Teure Kredite SPD-Länder wollen Dispo-Deckel durchsetzen

Die Dispo-Zinsen sind oft höher als nötig - die von SPD und Grünen regierten Bundesländer wollen das ändern. Auf der Konferenz des Verbraucherschutzministers wollen sie eine gesetzliche Obergrenze für die Gebühren durchsetzen.
Bundesverbraucherministerin Aigner: Baldige Entscheidung über Dispo-Zinsen?

Bundesverbraucherministerin Aigner: Baldige Entscheidung über Dispo-Zinsen?

Foto: dapd

Düsseldorf - Die Dispokredite der Deutschen summieren sich auf mehr als 40 Milliarden Euro, auf 500 Euro pro Bürger. Für ihre Schulden bei der Bank müssen Verbraucher hohe Zinsen zahlen. Die von SPD und Grünen regierten Länder wollen das nun ändern: Sie wollen die Dispo-Zinsen deckeln - per Gesetz.

"Wir wollen auf der Verbraucherschutzministerkonferenz die Bundesregierung auffordern, eine gesetzliche Deckelung der Zinsen für Dispositions- und Überziehungskredite einzuführen", sagte NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) der "Rheinischen Post". Durchsetzen wollen sie ihre Position auf der Konferenz der Verbraucherschutzminister, die am Dienstag in Hamburg startet.

Damit liegen die von der Opposition geführten Bundesländer auf der Linie der Verbraucherschützer. Auch diese fordern seit langem einen Deckel. "Wenn der Markt nicht funktioniert, muss der Gesetzgeber klare Regeln schaffen", sagte der Finanzexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Manfred Westphal. Banken könnten sich derzeit "superbillig" Geld besorgen, sagte er. "Der Satz für Dispo-Zinsen müsste deutlich unter neun Prozent liegen."

Eine Expertise für Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) war Mitte Juli zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Experten des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Instituts für Finanzdienstleistungen schreiben in einem gemeinsamen Gutachten, dass "die Erträge aus dem Dispogeschäft die Kosten, die dem Kreditinstitut entstehen, deutlich übersteigen". Das Extra-Geld werde "zur Quersubventionierung anderer Leistungen oder zur Gewinnsteigerung verwendet". Banken könnten auch mit einem Zinssatz von höchstens zehn Prozent profitabel arbeiten.

Zinsen bei durchschnittlich 12,4 Prozent

Die Banken rechtfertigen ihre Zinsen oft mit hohen Kosten für die Abwicklung der Kredite - und mit dem vermeintlich großen Ausfallrisiko. Die Studie zeigt, dass beides nicht stimmt. So belegen die Forscher, dass die Ausfallquote der Dispokredite mit durchschnittlich 0,3 Prozent außerordentlich niedrig ist, bei normalen Konsumentenkrediten liegt sie bei 2,5 Prozent. Außerdem habe sich der Bearbeitungs- und Verwaltungsaufwand für die Kredite in den vergangenen Jahren nicht erhöht, schreiben die Experten.

Laut einer Erhebung der Stiftung Warentest verlangen die deutschen Banken durchschnittlich 12,4 Prozent Zins für Dispokredite. Spitzenreiter bei der letzten Erhebung der Stiftung im Herbst 2011 war eine Bank mit 18,25 Prozent.

Über das Thema Dispo-Zinsen gibt es ganz unterschiedliche Meinungen. Verfechter eines freien Markts argumentieren: Wenn jemand Schulden macht, dann muss er eben auch mit hohen Zinsen rechnen. Verbraucherschützer argumentieren: Es könne nicht sein, dass das Rekordtief bei den Zinsen nur für Banken gelte - aber nicht für deren Kunden. Der zentrale Zinssatz in der Euro-Zone liegt derzeit bei gerade mal 0,75 Prozent.

ssu/dapd
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