Mini-Zinsen Den Deutschen vergeht die Lust aufs Sparen

Die Deutschen geben ihr Geld gerade lieber aus: Mickrige Zinsen haben ihnen offenbar die Lust aufs Sparen verdorben. Laut einer Umfrage bilden lediglich 40 Prozent der Verbraucher Rücklagen, nur die Hälfte sorgt fürs Alter vor.
Kunden beim Fernsehkauf: Anschaffungen statt Sparen

Kunden beim Fernsehkauf: Anschaffungen statt Sparen

Foto: Rolf Vennenbernd/ picture alliance / dpa

Berlin - Wer derzeit Tagesgeld anlegt, muss über einen Zinssatz von 1,3 Prozent schon froh sein. Viele Deutsche haben die Suche nach guten Angeboten offenbar satt und geben ihr Geld lieber aus. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Deutschland legen nur etwa 40 Prozent der Verbraucher regelmäßig Geld beiseite. Im Sommer 2013 waren es demnach noch 49 Prozent.

Wenn die Deutschen Geld auf die hohe Kante legen, dann offenbar für größere Anschaffungen. Denn auf Platz eins der Sparmotive liegt der Umfrage zufolge der Konsum mit 65 Prozent. Vor einem Jahr gaben 62 Prozent an, für Einkäufe Geld beiseite zu legen.

Das Thema Altersvorsorge dagegen scheint für die Verbraucher an Bedeutung verloren zu haben. Während 2013 noch 60 Prozent der Befragten angaben, fürs Alter zu sparen, waren es nun nur noch 51 Prozent. Dass die Deutschen weniger für später zurücklegen, könnte damit zusammenhängen, dass die Verbraucher sich bei der Altersvorsorge nicht mehr auf die jahrzehntelangen Zinsbringer verlassen können. So macht etwa eine Reform der Lebensversicherung das Produkt für Kunden noch unattraktiver.

Drittwichtigstes Sparziel bleibt der Erwerb von Wohneigentum. 46 Prozent der Befragten legen demnach Geld für eine Immobilie zurück. Doch auch hier ging der Eifer zurück, vor einem Jahr waren es noch 54 Prozent.

Für die Erhebung im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen befragte TNS mehr als 2000 Bundesbürger ab 14 Jahren.

Deutsche kaufen lieber ein

Auch Konjunkturdaten stützen die Annahme, dass die Deutschen lieber konsumieren als sparen. Das Barometer für das Konsumklima im Juli stieg auf 8,9 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Dezember 2006. Die Forscher machen dafür die Zinssenkungen der EZB mitverantwortlich. Das Zinssignal der Notenbank habe "die Sparneigung regelrecht abstürzen lassen", sagte ein GfK-Experte. Zudem bewerten die Konsumenten die Aussichten für die Konjunktur und die eigenen künftigen Finanzen weiter sehr gut.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Anfang Juni den Leitzins in der Eurozone auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und den Banken erstmals einen Strafzins aufgezwungen, um die Kreditnachfrage anzukurbeln. Da die Kreditinstitute ihrerseits die Einlagenzinsen wohl rasch kappen dürften, wird Sparen für die Kunden immer unattraktiver.

mmq/dpa