Hohe Spritpreise Wie der Sommer für Autofahrer günstiger wird

Die Kosten für Benzin und Diesel dürften weiter steigen. Wenn Sie als Autofahrer nicht arm werden wollen, sollten Sie für die kommenden Wochen ein paar Tipps beachten.

Armin Weigel/ DPA

Eine Kolumne von


Die Anzeige an der Autobahntankstelle nahe dem lothringischen Metz hat mich überrascht. 1,68 Euro für einen Liter E10 stand da vor Ostern geschrieben. Ist die Ölkrise zurück, droht ein trauriger Automobilsommer? Oder sind das die französischen Steuererhöhungen, mit denen Präsident Emmanuel Macron vor Monaten die Gelbwesten auf den Plan rief?

Inzwischen weiß ich, dass auch hierzulande eher ein trauriger Sommer für Autofahrer droht. Seit Januar ist der Rohölpreis schon von 50 auf 75 Dollar pro Barrel (159 Liter) gestiegen. Dahinter stecken auch politische Faktoren: US-Präsident Donald Trump sorgt mit der Verschärfung der Iran-Sanktionen dafür, dass Öl knapper wird, der Preis weiter steigt und auch der Sprit an der Zapfsäule immer teurer wird. In Venezuela, dem Land mit den größten Ölreserven der Welt, herrscht ohnehin seit einem Jahr Chaos. Und SPD-Umweltministerin Svenja Schulze will eine CO2-Steuer einführen: 20 Euro pro Tonne, macht 4,5 Cent pro Liter Benzin und 5,3 Cent pro Liter Diesel. Gut für die Umwelt, schlecht für Fahrer von Verbrennerautos.

Bis jetzt hat sich die deutliche Erhöhung des Rohölpreises an der Zapfsäule und beim Heizöl noch gar nicht so drastisch ausgewirkt. Die Preise stiegen um rund 15 Cent pro Liter, wie man beim ADAC und in diversen Tank-Apps nachvollziehen kann. Solche Apps füttern ihre Datenbanken mit Zahlen des Bundeskartellamts. An die Behörde melden die rund 17.500 Tankstellen bundesweit jede Preiserhöhung und Preissenkung für Benzin und Diesel sofort.

Aber es droht eben mehr: Preisveränderungen am Rohölmarkt kommen meist erst mit einer gewissen Verzögerung beim Kunden an. Und wenn es mit dem Rohölpreis weitergeht Richtung 100 Dollar, sind auch an den Tankstellen Preise deutlich jenseits der 1,50 Euro im Schnitt zu erwarten. 2012 waren wir schon mal bei 1,65 Euro für den Liter Super.

Das sollten Autofahrer und Heizölkunden beachten

Was können wir Verbraucher tun, damit diese Entwicklung unser Haushaltsbudget nicht sprengt - und der Sommer finanziell nicht zu traurig wird?

Beim Heizöl ist die Lösung einfach: Die normale Zeitverzögerung von Ölpreisentwicklung zu Heizölpreis ist hilfreich für entschlossene Kunden mit einem ziemlich leeren Öltank. Die können ihn jetzt noch vollmachen, bevor der Heizölpreis stark anzieht. Vergleichsportale wie Esyoil oder Heizoel24 helfen, einen günstigen Heizölhändler zu finden.

Autofahrer haben diese Vorsorgeoption nicht, eine Tankfüllung reicht höchstens ein paar Wochen, wenn sie wenig fahren. Aber auch sie können etwas tun.

1. Nutzen Sie Tank-Apps

Diese Apps basieren darauf, dass die Tankstellen wirklich jede Preisänderung sofort an eine zentrale Stelle beim Bundeskartellamt melden müssen. Sie sind deshalb viertelstündlich aktuell. Und die Preise unterscheiden sich nicht nur erheblich von Tankstelle zu Tankstelle, sondern auch von Stunde zu Stunde. Im Großraum Berlin sind die Unterschiede besonders krass: Da kommen zwischen der preiswertesten Tankstelle nachts und der teuersten am Abend Unterschiede von mehr als 30 Cent pro Liter zustande. Das ist doppelt so viel wie die durchschnittliche Preissteigerung für Benzin seit Januar.

Die Apps lassen sich ganz praktisch nutzen: Sie können Standorte und Strecken vorgeben. Denn Sie sollten nicht immer zur preiswertesten Tankstelle im weiten Umkreis fahren (und so Umwege in Kauf nehmen). Aber auch bei den Tankstellen an ihren regelmäßigen Strecken kommen für App-Nutzer schnell 20 Cent pro Liter Unterschied zustande. Das macht zehn Euro Ersparnis für die Tankfüllung eines Mittelklassewagens.

Einmal angefixt, lassen sich solche Einsparungen im Zweifel sogar ohne App im Sommerurlaub umsetzen. Zu Ostern in Nordfrankreich unterschieden sich die Spritpreise zwischen der Autobahntankstelle der Avia und der freien Tanke in der Kleinstadt Soissons jedenfalls massiv: An der Autobahn kostete E10 Mitte April 1,68 Euro, an der freien Tankstelle nur 1,51 Euro - mehr als acht Euro Unterschied für die Tankfüllung. Und die nächste freie Tankstelle nach der Ausfahrt zeigt auch in Frankreich, Italien, Belgien oder Polen das Navi oder die Karten-App im Smartphone an.

2. Sparen Sie Sprit

Dabei helfen zum Beispiel die klassischen Fahrtipps: Niedertourig fahren, also im 5. Gang bei Tempo 50, im 4. bei Tempo 30. Für moderne Motoren ist das kein Problem. Vorausschauend im Verkehr mitfließen, nicht ständig abrupt beschleunigen und bremsen.

Zu den technischen Sparhinweisen gehört auch, die Reifen wirklich voll aufzupumpen, am oberen Ende der Herstellerempfehlung. Reifen mit wenig Luft erhöhen den Spritverbrauch schnell um einige Prozent.

Spritsparend ist es zudem, wenn Sie das Auto ab und zu entrümpeln. Jedes zusätzliche Kilo, das Sie durch die Gegend fahren, kostet bares Geld. Noch mehr Kosten verursacht ein ungenutzter Dachgepäckträger; er verschlechtert die Aerodynamik und erhöht den Spritverbrauch schnell mal um zwei Liter pro 100 Kilometer.

3. Zählen Sie die gesamten Kosten

Die laufenden Kosten des Autos bestehen nicht nur aus Spritkosten. Wartung und Reparatur, Versicherung, Beiträge für den Automobilklub und ganz am Anfang der Erwerb des Autos selbst gehen richtig ins Geld. Wer einen Neuwagen fährt, bei dem macht der schwindende Wert des Autos ungefähr die Hälfte der Gesamtkosten aus. Allein der Wertverlust liegt dann bei 200 bis 300 Euro im Monat für einen VW Golf oder Opel Astra - sagt der ADAC. In jedem Fall verschlingt ein Auto fortlaufend mehrere Tausend Euro pro Jahr.

Aber auch hier können Sie sich gegen zu hohe Kosten wehren - immer dann, wenn Wartung und Reparatur anstehen oder wenn Verträge auslaufen. Aktuell der nächste Schritt ist vielleicht auch für Sie der Wechsel auf Sommerreifen. Wenn Sie keine Alljahresreifen fahren und die vorhandenen Sommerreifen abgefahren sind, können Sie Ihre neuen Reifen im Internet kaufen. Natürlich nur, wenn Sie einen preiswerten Schrauber kennen, der die Reifen aufzieht. Hundert Euro Preisunterschied für das Schnäppchen im Netz gegenüber der konventionellen Lösung sind drin.

Dann läuft möglicherweise im Sommer auch noch Ihre Mitgliedschaft im Automobilklub aus.

Auch hier schadet der Preisvergleich nicht. Der Autoklub BAVC kostet weniger als der ADAC und leistet in etwa das Gleiche. Wer nur Pannenhilfe will und auf weitere Klubleistungen verzichtet, kann sich auch erkundigen, was eigentlich ein Schutzbrief bei der eigenen Kfz-Versicherung kostet. Den kann man auch mitten im Jahr nachbuchen, oft für weniger als 20 Euro im Jahr.

4. Lassen Sie Ihr Auto so oft wie möglich stehen

In den meisten Innenstädten ist es heute schon entspannter, schneller und preiswerter, mit dem Nahverkehr oder dem Fahrrad unterwegs zu sein. Wer als Großstädter im Jahr deutlich unter 10.000 Kilometer mit dem Auto unterwegs ist, sollte darüber nachdenken, sein Auto ganz abzuschaffen - Carsharing und gelegentliche Taxifahrten sind in dem Fall meist günstiger und bequemer.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Komplizierter ist die Situation nach wie vor auf dem Land, etwa in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder Mecklenburg-Vorpommern. In vielen Landgemeinden gibt es noch kein Carsharing, die letzten Busse fahren oft abends um neun und am Wochenende gar nicht. Die Haushalte haben deshalb meist genug Autos für jeden Erwachsenen - und viele brauchen das Auto auch, um zur Arbeit zu kommen. Die Einsparpotenziale beim Sprit und Spritpreis greifen aber auch hier. Im nordrhein-westfälischen Hamminkeln etwa zeigten die Tank-Apps am Freitagmorgen um 8 Uhr Unterschiede von immerhin 11 Cent pro Liter an.

Bei "Finanztip" leben und arbeiten wir in der Großstadt. Die jüngeren Kollegen haben zumeist sowieso keine Verwendung für ein Automobil. Und auch zwei meiner Kollegen mit Familie und Kindern haben jetzt den Abschied vom eigenen Auto vollzogen. Einen von ihnen würde ich sogar als Autonarr bezeichnen, der fährt jetzt immer Cabrios und E-Autos mit seinem Carsharing-Vertrag. So spart er Geld und hat auch noch Spaß dabei.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer!

insgesamt 95 Beiträge
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Seite 1
haumti 27.04.2019
1. Es kommt noch schlimmer
wenn wir den voraussichtlichen Dürresommer bekommen dürften die Flüsse genau so austrocknen wie letztes Jahr. Wahrscheinlich sogar noch schlimmer da wir dieses Jahr von einem niedrigerem Niveau kommen. Damit ist wieder Essig mit dem Benzintransport auf den Flüssen. Wir werden die 1,80€ Marke knacken evtl. sogar die 2€ Marke.
hans_g 27.04.2019
2. Tolle Tipps,
die leider den vielen Berufspendlern rein gar nichts bringen. Abzocke pur, vielen Dank Mr Trump und natürlich auch unserer Bundestrulla mit ihrer CO2-Abgabe - solche Politiker müssten mal wieder die Konsequenzen ihres Handelns selbst spüren.
Prinzen Paule 27.04.2019
3. Lahmende Konjunktur...
Wenn sie noch weiter an den Stellschrauben drehen von denen sie nicht viel verstehen werden die Parteien bei der nächsten Wahl ihre Quittung bekommen. Dann werden wir diese Parteien eben nicht mehr wählen uns eine bessere aussuchen die uns bessere Alternative bietet .... Ich wähle nur die Partei die mir den Vorteil verschafft für das Ganze.. Das ist gelebte Demokratie!
Gluehweintrinker 27.04.2019
4. Ein Tipp fehlt noch: "Auto abschaffen"
Es fahren zu viele KFZ herum. Es fahren zu viele überdimensionierte KFZ herum. Zu viele KFZ fahren zu große Entfernungen. Die Grenzen der Nachhaltigkeit sind längst überschritten, wenn man bei solchen Dingen wie Individidualverkehr überhaupt von Nachhaltigkeit sprechen kann. 1 bis 2 Tonnen Metall und Plastik werden herumgefahren, um 70 bis 90 kg Mensch zu transportieren. Es wird Zeit anzuerkennen, dass Appelle nutzlos sind, das Verhalten zu wenig vernunftgesteuert und die Zukunftsaussichten düster, wenn wir nicht von solchen Anachronismen Abschied nehmen wie der eigenen Karre vor der Tür. Nein, Car Sharing wäre auch keine Lösung. Die Lösung kann nur lauten ÖPNV. Und öfter mal den Hintern zu Haus lassen.
manni.baum 27.04.2019
5. das nennt man Verursacherprinzip
Zitat von haumtiwenn wir den voraussichtlichen Dürresommer bekommen dürften die Flüsse genau so austrocknen wie letztes Jahr. Wahrscheinlich sogar noch schlimmer da wir dieses Jahr von einem niedrigerem Niveau kommen. Damit ist wieder Essig mit dem Benzintransport auf den Flüssen. Wir werden die 1,80€ Marke knacken evtl. sogar die 2€ Marke.
Dürresommer kommt auch durch Benzin verbrennen, Benzintransport wird dadurch teurer.
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