Kompakte Solaranlagen Sonnenstrom vom Balkon

Rund 40.000 Geräte dieser Art soll es schon geben: Mit Mini-Solaranlagen können selbst Mieter auf ihrem Balkon Strom erzeugen und ihn verbrauchen. Die Geräte gibt es schon ab 400 Euro - und sie rechnen sich.

Solardach
imago images/JOKER

Solardach

Eine Kolumne von


Hat Ihr Nachbar sie schon? Die neueste Kreation für den Großstadtbalkon? Eine Solaranlage mit Stecker - einstöpseln und Strom produzieren sozusagen. Mit dem Balkonmodul lässt sich in diesem heißen Sommer der Kühlschrank betreiben und gleichzeitig Strom und Geld sparen.

Wenn Sie noch keine Solaranlage mit Stecker haben, sind Sie echt spät dran. Nach dem Boom für Photovoltaikanlagen auf Privathäusern vor zehn Jahren kommt gerade der nächste Schub. Solarstrom erzeugen ohne große Vorbereitung und ohne dass ein Profi zur Installation kommen muss - mit sogenannten Plug-in-Modulen für Balkon und Garten geht das. Die Mini-Solaranlagen speisen den Strom direkt in die heimische Steckdose ein, anschließend können ihn alle Geräte im Haushalt verbrauchen.

250.000 solcher Anlagen soll es in der EU schon geben. Die Nachbarn in Österreich oder Luxemburg waren zwar schneller, aber auch in Deutschland sind schätzungsweise 40.000 Anlagen am Start.

Unter zehn Cent pro Kilowattstunde

Die Geräte für den kleinen Beitrag zur Energiewende rechnen sich: Den Strom können Sie bei guter Sonnenstrahlung auf Ihrem Balkon für unter zehn Cent pro Kilowattstunde erzeugen, beim Stromanbieter kostet eine Einheit fast 30 Cent. Ein neues Stecker-Solargerät gibt es für 400 Euro im Internet, leider noch nicht bei Aldi oder Lidl.

Sie hängen das Modul einfach an den Südbalkon, quasi als Sichtschutz, wenn Sie sich sonnen. Oder wenn Sie gut mit Bohrer und Schraubenzieher umgehen können, montieren Sie ein paar der neuen Solarmodule einfach als eine Art Markise. 70 Grad Neigung auf der Südseite ergibt einen guten Winkel für die Stromerzeugung. Als Mieter müssen Sie sich eine Montage an die Fassade allerdings genehmigen lassen.

Noch besser: das Dach

Den Strom verbrauchen Sie praktisch komplett selbst, für alle Geräte im Stand-by-Modus, aber auch Kühlschrank, Waschmaschine oder Kaffeemaschine tagsüber. Gespeichert wird erst einmal nicht. Aber Ihr Stromzähler sollte eine Rücklaufsperre haben. Andernfalls würde ein analoger Stromzähler rückwärts laufen, wenn mehr Strom anfällt, als gerade gebraucht wird. Und das ist nicht erlaubt. Wenn Sie doch ein bisschen einspeisen: In Bayern und NRW können Sie Ihre Anlage mit einem Musterschreiben auf den Seiten der Netzbetreiber kurz anmelden, im Rest der Republik nutzen Sie dafür das Musterformular des VDE.

Sie haben nicht nur einen Balkon zur Verfügung, sondern ein ganzes Dach? Dann können Sie noch mehr zur Energiewende beitragen und gleichzeitig sparen. Den Strom von Ihrem Solardach verkaufen Sie anders als früher nicht vorrangig an den lokalen Stromkonzern. Das lohnt sich angesichts der sinkenden Einspeisevergütung immer weniger. Günstiger ist es, Sie verbrauchen den Strom stattdessen selbst. Nach einem Preisrutsch um 75 Prozent für Solarmodule in den vergangenen zwölf Jahren können Sie auch auf dem Dach Strom locker für zehn Cent pro Kilowattstunde erzeugen. Beim Stromanbieter zahlen Sie fast dreimal so viel.

Ihre Photovoltaikanlage für 5000 bis 8000 Euro macht sich so sicher bezahlt, wenn Sie den Strom hauptsächlich selbst nutzen. Denn die garantierte Nutzungsdauer der meisten Module beträgt heute 25 bis 30 Jahre.

Wie können Sie mehr eigenen Solarstrom nutzen? Sie kaufen passend zur Solaranlage für einige Tausend Euro einen Speicherakku. Den stellen Sie an einem kühlen Ort auf, beispielsweise im Keller. Die Preise für solche Akkus haben sich in den vergangenen sechs Jahren halbiert. Wenn sie 15 Jahre in Betrieb bleiben, lohnt sich auch die Investition.

Und dann noch das E-Auto laden

Der Akku hebt den Strom aus der Mittagssonne für das abendliche Fernsehvergnügen oder die nächtlichen Computerspiele Ihrer Kinder auf. Besitzer von E-Autos können damit auch abends nach der Arbeit ihr E-Auto aufladen. So lassen sich auch 70 Prozent des eigenen Stroms selbst verbrauchen.

Eigentlich könnte die Batterie des Autos sogar selbst als Akku funktionieren. In Japan ist das schon Praxis, vorangetrieben vom Mitsubishi-Konzern, der damit jetzt auch auf den deutschen Markt will.

Ganz vorne sind Sie mit dem Akku im Keller oder der kühlen Garage immer noch, Avantgarde aber nicht mehr. In den vergangenen zwei Jahren konnten die Landesregierungen die Fördertöpfe für solche Akkusysteme gar nicht so schnell auffüllen, wie sie von Hausbesitzern abgerufen wurden. Im Gegensatz zum dem weit hinter den Erwartungen zurückbleibenden E-Auto-Verkauf sind die Akkus für den Hausgebrauch ein so nicht erwarteter Renner. Mehr als 130.000 Geräte sind installiert. Allein 2018 kamen etwa 40.000 dazu.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Stromüberschüsse könnten Sie natürlich auch weiterhin ins Netz einspeisen, aber der bürokratische Aufwand ist eigentlich zu groß. Etwa 30 bis 40 Euro pro Kilowatt installierter Leistung können Sie durch den Verkauf des Stroms verdienen. Der Gewinn ist aber noch zu versteuern.

Die Zeit für die Steuererklärung können Sie sich sparen und einfach den überschüssigen Strom an die Nachbarn verschenken oder an der Hausecke eine Solartankstelle für Nachbars E-Bike einrichten. Die Mehrwertsteuer aus der Anschaffung der Anlage können Sie dann allerdings nicht vom Finanzamt zurückholen.

Regionale Förderung und zinsgünstige Kredite machen aus den Solarkonzepten der zweiten Generation ein Angebot, das umweltbewusste Mieter mit Südbalkon und Hausbesitzer mit Süddach kaum ausschlagen können. Wenn die Anlage mal abbezahlt ist, wird aus Solarpanel (und Kellerakku) praktisch eine Lizenz zum Gelddrucken.

insgesamt 188 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bbkingbaby 13.07.2019
1. Drehstrom ...
Die meisten privaten Haushalte haben einen Drehstromanschluss. Mit den kleinen Mini-Solaranlagen elche den erzeugten Strom an einer Steckdose einspeisen muss man beachten, dass der dann auch in dieser Phase verbraucht wird? Wenn das Dachgeschoß einen anderen Stromkreis (Phase) hat als der Kühlschrank im Erdgeschoß ist es schon vorbei mit der großen Ersparnis ...
tronicum 13.07.2019
2. Balkon Mini Anlagen rechnen sich nicht
Für die meisten Haushalte lohnt sich ein Balkon Anlage nicht. Schlimmer noch man verschenkt Strom an den Netzbetreiber weil Einspeisung nicht erfasst werden kann. Halt das für unseriös sowas zu empfehlen.
davi_ac 13.07.2019
3. Vor einem Jahr
sah das noch so aus: https://www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/solaranlage-fuer-den-balkon-wie-mieter-geblendet-werden-a-1208311.html
Energiedrehstrom 13.07.2019
4. Drehstom
zu bbkingbaby: Die Energiezähler zählen nicht pro Phase, sondern den gesammten Strom aller Phase gleichzeitig . Das heißt es ist unerheblich auf welcher Phase ich einspeise/erzeuge. Ich bin nicht gezwungen auf der Phase der Einspeisung zu verbrauchen. Der Zähler saldiert sozusagen. Solange ich mehr erzeuge als entnehme ist alles gut und es geht zu meinen Gunsten aus.
syracusa 13.07.2019
5. Eigenverbrauch optimieren
Mit ein wenig handwerklichem Geschick lässt sich der Eigenverbrauch deutlich steigern. Allerdings geht das eher nur beim Neubau. Ich habe einen Stromkreis eingerichtet, der als Inselanlage seinen Strom nur vom Wechselrichter bezieht. Der Wechselrichter ist ein Hybrid-Gerät mit eingebauter Netzvorrangschaltung. Er hängt also sowohl am Stromnetz, als auch am Akku. Solange der Akku Strom liefert, nimmt mein dazu eingerichteter Stromkreis mit allen Lampen, Kühl-Gefrier-Kombi, Computer, TV usw Strom ausschließlich aus dem von der PV-Anlage gespeistem Akku. Sinkt die Akkuspannung infolge Entleerung unter eine voreingestellte Schwelle, dann schaltet der Wechselrichter unterbrechungsfrei auf Netzstrom um. Allerdings ist das seit Inbetriebnahme vor einem halben Jahr noch nicht passiert. Strom beziehe ich seitdem nur noch für die Großverbraucher, die aber immer nur für kurze Zeit in Betrieb sind. Das sind Backofen, Herd, Durchlauferhitzer und Wärmepumpe. Und als Bonus habe ich damit auch eine gesicherte Stromversorgung, falls es mal zum Ausfall des öffentlichen Netzes kommt. PV-Anlage: 4 Module á 300 Wp Akku: 2 Stck 200 Ah LKW Bleibatterie Wechselrichter: 800 W (wg hoher Anlaufströme des Kühlschranks) Kombigerät inkl PV-Ladegerät Kosten: 2000 Euro inkl aller Kleinteile und Kabel genutzter Strom aus PV: 750 kWh p.a., entsprechend 225 Euro
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.