Lieferprobleme und hohe Transportkosten Spielwarenhändler wollen Preise erhöhen

Mitten im Weihnachtsgeschäft bereitet die Spielwarenbranche Konsumenten auf Preissteigerungen vor – und kämpft mit massiven Lieferproblemen. Der Last-Minute-Geschenkekauf könne schwierig werden.
Foto: Isabel Pavia / Stone RF / Getty Images

Für viele Eltern läuft gerade die heiße Phase der Geschenkesuche. Doch in diesem Jahr könnte das Ganze etwas aufwändiger und auch teurer werden. Denn Lieferengpässe machen der Spielwarenbranche im wichtigen Weihnachtsgeschäft schwer zu schaffen.

Eine erhöhte Nachfrage treffe zurzeit auf Rohstoffknappheit und begrenzte Transportkapazitäten, erläuterte Ulrich Brobeil vom Deutschen Verband der Spielwarenindustrie (DVSI). Die Auswirkungen bekämen so gut wie alle Hersteller zu spüren. Bei besonders beliebten Produkten könnte das im Weihnachtsgeschäft zu Engpässen führen.

Laut einer DVSI-Umfrage kämpfen 90 Prozent der Firmen mit Problemen bei Materialien, Rohstoffen und Energie, 88 Prozent bereiteten Transport und Logistik Kopfzerbrechen. »Die deutlich gestiegenen Aufwendungen in der Supply Chain drücken natürlich auf die Rentabilität unserer Mitgliedsunternehmen«, sagte DVSI-Geschäftsführer Ulrich Brobeil. Preiserhöhungen seien nicht zu vermeiden.

»Bei den Kindern wird zuletzt gespart«

Die Aussichten für das Weihnachtsgeschäft schätzen die Firmen positiv ein: 39 Prozent bewerteten es besser als im vergangenen Jahr, sagte DVSI-Geschäftsführer Brobeil. Trotz der Lieferengpässe werde der Gesamtmarkt um einen hohen einstelligen Prozentsatz wachsen.

»In unsicheren Zeiten wurde bei den Kindern immer zuletzt gespart«, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands des Spielwaren-Einzelhandels, Steffen Kahnt. Den Prognosen zufolge wird hier der Umsatz bis Ende des Jahres auf 3,8 Milliarden Euro steigen, vier Prozent mehr als im Vorjahr.

Viele Händler hätten ihre Lager mit Blick auf diese Situation so gut gefüllt wie noch nie, sagte Kahnt. Beim Last-Minute-Geschenkekauf könnten allerdings nicht mehr alle Wünsche erfüllbar sein.

Wieland Sulzer, Spielwarenhändler aus Marburg, sagte, der Umgang mit der Liefersituation mache derzeit 90 Prozent seiner Arbeitszeit aus. »Wobei das ein Kampf gegen Windmühlen ist.« Zum Teil könnten die Hersteller nur einen Bruchteil ihrer Produkte liefern. Die Engpässe zögen sich durch alle Produktgruppen.

So klagten die Spieleverlage über die Situation in der Druckindustrie, der Chipmangel wirke sich auf technische Spielsachen aus. Dazu kämen Transportengpässe und die drastisch gestiegenen Frachtkosten aus Fernost. Viele Hersteller reagierten darauf mit zum Teil deutlichen Preiserhöhungen.

Auch laut einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts klagten im November 77,8 Prozent der Einzelhändler in Deutschland über Schwierigkeiten bei der Lieferung bestellter Ware. Nachschubprobleme gibt es demnach besonders bei Spielzeugen.

Mit einer schnellen Entspannung rechnet die Branche nicht. DVSI-Geschäftsführer Brobeil sagte, einige Firmen zeigten sich zuversichtlich, dass es ab Mitte 2022 besser werde, andere erwarteten Besserung erst im Jahr 2023. »Ein Ende der Flaschenhalsrezession ist nicht in Sicht«, dämpfte er Hoffnungen.

Klassiker sind gefragt

Die Engpässe treffen die Branche zu einer Zeit, in der die Nachfrage hoch ist. In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres hätten die Erlöse um gut ein Fünftel über denen des Vor-Corona-Jahres 2019 gelegen. »Dies verdeutlicht, wie stark die Produkte der Spielwarenbranche nachgefragt waren und den Menschen bisher durch die Krise geholfen haben«, sagte Joachim Stempfle vom Marktforschungsinstitut npdgroup Eurotoys.

Besonders gefragt sind laut Marktforschern Bausätze wie Lego sowie Brettspiele und Puzzles, gefolgt von Kleinkind-Spielzeug und Experimentier-Sets.

mmq/Reuters/dpa

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