Young Money Blog So klappt es endlich mit der Steuererklärung

1000 Euro gefällig? Berufsneulinge und Studierende sind oft mit der Steuererklärung überfordert - dabei lässt sich häufig viel Geld vom Finanzamt zurückholen. Ein Leitfaden für Einsteiger.
Die erste Steuererklärung lässt sich rasch und leicht erledigen

Die erste Steuererklärung lässt sich rasch und leicht erledigen

Foto: imago images/MiS

Kürzlich schrieb mir eine Leserin: "Steuernummer? Identifikationsnummer?? Werbungskosten??? Das verstehe ich alles nicht", und bat mich darum, im YOUNG MONEY BLOG das Thema Steuererklärung anzugehen. Immer wieder kommen Leser und Freunde auf mich zu, die mit dem Thema völlig überfordert sind. Gerade Berufseinsteiger fürchten sich vor dem Formularkrieg mit dem Finanzamt, wenn sie das erste Mal eine Steuererklärung abgeben. Dabei lässt sich die erste Steuererklärung rasch und leicht erledigen.

Grundsätzlich führt bei Angestellten der Arbeitgeber die Steuern für jeden Arbeitnehmer ab. Doch eine Steuererklärung lohnt sich, selbst wenn man gar nicht dazu verpflichtet ist. Denn in neun von zehn Fällen gibt es eine Steuererstattung - durchschnittlich knapp 1000 Euro.

Wer aber neben seinem Hauptjob zusätzliche Einkünfte von mehr als 410 Euro pro Jahr erzielt, etwa aus Mieteinnahmen oder einem Zweitjob, der ist sogar verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Denn dann muss man auf diese Einnahmen nachträglich Abgaben zahlen.

Die Möglichkeiten, die Steuerlast zu mindern, sind allerdings vielfältig. Hier eine Auswahl der einfachen Möglichkeiten, Steuern zu sparen.

Werbungskosten

Sinnvoll ist die Abgabe einer freiwilligen Steuererklärung auf jeden Fall, wenn man hohe berufliche Ausgaben, also Werbungskosten, hat. Die haben nichts mit Reklame zu tun. Der Staat hat diesen verwirrenden Begriff gewählt, weil er damit "Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen" meint. 1000 Euro beträgt der Arbeitnehmer-Pauschbetrag, der auf jeden Fall angerechnet wird, ohne dass man Belege dafür nachweisen muss.

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Doch viele Steuerzahler schöpfen den Pauschbetrag schnell aus. Liegen die beruflichen Ausgaben darüber, lohnt sich eine Steuererklärung. Wer zum Beispiel als vollzeitbeschäftigter Mitarbeiter täglich eine einfache Wegstrecke von fünfzehn Kilometern zu seinem Arbeitsplatz zurücklegt, überschreitet bereits mit seinen Fahrtkosten diese Pauschale. Dreißig Cent pro Kilometer des Arbeitswegs zählen, egal, mit welchem Verkehrsmittel man unterwegs ist. Es kann sogar das vom Arbeitgeber bezuschusste ÖPNV-Ticket sein.

Beispiel: Sarah hat eine klassische Fünf-Tage-Woche und wohnt fünfzehn Kilometer vom Büro entfernt. 230 Arbeitstage × 15 Kilometer × 0,30 Euro = 1035 Euro. Allein mit den Fahrtkosten überschreitet sie also den Arbeitnehmer-Pauschbetrag. Das Finanzamt akzeptiert diese Werbungskosten als Pauschale, die Angabe der Arbeitstage und der Entfernungskilometer genügt. Sarah muss keine Nachweise erbringen.

Neben den Fahrtkosten können eine Reihe von weiteren Dingen abgesetzt werden: Dazu gehören zum Beispiel Kosten für die Kontoführung (pauschal bis sechzehn Euro akzeptieren die Finanzämter ohne Nachweis), zwanzig Prozent der Telefonkosten (viele Finanzämter akzeptieren pauschal 200 Euro) oder Bürokosten (150 Euro pro Jahr).

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Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 28 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fondsanteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog .

Deutlich höhere Werbungskosten kommen hinzu, wenn Kosten für einen beruflichen Umzug anfallen oder man ein Arbeitszimmer nutzt. Auch diese Ausgaben kann man in der Steuererklärung angeben.

Handwerkerkosten

Wer einen Handwerker beauftragt, kann die Rechnung in vielen Fällen von der Steuer absetzen. Dabei wichtig: Der Dienstleister muss die Arbeit vor Ort erbringen, der Kunde muss anschließend eine Rechnung erhalten und das Geld überwiesen haben. Dann kann man 20 Prozent der Lohnkosten des Handwerkers steuerlich geltend machen. Die Steuerersparnis ist allerdings auf 1200 Euro im Jahr begrenzt.

Mieter können auch einen Teil ihrer Mietnebenkosten geltend machen, etwa die Kosten für den Hauswart, die Heizungswartung oder den Winterdienst. Die Posten listet die Nebenkostenabrechnung des Vermieters auf.

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Auch gezahlte Kirchensteuer, Vorsorgeaufwendungen wie die Sozialversicherungsbeiträge und viele Aufwendungen für die Altersvorsorge kann man als Sonderausgaben absetzen. Spenden, Kinderbetreuungskosten und Schulgeld gehören ebenfalls in diese Kategorie.

Möglichkeiten für Studierende

Oft lohnt sich die Steuererklärung vor allem für Studierende. Mehr als zwei Drittel aller Studierenden verdienen nebenher etwas dazu, wie das Deutsche Studentenwerk ermittelt hat. Mal arbeiten sie nur in der vorlesungsfreien Zeit, mal dauerhaft im Minijob oder als Werkstudent. Bei einem typischen kurzfristigen Ferienjob werden keine Beiträge für Kranken-, Pflege-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung vom Lohn abgezogen, egal, wie viel verdient wird. Voraussetzung dafür ist, dass die Beschäftigung nicht länger als siebzig Arbeitstage im Jahr oder maximal drei Monate dauert.

Für diejenigen hingegen, die in den Semesterferien Vollzeit in einer Fabrik oder im Restaurant arbeiten und diese Grenze überschreiten, gilt: Sie arbeiten "auf Steuerkarte". Das heißt, sie werden wie jeder andere Arbeitnehmer anhand seiner Steueridentifikationsnummer vom Arbeitgeber sozialversicherungspflichtig angemeldet. Wenn die Studierenden nun monatlich mehr als etwa 1000 Euro verdienen, werden ihnen zunächst Lohnsteuer, Kirchensteuer sowie ab einem bestimmten Einkommen der Solidaritätszuschlag vom Gehalt abgezogen. Zu viel gezahlte Abgaben müssen sich die Ferienjobber dann via Einkommensteuererklärung zurückholen. Das lohnt sich, denn so kommen schnell ein paar Hundert Euro zusammen.

Auch lohnt es sich für viele Studierende ohne Einkünfte, eine Steuererklärung anzufertigen. Sie können die Kosten ihrer Ausbildung geltend machen. Attraktiv ist das für Studierende, die sich in einer Zweitausbildung befinden. Das ist ein Studium, dem ein abgeschlossenes Bachelorstudium oder eine Berufsausbildung von mindestens zwölf Monaten vorausgeht. Die Aufwendungen fürs Studium können sie jedes Jahr als "Werbungskosten" in unbegrenzter Höhe über eine Steuererklärung feststellen lassen. Durch die Angabe der Werbungskosten entsteht ein steuerlicher Verlust, da ihnen keine Einnahmen gegenüberstehen. Dieser wird immer ins Folgejahr übertragen, bis die Absolventen in einen Beruf einsteigen und erstmals steuerpflichtig werden. Dann wird der angesammelte Verlust vom Einkommen abgezogen, und man kann so mehrere Tausend Euro Einkommensteuer beim Berufseinstieg sparen.

So erstellen Sie am besten eine Steuererklärung

Der klassische Weg zur Steuererklärung sind die kostenlosen Papierformulare des Finanzamts: ausfüllen, abschicken, fertig. Noch immer akzeptiert das Finanzamt diese Form der Abgabe, aber sie ist lästig, weil man sich dabei durch stapelweise Papier quälen muss.

Inzwischen gibt es auch einige elektronische, viel bequemere Möglichkeiten, seine Steuererklärung abzugeben. Da wären zum einen die Angebote der Finanzverwaltung: Zur Auswahl stehen das PC-Programm ELSTERFormular , das man herunterladen muss, oder die Variante "Mein ELSTER"  im Internet-Browser.

Das Programm ELSTERFormular existiert aber nur für das Betriebssystem Windows von Microsoft, Sie müssen es zunächst auf der ELSTER-Seite herunterladen und auf Ihrem Computer installieren. Nach der Programminstallation starten Sie ELSTERFormular mit einem Doppelklick auf das Symbol auf dem Desktop. Dann legen Sie als Privatperson eine Einkommensteuererklärung an, im Programm erscheint das jeweils ausgewählte Steuerformular. Zeile für Zeile können Sie dann Ihre Daten ins Formular eintragen und auch leicht korrigieren.

Deutlich bequemer ist es, wenn man sich für "Mein ELSTER" registriert und die Steuererklärung direkt im Webbrowser ausfüllt. Dafür müssen Sie sich zunächst unter elster.de  registrieren.

Doch zugegebenermaßen ist die Bedienung beider Varianten nicht ganz einfach, weil sie beide im Endeffekt auf den komplizierten Formularen des Finanzamts aufbauen. Laien verschenken oft Geld, wenn sie die staatlichen Angebote nutzen, weil sie ja gar nicht wissen, was sie wo eintragen können und sollten.

Am Anfang meines Berufslebens arbeitete ich auf Honorarbasis für viele verschiedene Medien gleichzeitig, war aber noch als Student eingeschrieben. Irgendwann war mein Steuerfall so komplex, dass ich mir die Hilfe eines Steuerberaters holte.

Damit Sie nicht viel Geld für einen Steuerberater ausgeben müssen, kann es sinnvoll sein, auf eine kommerzielle Software zurückzugreifen, die Ihnen beim Ausfüllen mit Tipps zur Seite steht und viel einfacher zu bedienen ist als die Standardprogramme der Finanzverwaltung. Die Eingaben prüft das Programm automatisch und berechnet die Steuer vor Abgabe der Erklärung.

Bei Steuersoftware gibt es zwei Typen: zum einen Desktop-Programme, die Sie auf Ihrem PC installieren müssen, oder Cloud-Lösungen, die im Browser oder einer App laufen. Die meisten Freiberufler, die ich kenne, nutzen solche Browser-Lösungen, weil sie so ihre gesamten Eingaben schnell im Browser angeben können, ohne vorher ein Programm installieren zu müssen. Das spart Zeit und Geld.

Die Programme gehen dabei ziemlich ähnlich vor: Es gibt keine komplexen Steuerformulare, sondern vereinfachte Fragen, auf die Sie mit Ihren Angaben antworten müssen. Bei der Eingabe poppen am rechten Rand Tipps auf, welche Ausgaben Sie geltend machen können. So werden Sie Schritt für Schritt durch die Steuererklärung geführt, ohne sich mit den Formularen des Finanzamts herumschlagen zu müssen.

Laut der Zeitschrift "Finanztest " zählen "WISO Steuer: Web"  und "Smartsteuer"  zu den besten Anbietern für Browser-Lösungen. Bei den klassischen PC-Programmen liegen das "WISO Steuer: Sparbuch " und "Tax"  vorne. Einen ausführlichen SPIEGEL-Testbericht verschiedener Apps finden Sie hier.

Bei einigen Steuerprogrammen können Sie kostenlos Ihren Steuerfall durchspielen, bevor Sie zahlen müssen, so können Sie herausfinden, ob sich das Programm für Sie eignet und leicht zu bedienen ist. Auf diesem Weg habe ich das Steuerprogramm meiner Wahl gefunden.

Egal, für welchen Weg Sie sich entscheiden, oft hilft es, einige Grundbegriffe der Steuerformulare zu kennen, sie tauchen bei vielen Programmen im Hintergrund immer mal wieder auf. Wenn Sie die klassische Papiervariante wählen, müssen Sie sie sogar kennen.

Im Mantelbogen werden die persönlichen Angaben und das zuständige Finanzamt erfasst. Tipp: Ihre Identifikationsnummer finden Sie auf der Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers.

Die Anlage N ist für die meisten Steuerzahler die wichtigste. Angestellte geben hier ihr Einkommen an und erklären, welche Ausgaben sie teilweise zurückfordern, also die Werbungskosten wie Fahrt-, Büro- und Haushaltskosten. Ihre Einnahmen können Sie einfach von der Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers abschreiben.

Anlage V - Wer Einnahmen aus einer Vermietung erzielt, muss sie dort angeben. In dieses Formular tragen Vermieter auch ihre Werbungskosten ein, dazu gehören Ausgaben, die mit der vermieteten Immobilie zusammenhängen. Tipp: Falls Sie nur ab und zu ein Zimmer vermieten - zum Beispiel über Airbnb -, dann sind Gewinne in Höhe von 520 Euro im Jahr steuerfrei und müssen nicht angemeldet werden.

Anlage S - Dieses Formular müssen Selbstständige und Freiberufler abgeben. Das gilt zum Beispiel auch für Personen, die nebenberuflich Einkünfte aus selbstständiger Arbeit erwirtschaften.

Anlage EÜR - Freiberufler müssen eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) nach der vorgegebenen Struktur des Formulars abgeben. Dies ist die einfache Form der Gewinnermittlung. Dabei stellen Sie Ihre Einnahmen den Ausgaben gegenüber.

Anlage Vorsorgeaufwand - Hier geben Sie Ausgaben für Ihre Kranken-, Pflege-, Renten-, Betriebsrenten-, Berufsunfähigkeits-, Risikolebens-, Kapitallebens-, Unfall- oder Haftpflichtversicherungen an. Einen Teil der Ausgaben dazu finden Sie in der Jahressteuerbescheinigung Ihres Arbeitgebers, Sie brauchen sie nur abzuschreiben.

Anlage KAP - Hier geben Sie Ihre Kapitaleinkünfte aus Zinsen und Dividenden an. Viele Sparer schöpfen ihren Sparer-Freibetrag von 801 Euro pro Person nicht aus und brauchen dann die Anlage KAP in aller Regel nicht auszufüllen. Tipp: Wenn Sie Gewinne aus Aktien-ETFs erzielen, müssen Sie diese hier nicht mehr angeben. Denn die Steuer führt die Depotbank automatisch ab, Sie müssen sich also um nichts kümmern.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Young Money Guide", das am 13. Januar 2020 erschienen ist.

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