Hermann-Josef Tenhagen

Sechs Tipps Wie Sie vor Jahresende noch leicht Geld sparen können

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Das Corona-Jahr geht dem Ende zu. Wenn Sie finanziell noch etwas rausholen wollen, sollten Sie jetzt handeln. Möglichkeiten gibt es genug.
Foto: imago images/Shotshop

Auch im Homeoffice wegen Corona? Oder gar in Kurzarbeit? Da haben Sie jetzt Zeit, Geld zu sparen. Hier sind sechs Dinge, die Ihre Haushaltskasse kurz- oder langfristig spürbar entlasten können. Sie müssen Sie nur vor Jahresende erledigt haben. Und das ist nicht allzu schwer .  

1) Schneller Gewinn: Füllen Sie Ihren Öl- oder Gastank. 2021 wird die Energie teurer, weil erstens die Mehrwertsteuer wieder steigt und zweitens eine neue CO₂-Steuer die Energiepreise erhöht. Aktuell kostet Heizöl zwar wieder mehr als 40 Cent, aber immer noch nur rund halb so viel wie 2018. Flüssiggas liegt knapp unter 40 Cent.
Die CO₂-Steuer allein kostet Sie etwa acht Cent pro Liter Heizöl, hinzu kommt die Mehrwertsteuer auf den Preis. Zusammen geht es schnell um zehn Cent pro Liter – für eine 3000 Liter Tankfüllung sind das 300 Euro. Ein bisschen Eile ist auch geboten. Am besten sagen Sie jetzt Ihrem Lieferanten nur, dass er irgendwann vor dem Jahresende liefern soll. Denn wenn Sie ihm keinen genauen Termin setzen, wird die Lieferung preiswert, weil er disponieren kann. Sobald Sie an einem festen Termin etwa kommende Woche das Heizöl oder Gas haben wollen, kann es gleich einige Cent teurer werden. Und Preise vergleichen sollten Sie vorab auf jeden Fall. Der Unterschied zwischen einem günstigen oder einem teuren Händler macht in vielen Regionen fünf Cent oder mehr pro Liter aus .

Zum Autor
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Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

2) Langfristiger Gewinn: Kümmern Sie sich um Ihre Altersvorsorge. Eine von vier Varianten hilft sicher auch Ihnen.

  • a) Wenn Sie einen Riester-Vertrag  haben: Zahlen Sie genug ein, um die volle Förderung mitzunehmen? Sie sollten vier Prozent vom rentenversicherungspflichtigen Brutto 2019 einzahlen – abzüglich der Förderung. Bei 40.000 Euro brutto (2019) wären das 1600 Euro. Abzüglich der – sagen wir – 600 Euro Förderung für zwei Kinder und 175 Euro für Sie selbst müssten Sie 825 Euro fürs ganze Jahr 2020 einzahlen. Bei kleineren Einkommen gibt es etwas zu beachten: Haben Sie vergangenes Jahr in Teilzeit zum Beispiel 20.000 Euro verdient und die Förderung der beiden Kinder wird bei Ihnen angerechnet, müssten Sie eigentlich fürs ganze Jahr nur 25 Euro zahlen. Der Gesetzgeber sagt aber: 60 Euro im Jahr sind das Minimum. Also müssen Sie entsprechend aufstocken, um die 775 Euro Förderung mitzunehmen. Übrigens: Kommen Kinder dazu, oder fallen aus der Förderung heraus, weil Sie kein Kindergeld mehr beziehen, sollten Sie Ihren Eigenbeitrag ebenfalls anpassen. Achten Sie darauf, dass notwendige Zahlungen noch dieses Jahr auf Ihrem Riester-Konto eingehen.

  • b) Für Ihre künftige Betriebsrente können Sie dieses Jahr 552 Euro im Monat zurücklegen und müssen jetzt keine Steuern dafür bezahlen. Für die Hälfte davon brauchen Sie auch keine Sozialversicherungsbeiträge (Krankenkasse, Renten-, Pflege und Arbeitslosenversicherung) zu bezahlen. Wenn Ihr Vertrag gut ist, sollten Sie die Möglichkeiten ausnutzen. Mit dem Weihnachtsgeld können Sie Ihre Zahlungen in diesem Jahr aufstocken . Wenn Ihr Chef etwas dazutut, umso besser. Bei neuen Verträgen muss der Chef zuschießen. Das ist auch richtig, denn er spart Gehalt, wenn Sie aufstocken. Das hat folgenden Grund: Sobald Sie Gehalt in Ihre Betriebsrente stecken, müssen Sie keine Sozialversicherungsbeiträge auf diesen Betrag mehr zahlen – folglich spart Ihr Chef seine Hälfte der Sozialversicherung auch.

  • c) Ach ja, Sie können natürlich auch fürs Alter vorsorgen, ohne auf Steuervorteile und Förderung zu setzen. Dafür auf viel Flexibilität und langfristig möglicherweise deutlich höhere Rendite. Nutzen Sie dafür am besten marktbreite, weltweit anlegende ETFs . Wenn Sie am Jahresende Geld übrig haben, können Sie das Geld auch als Einmalzahlung auf Ihrem Depot unterbringen und so noch etwas fürs Alter tun.

  • d) Das Gleiche gilt für Selbstständige, die mit einem guten Rürup-Vertrag  fürs Alter vorsorgen. Gut sind Verträge mit wenig Kosten und hohen Renditechancen. Am besten auch mit der Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln, falls beim alten Anbieter das Management in Jahren oder Jahrzehnten mal nicht mehr funktioniert. Besonders lukrativ: Statt in erfolgreichen Jahren vor der Rente besonders viel Steuern zu zahlen, können Sie mit einem Rürup-Vertrag mehr Geld fürs Alter anlegen. Die Steuerlast als Rentnerin ist vermutlich viel niedriger – und zugleich profitieren Sie aktuell von deutlich geringeren Steuern.
    Denn bei den Vorsorgeaufwendungen  (inklusive der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung) wirken sich Einzahlungen bis insgesamt gut 25.000 Euro steuerlich aus. 90 Prozent davon sind als Sonderausgaben abzugsfähig . Insbesondere Selbstständige können bis Jahresende mit einer Einzahlung in einen Rürup-Vertrag und/oder freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ihre Steuerlast enorm senken. Für Verheiratete gilt übrigens insgesamt der doppelte Höchstbetrag. Apropos Heirat: Mit dem Rürup-Vertrag sind Sie noch fester verbunden als mit ihrem Partner. Und schnell für 50 Jahre in Einzahlphase und Rentenphase. Also suchen Sie sich einen guten Vertrag: Drum prüfe, wer sich ewig bindet.  

3) Romantischer Gewinn: Heirat ist sowieso ein gutes Stichwort. Die Ehe ist, finanziell gesehenen, meist eine gute Idee. Und dann gilt: je schneller, desto besser. Das Ehegattensplitting  bringt bei großen Einkommensunterschieden 5000 Euro oder mehr an Steuerersparnis – jedes Jahr. Und egal, wann im Jahr Sie heiraten, der Vorteil gilt fürs ganze Jahr. Aktuell hält sich die Drängelei vor dem Standesamt in Grenzen. Es ist Winter und Corona hemmt die Feierlust. Das große Fest feiern können Sie aber auch nachholen – mit Impfstoff hoffentlich und richtiger Party. Andersherum: Falls Sie sich als Paar im Laufe des Jahres 2020 getrennt haben, überlegen Sie sich gut, ob Sie nicht angesichts des nahenden Weihnachtsfestes einen Versöhnungsversuch unternehmen. Denn wenn Sie das Getrenntleben aufheben, können Sie sich nochmals für 2021 steuerlich zusammen veranlagen lassen. Und gemeinsam von der Steuerersparnis profitieren.

4) Gewinn an Lebensqualität: So, Energie, Altersvorsorge und Familie hatten wir. Bleiben die beiden großen Ausgabenblöcke rund ums Haus, die Sie bis Silvester noch zu Steuersparblöcken machen können. Lassen Sie Ihren Handwerker noch schnell das Bad verschönern, die Fassade streichen oder eine elegante Holztreppe einbauen. Bis zu 6.000 Euro im Jahr können Sie als Handwerkerkosten bei der Steuer geltend machen  und dafür bis zu 1.200 Euro zurückholen. Haben Sie die noch nicht ausgeschöpft, dann los. Die 20 Prozent Rückzahlung sind mal erfunden worden, um Schwarzarbeit zu bekämpfen, also Rechnungen ohne Mehrwertsteuer. Bis Silvester bezahlen Sie sogar nur 16 Prozent Mehrwertsteuer, bekommen aber 20 Prozent der Arbeitskosten vom Finanzamt zurück.
Reicht die Summe für die Handwerker nicht, gibt es noch die Möglichkeit, für bis zu 20.000 Euro sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen  bei der Steuer anzugeben und ebenfalls 20 Prozent zurückzuholen. Wichtig ist: Sie müssen das Geld überwiesen haben. Viele Rechnungen, die Sie dort normalerweise angeben, sind vielleicht wegen Corona gar nicht angefallen. Aber vielleicht gibt es noch Arbeiten, die dringend erledigt werden müssen. Der Katalog möglicher Kosten, mit denen Sie Steuern sparen können, ist ellenlang.

5) Gewinn an Ruhe: Haben Sie am Ende des Jahres noch Geld übrig? Dieses Jahr geht es zum Beispiel all jenen so, die von Kurzarbeit oder Jobverlust verschont wurden, aber nicht in Urlaub fahren konnten. Dann nutzen Sie dieses Geld doch für eine Sondertilgung beim Immobilienkredit . So mancher bezahlt bei einem acht oder neun Jahre alten Immobilienkredit immer noch mehr als drei Prozent Zinsen. Die können Sie sparen. Standardmäßig ist in vielen Baufinanzierungsverträgen eine Sondertilgung von bis zu fünf Prozent pro Jahr vorgesehen. Manche Verträge enthalten auch die Möglichkeit, zehn Prozent der Kreditsumme jedes Jahr gesondert zu tilgen. Und wenn richtig viel Geld auf dem Konto ist, im Januar gleich die nächste Sondertilgung nachschieben. Die spart dann auch noch für das ganze Jahr 2021 die Zinsen.

6) Und Zinsgewinn: Zu guter Letzt noch ein heißer Tipp für eine sechsprozentige Anlage beim Finanzamt. Wenn Sie Ihre freiwillige Steuererklärung für 2016 noch nicht gemacht haben, sollten sie das bis 31. Dezember nachholen. Die meisten Menschen, die keine Steuererklärung machen müssen, können richtig viel Steuern sparen. Auch deswegen erspart ihnen der Staat die Pflicht zur Steuererklärung . Und weil Ihnen der Staat die Steuererstattung eigentlich schon seit Ende 2016 schuldet, muss er ab 15 Monate später – also hier ab April 2018 – sogar Verzugszinsen zahlen. Pro vollen Monat sind das 0,5 Prozent, also 6 Prozent im Jahr. Sollten ihnen für 2016 noch 1000 Euro Rückerstattung zustehen, sind daraus mit Zinsen bis zum Jahresende 2020 schon fast 1180 Euro geworden. Rechtzeitig zu Weihnachten wird der Scheck vom Finanzamt zwar nicht mehr kommen. Aber dafür laufen die Zinsen auch im Januar 2021 weiter. Vorfreude ist ja auch eine große Freude.