Kriegsfolgen Spritpreise im März stärker gestiegen als in den Ölkrisen

Diesel und Benzin haben sich während des Krieges in der Ukraine so rasant verteuert wie in keiner der früheren Krisen. Der Gaspreis kletterte sogar auf ein Allzeithoch.
Kunde an der Tankstelle: »So hohe Preisanstiege gab es selten zuvor«

Kunde an der Tankstelle: »So hohe Preisanstiege gab es selten zuvor«

Foto: Hannes P. Albert / dpa

Was Autofahrer schon zu spüren bekommen haben, ist nun von Statistikern offiziell belegt: Infolge des Ukrainekriegs sind die Preise an deutschen Tankstellen im März so stark gestiegen wie in keiner der anderen jüngeren Krisen.

Private Verbraucherinnen und Verbraucher mussten durchschnittlich 41,9 Prozent mehr für Superbenzin und 62,6 Prozent für Diesel bezahlen als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Kraftstoffe waren damit insgesamt 47,4 Prozent teurer. Für leichtes Heizöl musste sogar fast zweieinhalb Mal so viel bezahlt werden wie im März 2021.

»So hohe Preisanstiege für Heizöl und Kraftstoffe gab es in Deutschland selten zuvor«, schreiben die Statistiker.

Ähnliche Entwicklungen seien bislang lediglich im Zusammenhang mit den beiden Ölkrisen 1974 und 1980 sowie der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zu beobachten gewesen. »Allerdings war der Anstieg der Verbraucherpreise für Kraftstoffe im Vorjahresvergleich in keiner dieser Krisen höher als im März 2022«, fasste das Bundesamt das Ergebnis der Untersuchung zusammen.

In der ersten Ölkrise verteuerten sich die Kraftstoffpreise binnen einem Jahr auf dem Höhepunkt um 32 Prozent, in der zweiten Ölkrise waren es 28 Prozent, und während der Finanzkrise war die Zeit von deutlichen Schwankungen geprägt.

Die Gaspreise kletterten in den früheren Krisen jeweils mit Verzögerung und für die verschiedenen Nutzergruppen in unterschiedlicher Weise. Der Anstieg der Einfuhrpreise um 256,5 Prozent im Februar katapultierte den Gaspreis auf einen bisher nie erreichten Stand. Die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise bezifferte das Bundesamt nicht.

Insgesamt ist bei den Preisen derzeit keine Entspannung in Sicht. Das zeigt auch eine weitere Statistik zu den Erzeugerpreisen gewerblicher Produkte. Diese stiegen im März um durchschnittlich 30,9 Prozent zum Vorjahresmonat. Dies sei der stärkste Anstieg »seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949«, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Im Februar hatte die Rate noch bei 25,9 Prozent gelegen. »Die aktuellen Daten spiegeln bereits erste Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine wider«, schreiben die Statistiker.

Öle, Butter und Kaffee sind deutlich teurer

Hauptverantwortlich für die stark steigenden Erzeugerpreise war den Statistikern zufolge abermals Energie. Sie verteuerte sich im März um durchschnittlich 83,8 Prozent. Erdgas kostete dabei 144,8 Prozent mehr als im März 2021, Strom 85,1 und leichtes Heizöl 130,8 Prozent mehr. Klammert man Energie aus, lagen die Erzeugerpreise insgesamt nur um 14,0 Prozent über dem Vorjahreswert.

Bei Nahrungsmitteln lag der Aufschlag bei durchschnittlich 12,2 Prozent. Besonders stark stiegen hier die Preise für nicht behandelte pflanzliche Öle (+72,3 Prozent), Butter (+56,0 Prozent) und Kaffee (+20,5 Prozent).

Deutlich mehr verlangt wurde zudem für Düngemittel und Stickstoffverbindungen (plus 87,2 Prozent).

Für die Konsumenten in Deutschland sind das schlechte Nachrichten, da sie sich auf anhaltend hohe Preissteigerungen einstellen müssen. Denn der Handel dürfte zumindest einen Teil an die Endverbraucher weitergeben. Die Produzentenpreise gelten als Vorläufer für die Entwicklung der Inflation.

In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt – noch bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen.

Aktuell ist die Inflationsrate mit 7,3 Prozent bereits so hoch wie seit 1981 nicht mehr.

mmq/dpa/Reuters
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