Kampf gegen Elektroschrott Umweltministerin Lemke plant »Reparierbarkeits-Index«

Die Bundesregierung will die Menge an Elektromüll reduzieren: Schon beim Kauf sollen Verbraucher sehen, wie gut ein Gerät repariert werden kann. Als Vorbild nennt die grüne Umweltministerin Frankreich.
Elektroschrott in einer Recyclingfirma

Elektroschrott in einer Recyclingfirma

Foto: Marcel Kusch / dpa

Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland sollen nach Plänen der Bundesregierung defekte Handys oder andere Produkte künftig leichter reparieren lassen können. »Mit dem Recht auf Reparatur werden wir einen wichtigen Schritt aus der Wegwerfgesellschaft gehen«, sagte Bundesverbraucherschutzministerin Steffi Lemke der Nachrichtenagentur dpa. »Sinnvoll ist ein Reparierbarkeits-Index, auf dem man erkennen kann, wie reparierfreundlich ein Produkt ist«, sagte Lemke.

Sie verwies auf ein entsprechendes Modell in Frankreich. Dort war Anfang vergangenen Jahres ein Index eingeführt worden, der anhand verschiedener Kriterien darüber informiert, wie einfach sich Smartphones, Laptops, Fernseher, Rasenmäher oder andere Geräte reparieren lassen.

»Ich möchte das im europäischen Kontext entwickeln und in Deutschland einführen«, sagte Lemke. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte die Bundesregierung zum Jahreswechsel aufgefordert, das geplante Recht auf Reparatur bis Mitte März auf den Weg zu bringen. So schnell geht es aber offenbar nicht. Lemke sagte: »Ich will eine breite gesellschaftliche Debatte anstoßen, die uns ein neues Verständnis für den Umgang mit Konsumartikeln bringt. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen Produkte möglichst lange nutzen können.«

Die Grünenpolitikerin skizzierte, was ein »Recht auf Reparatur« aus ihrer Sicht konkret bringen soll. »Ganz konkret bedeutet das zum Beispiel: Smartphones und Tablets müssen so gebaut sein, dass ihr Akku und ihre Einzelteile – soweit technisch machbar – auf einfache Weise herausgenommen und ausgetauscht werden können.« Niemand solle in Zukunft ein funktionierendes Mobiltelefon wegwerfen müssen, nur weil der Akku nicht mehr in Ordnung sei.

SPD, Grüne und FDP hatten in ihrem Koalitionsvertrag ein »Recht auf Reparatur« angekündigt. Lebensdauer und Reparierbarkeit eines Produkts sollen laut den Koalitionsplänen »zum erkennbaren Merkmal der Produkteigenschaft« werden.

Auf EU-Ebene gibt es bereits Reparaturvorgaben. So müssen Hersteller von Waschmaschinen, Spülmaschinen, Kühlschränken und anderen großen Haushaltsgeräten dafür sorgen, dass Ersatzteile sieben bis zehn Jahre lang verfügbar sind.

Vermindert werden sollen die enormen Mengen Elektroschrott, die jährlich in Europa anfallen. Laut Europäischem Parlament werden nur 42 Prozent des in der EU anfallenden Elektroschrotts recycelt.

Die Industrie plädiert für differenzierte Lösungen. Bei großen Haushaltsgeräten könne es ökologisch sinnvoller sein, neue, energieeffiziente Produkte zu kaufen, als alte zu reparieren, hatte der Branchenverband BDI angemerkt. Der Digitalverband Bitkom hatte gemahnt, wenn künftig sämtliche Ersatzteile auf Halde produziert und eingelagert würden, könne die Umweltbilanz negativ werden.

mmq/dpa