Alternativen fürs Orakel-Gießen  Das erste bleifreie Silvester

Für viele gehört es als festes Ritual zu Silvester: Bleigießen. Doch zu diesem Jahreswechsel gibt es die Sets nach einer EU-Entscheidung nicht mehr zu kaufen. Alternativen sind aber vorhanden - sogar digital.

Silvesterbrauch des Bleigießens (Archivbild aus 2013)
DPA

Silvesterbrauch des Bleigießens (Archivbild aus 2013)


Über einer Flamme wurde Blei auf einem Löffel geschmolzen und dann in kaltes Wasser gekippt. Meist kamen nur undefinierbare Klumpen heraus. Aus denen galt es dann, eine möglichst positive Vorhersage herauszulesen. So etwa lässt sich der Ablauf des Bleigießens an Silvester zusammenfassen.

Doch zum diesjährigen Jahreswechsel müssen sich Fans dieses Rituals etwas umorientieren.

Denn die EU hat für Produkte mit Bleigehalt einen neuen Grenzwert beschlossen, der seit April 2018 gilt. Produkte mit einem Bleigehalt höher als 0,3 Prozent gelten als gefährlich und mussten aus dem Handel genommen werden. Bleigieß-Sets enthielten laut Stiftung Warentest mindestens 71 Prozent Blei.

Die Verbraucherschützer fassen die schädlichen Wirkungen des giftigen Schwermetalls in einem Satz zusammen: "Blei macht dumm." Es schädige das zentrale Nervensystem und damit die Hirnfunktion. Gefährlich sei etwa, wenn Kinder Bleifiguren in den Mund nehmen oder die beim Gießen benutzten Löffel weiterverwendet werden. Beim Bleigießen werden auch giftige Dämpfe freigesetzt. Zudem könne es Brandwunden geben, wenn das flüssige Material hochspritze.

Alternative auf dem Smartphone

Bei Blei-Sets, die noch im Onlinehandel verfügbar sind, handelt es sich laut Stiftung Warentest um Restbestände, die eigentlich nicht mehr verkauft werden dürften.

Produktfoto eines Wachsgieß-Sets
picture alliance/ Moritz Vennem

Produktfoto eines Wachsgieß-Sets

Der Handel hat sich allerdings legale Alternativen einfallen lassen. So können auch mit Wachs Figuren gegossen werden. Hersteller haben dafür Wachs silber eingefärbt, um den Traditionalisten unter den Bleigießern entgegenzukommen. Auch Zinn kann ein Ersatz sein. Wirklich bleifrei sei hier aber nur Reinzinn - auch Lebensmittelzinn genannt - warnen Verbraucherschützer.

Wer Brandverletzungen beim Orakeln ganz aus dem Weg gehen will, kann das Smartphone benutzen. Es gibt nämlich bereits Apps fürs virtuelle Bleigießen.

mmq



insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
m_s@me.com 31.12.2018
1. Wachsgiessen: Man kann das Geld auch rauchen
Wir haben das letztes Jahr zu sechst probiert und haben uns sehr bemüht - absoluter Schwachsinn.
gucky2009 31.12.2018
2.
Zitat von m_s@me.comWir haben das letztes Jahr zu sechst probiert und haben uns sehr bemüht - absoluter Schwachsinn.
Evtl. zu wenig Alkohol?
5b- 31.12.2018
3. Lötzinn
Dann gehen die Leute halt in den Baumarkt und kaufen sich Lötzinn. Den kann man bleifrei aber auch noch verbleit kaufen.
Vernunftimkopf 31.12.2018
4. Was denn noch alles
will diese Oberverbotsadministration EU verbieten. ich möchte mal erleben, dass diese Leute anstatt fortlaufender Verbote Jahrhunderte genutzter und liebgewordener Dinge, auch nur einmal was erlauben. Kein Wunder wenn viele diese EU nur als Verbots- und Maßregelungsmonster wahrnehmen.
P-Schrauber 31.12.2018
5.
Wachs ist totaler Blödsinn und produziert nut fladenartige Gebilde weil Wachs nun einmal leichter als Wasser ist. Tipp Lötzinn nehmen den gibt's für wenig Geld beim Baumarkt, zum Glück hat sich die EU da nicht dran getraut das auch noch zu verbieten ... die EU hätte sich überlegen müssen ob die Bleigiesserei wie nicht auch als Löten oder Reparatur bei Dachdeckerarbeiten hätte generated werden müssen, für einige Dachziegel muss noch immer Blei als Anschlussbahn verwendet werden. Niemand wird seine Bleigussergebnisse später aufessen oder das Behältnis in dem der heisse Klumpen hineingeworfen wurde ohne zu waschen weiterverwenden. Ein Verbot am wirklichen Leben vorbei das die EU Verdrossenheit nur fördert.
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