzen der noch nicht zugelassenen Genkartoffel Amadea entdeckt. Es habe sich um "sehr geringe Mengen" gehandelt, teilte die BASF-Tochter Plant Science am Montag im pfälzischen Limburgerhof mit. Auf den Feldern wird eigentlich die von der EU-Kommission zugelassene BASF-Genkartoffel Amflora angebaut. Amadea soll eines Tages Nachfolgerin von Amflora werden, die BASF hatte erst in der vergangenen Woche die Zulassung der neuen Kartoffel beantragt. Wie es zu der Vermischung kommen konnte, ist nach Angaben des Unternehmens noch unklar.

Die EU-Kommission und die schwedischen Behörden verlangten von der BASF Informationen, wie es zu der Panne kommen konnte. "Offensichtlich ist irgendwo ein Fehler gemacht worden", sagte ein Kommissionssprecher. Die Kommission wolle sicherstellen, "dass so etwas nicht noch einmal anderswo passieren kann."

Der Anteil der bei internen Qualitätskontrollen entdeckten Amadea-Pflanzen hat nach Angaben des Unternehmens weniger als 0,01 Prozent betragen. Sämtliche Amadea-Pflanzen seien von den Feldern entfernt worden und nicht in die Produktion der Amflora-Kartoffeln gelangt. Nach Angaben des schwedischen Zentralamtes für Landwirtschaft war eine Fläche von mehreren 100 Hektar betroffen. Die Behörde hat bis 20. September eine Stellungnahme der BASF angefordert.

EU-Kommission verlangt Aufklärung

Amflora wird außerdem noch auf einem Feld in Mecklenburg-Vorpommern und in Tschechien angebaut. Dort seien keine Vermischungen festgestellt worden, so die BASF. Es würden regelmäßig systematische Kontrollen durchgeführt. "Dabei haben wir nichts gefunden", sagte eine Unternehmenssprecherin. In Schweden war die Vermischung aufgefallen, weil Amflora-Kartoffeln violett blühen, die Amadea dagegen weiß.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht sich durch den Vorfall in ihrer Ablehnung der grünen Gentechnik bestärkt. Eine Sprecherin sagte: "Das ist ein ziemlich peinlicher Vorfall. Die BASF ist ja kein ganz kleines Unternehmen." Dass auf den Feldern in Deutschland und Tschechien keine Amadea-Kartoffeln entdeckt worden seien, bedeute nicht, dass es dort nicht auch eine Vermischung gegeben habe. "Im Grunde müsste man jetzt Kartoffel für Kartoffel untersuchen." Der Fall zeige, "dass menschliches Versagen nie auszuschließen ist."

Auch die Kommission kündigte an, von allen Staaten, in denen Amadea angebaut wird, Aufklärung zu verlangen, ob möglicherweise Ähnliches wie in Schweden auch anderswo passiert sein könnte. "Die falsche Kartoffel ist nach Schweden gekommen", sagte ein Kommissionssprecher. Es müsse sichergestellt werden, dass so etwas nicht noch einam anderswo passiere.

Amadea auch in Deutschland im Versuchsanbau

Die BASF-Sprecherin wollte nicht spekulieren, wo es zu der Vermischung der Kartoffeln gekommen sein könnte. Das Unternehmen testet die Amadea bereits an verschiedenen Orten im Versuchsanbau, unter anderem auch in Deutschland und Schweden. Auch zu möglichen Konsequenzen für das Unternehmen wollte die BASF sich nicht äußern. Die weiteren Schritte würden mit den zuständigen Behörden einschließlich der EU-Kommission erörtert.

Amflora und Amadea wurden gentechnisch so verändert, dass sie nur noch sogenannte Amylopektinstärke bilden - herkömmliche Kartoffeln weisen ein Gemisch aus Amylopektin- und Amylosestärke auf. In vielen Anwendungsarten für Kartoffelstärke wie etwa in der Papier- oder Klebstoffherstellung wird laut BASF nur Amylopektin benötigt.

Während Amflora ausdrücklich nicht für den Verzehr gedacht ist, prüft die BASF bei Amadea, ob diese auch im Nahrungsmittelbereich zum Einsatz kommen könnte. Mit einer Markteinführung der Amadea hatte das Unternehmen zuletzt frühestens in den Jahren 2013 bis 2014 gerechnet.

luk/dpa/Reuters

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