Yasmin El-Sharif

Sparkassen und Negativzinsen Riskantes Spiel mit dem Geldvertrauen

Mein Arzt, mein Pfarrer, meine Sparkasse: Wenn es in Deutschland eine Vertrauensinstanz gibt, dann die Sparkassen. Doch die Institute riskieren dies, wenn sie mit Minuszinsen drohen.
Mann vor der Filiale einer Sparkasse

Mann vor der Filiale einer Sparkasse

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Rot wie die Farbe der Liebe sind die Sparbücher der Sparkassen, die seit Jahrzehnten schon an die kleinsten Sparer des Landes ausgehändigt werden. Und wenn alles gut geht, dann entsteht daraus eine Liebesbeziehung, die fürs Leben hält. Mindestens aber eine Vertrauensbeziehung. Millionen Deutsche sind diese mit ihrer Filiale eingegangen.

Mein Arzt, mein Pfarrer, meine Sparkasse: Wenn es in Deutschland eine Vertrauensinstanz beim Thema Geld gibt, dann sind es die Sparkassen. Sie tragen das Wort Sparen im Namen und haben einen öffentlichen Auftrag laut Gesetz. Dem Gemeinwohl sollen die Institute dienen. Und das taten sie bisher auch: mit zahlreichen Spenden für Schulen, Vereine, Kultur - und natürlich mit sicheren Zinsen auf Sparbücher.

Doch die Zeiten ändern sich. Seit einigen Jahren fährt die Europäische Zentralbank (EZB) um Präsident Mario Draghi einen Kurs der Niedrig- beziehungsweise Nullzinsen. Gründe dafür gibt es genug. Nur für Sparer ist das extrem bitter. Ohne Zinszahlungen vermehrt sich das Geld auf dem Bankkonto nicht mehr von allein, die Altersvorsorge schrumpft zusammen. Und in Aktien zu investieren kommt für die meisten Sparbuch-Deutschen nach wie vor nicht infrage. Eine vertrackte Lage.

Und die Sparkassen, tja, die wettern. Gegen Draghi und die "kalte Enteignung" der Sparer in Deutschland. Natürlich fürchten sie auch um ihr eigenes Geschäft. Der Ärger ist lauter geworden seitdem die EZB im März Strafzinsen von 0,4 Prozent auf Bankeinlagen bei der Zentralbank eingeführt hat. Geld zu bunkern wird für die Kreditinstitute inzwischen richtig teuer. Wenn Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon gegen solche Maßnahmen tönt, ist das nachvollziehbarer Lobbyismus.

Nur dabei bleibt es nicht. So hat jetzt der bayerische Sparkassenpräsident Ulrich Netzer angekündigt, hohe Einlagen von Geschäftskunden ebenfalls mit Minuszinsen zu belegen. Und im gleichen Atemzug gesagt, dass man Privatkunden Negativzinsen zwar ersparen wolle, dies aber auf lange Sicht nicht ausschließen könne. Auch Fahrenschon hatte vorher Ähnliches gesagt.

Beabsichtigt oder nicht: Das kommt einer Drohung gleich, die eigentlich an die Politik gerichtet ist, aber in erster Linie bei den Kunden ankommt. Das ist fatal. Denn auf Dauer wird so das lange aufgebaute Vertrauen zwischen Bank und Kunden zerstört. Und noch immer werben die Sparkassen auf ihrer Webseite: "Auf dem Sparbuch ist Ihr Geld sicher. Es ist eine Rücklage, auf die Sie sich verlassen können." Doch verlässlich scheint hier nichts mehr zu sein.

Natürlich stehen die Sparkassen wie auch andere Banken derzeit unter einem enormen Druck. Sie müssen immer noch Geld verdienen, klar. Dass das trotz mieser Zinsen nach wie vor möglich ist, haben die Sparkassen zuletzt selbst vorgemacht - ihr Gewinn lag 2015 bei rund zwei Milliarden Euro. Wie das geht? Mit steigenden Einnahmen zum Beispiel aus Kontogebühren und Provisionen für Wertpapiergeschäfte.

Im Zweifel sollten die Sparkassen also lieber transparent Gebühren erhöhen, als auf Spareinlagen negative Zinsen zu erheben - oder damit zu drohen. Sonst fangen die Kunden im schlimmsten Fall an, ihr Geld abzuheben und zu Hause unter dem Kopfkissen zu horten. Kaum anzunehmen, dass die Sparkassen-Chefs das mit ihrem Getrommel beabsichtigt haben.

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