Hermann-Josef Tenhagen

Chance auf Rückzahlung Nie war die Steuererklärung so wichtig wie in diesem Jahr

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Erst der ganze Ärger mit Corona, jetzt auch noch eine Steuererklärung - das löst bei vielen Arbeitnehmern einen Stoßseufzer aus. Dabei dürfen viele auf einen steuerlichen Lichtblick hoffen.
Nicht vergessen: Abgabetermin für die Steuer 2019 ist der 31. Juli 2020. Wer sich einen Steuerberater nimmt, bekommt ein paar Monate mehr Zeit

Nicht vergessen: Abgabetermin für die Steuer 2019 ist der 31. Juli 2020. Wer sich einen Steuerberater nimmt, bekommt ein paar Monate mehr Zeit

Foto: Hans-Jürgen Wiedl/ DPA

Die Steuererklärung finden viele Menschen äußerst mühsam. Nicht zu Unrecht. Denn eins kann man dem deutschen Steuerrecht wirklich nicht nachsagen: dass es im Verdacht stünde, vergnügungssteuerpflichtig zu sein.

Selbst wenn Sie Ihre Steuererklärung also nicht aus Lust und Laune machen: Selten war sie so wertvoll wie heute.

Beim Finanzamt können sich Steuerzahler direkt Geld abholen. 87 Prozent der Arbeitnehmer bekommen mit ihrer Steuerklärung  Geld zurück - im Schnitt mehr als tausend Euro. Geld, das viele aktuell gut gebrauchen können. Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Aber auch Soloselbstständige, die wegen Corona jetzt ohne Aufträge dastehen.

Mit einer guten Steuersoftware  ist die Abgabe so einfach, dass es kaum noch eine Ausrede für die Steuererklärung gibt. Natürlich sollten Sie die digital machen! Wir sehen es gerade noch mehr als sonst: Schulen, Behörden, Firmen lernen das digitale Leben. Das ist genau der richtige Zeitpunkt, ebenfalls einzusteigen. Praktisch: Die privaten Kosten Ihrer beruflichen Digitalisierung (also für Ihre Steuersoftware) können direkt mit in die Steuererklärung gepackt werden.

Digitalisieren Sie Ihre Beziehung zum Finanzamt

Steuerberater gehören dieser Tage zu den Berufsgruppen, denen die Arbeit nicht ausgeht. Sie müssen gerade für viele kleine und mittlere Unternehmen klären, welche Corona-Hilfen in Anspruch genommen werden können, um das Überleben zu sichern. Und mit diesen Spezialaufgaben sind die Experten gerade gut beschäftigt.

Arbeitnehmerinnen ohne große Extraposten oder auch steuerpflichtige Rentner können ihre Steuererklärung aber einfach selbst erledigen. Indem sie ihre Finanzamtsbeziehung digitalisieren, sparen sie sich die Kosten für den Lohnsteuerhilfeverein  oder den Steuerberater .

Sollten Sie gerade in Kurzarbeit sein und die Kinder zu Hause nicht gerade Ihren vollen Einsatz fordern, ist für die Steuererklärung vielleicht sogar extra Zeit vorhanden. Die etablierten Steuerprogramme  wie Tax 2020 und Quicksteuer 2020, das Wiso Steuer-Sparbuch 2020 oder die Steuersparerklärung 2020 sind weder kompliziert noch teuer. Sie kosten zwischen 15 und 35 Euro. Mit Wiso Steuer-Web und Smartsteuer gibt es zudem reine Online-Programme, die Sie nicht einmal installieren müssen und mit denen Sie auch einen komplizierten Steuerfall komplett elektronisch bearbeiten und ans Finanzamt senden können.

Wer die Erklärung für 2019 abgibt, kann dabei wie in jedem neuen Jahr einige Vorteile mitnehmen:

  • Für die ersten 9168 Euro Einkommen müssen Sie gar keine Steuern zahlen - vorher 9000. Für Verheiratete gilt beim gemeinsamen Einkommen das Doppelte. Hat der Chef Ihnen 2019 ein Jobticket spendiert, müssen Sie dafür keine Steuern mehr zahlen. Es wird aber mit Ihrer Entfernungspauschale  verrechnet. Keine Steuern fallen auch für das Dienst-E-Bike vom Chef an, wenn Sie es zusätzlich zum Gehalt bekommen haben.

  • Geld zurück gibt es vor allem, wenn Sie 2019 Werbungskosten  oberhalb des Arbeitnehmerpauschbetrags von 1000 Euro hatten. Zum Beispiel, weil Sie einen neuen Computer oder ein neues Handy für die Arbeit gekauft haben. Bis 952 Euro inklusive Mehrwertsteuer dürfen Sie auf einmal geltend machen. War das Gerät teurer, müssen Sie es über mehrere Jahre abschreiben. Erledigen Sie häufiger berufliche Dinge von zu Hause aus, dann können Sie 20 Prozent der Telefon- und Internetkosten, aber höchstens 20 Euro monatlich, als Werbungskosten geltend machen.

  • Sind Sie 2019 wegen eines neuen, besseren Jobs umgezogen ? Die Kosten können Sie in der Steuer angeben. Und sogar inklusive des Nachhilfeunterrichts, den Ihr Kind womöglich an der neuen Schule am neuen Ort braucht. Haben Sie für die neue Stelle einen zweiten Wohnsitz bezogen? Bis zu 1000 Euro im Monat dürfen Sie allein als Unterkunftskosten bei einer doppelten Haushaltsführung  absetzen. Dazu kommt noch das Geld für die notwendige Erstausstattung (Bett, Schrank, Regal, Kühlschrank, Gardinen und Hausrat).

  • Zu den Werbungskosten gehören auch Gewerkschaftsbeiträge, die Kosten für die berufliche Rechtsschutzversicherung, für Fachbücher, Fachzeitschriften, fachliche Digitalabos oder den (digitalen) Fortbildungskurs.

  • Ganz oben auf der Liste stehen zudem Handwerkerkosten  für Klempner, Maler und Elektriker rund ums Haus. Oder für die Abflussreinigung, den Schornsteinfeger, die Wartung der Heizung oder eine Legionellenprüfung. 6000 Euro Lohn und Fahrtkosten aus den Rechnungen können Sie steuerlich geltend machen. Meist hat der Handwerker diese Teile der Rechnung schon getrennt ausgewiesen. Wichtig: Sie müssen das Geld überwiesen haben - vor dem 31.12.2019. Ein Fünftel der Arbeitskosten bekommen Sie von der Steuer zurück. So will der Staat auch Schwarzarbeit bekämpfen.

  • Außerdem können Sie viele Kosten als haushaltsnahe Dienstleistungen  angeben. Hier ist der Katalog möglicher Rechnungen, die Sie einreichen können, sogar noch viel länger. Wenn Sie den Nachbarsjungen fürs Würstchengrillen an Ihrem 60. Geburtstag im eigenen Garten bezahlt haben, das Geld überwiesen und eine Rechnung bekommen haben. Das geht. Genau wie die Rechnung für den Putzdienst, für die Haushaltshilfe, die ambulante Pflegekraft, die Beaufsichtigung der Kinder und sogar fürs Gassigehen mit dem Hund. Bis zu 20.000 Euro können Sie hier an Rechnungen angeben und bekommen 4000 Euro zurück.

  • Vergangenes Jahr ging es Ihnen wirtschaftlich noch gut. Sie haben fleißig gespendet, sind wegen der Klimapolitik und Fridays for Future sogar in einen gemeinnützigen Verein oder in eine Partei eingetreten. Das können Sie alles steuerlich geltend machen . Ihre Mitgliedsbeiträge für die Partei können Sie sogar zur Hälfte direkt von der Steuerschuld abziehen.

  • Und für diejenigen, die 2019 das Dachgeschoss neu ausgebaut haben und jetzt vor dem Problem stehen, dass der Mieter nicht mehr zahlen kann: Auch hier hilft das Finanzamt wenigstens mit ein bisschen Steuererstattung. Sonderabschreibung bei Vermietung von neuem Wohnraum heißt das Stichwort. Zusätzlich zu den normalen zwei Prozent der Baukosten können Sie noch einmal fünf Prozent der Baukosten für die Steuer geltend machen und so womöglich tausend Euro an Steuern zurückbekommen.

Für Senioren in vier Bundesländern gibt es bei der Steuer für 2019 eine Besonderheit: Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen beteiligen sich an einem Pilotprojekt zur vereinfachten Steuererklärung für Rentner und Pensionäre. Dort gibt es ein einfach auszufüllendes Steuerformular, in dem Sie alle großen Brocken für die Steuerersparnis eintragen können (haushaltsnahe Dienstleistungen, Handwerkerkosten, Krankheitskosten  als außergewöhnliche Belastungen, Kirchensteuer  und Ihre Spenden als Sonderausgaben ) und dann möglicherweise gar keine Steuern zahlen müssen.

Extra Geld durch Zwangs-Homeoffice

Bei manchem Arbeitnehmer kommt es in Corona-Zeiten auf jeden Cent an. Haben Sie im Jahr 2020 höhere steuerlich abzugsfähige Positionen, könnten Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung  stellen. Mit einem Freibetrag zahlt Ihnen Ihr Arbeitgeber am Monatsende ein höheres Nettogehalt aus. Für den Antrag zählen Ihre Aufwendungen für selbst gekaufte Arbeitsmittel , so auch für den Laptop, den Toner und andere Dinge fürs Homeoffice.

Apropos Homeoffice: Nicht nur das Arbeiten von zu Hause ist für einige von uns kompliziert. Auch das Absetzen eines häuslichen Arbeitszimmers  gilt eher als Kür der Steuererklärung. Das könnte nun etwas einfacher werden. Hoffentlich.

In Vor-Corona-Zeiten konnten nur Lehrer, Außendienstmitarbeiter und relativ wenige andere Arbeitnehmer den Arbeitsplatz zu Hause steuerlich geltend machen. Es gelten grundsätzlich sehr strenge Voraussetzungen.

Viele Arbeitgeber haben jedoch aktuell über Wochen Homeoffice angeordnet und das Bürogebäude geschlossen. In solchen Fällen könnte ein Höchstbetrag von 1250 Euro für ein Arbeitszimmer infrage kommen. Wichtige Voraussetzung: Das Arbeitszimmer muss ein abgeschlossener, büromäßig ausgestatteter Raum sein. Eine Arbeitsecke genügt nicht. Bislang. Denn vielleicht überrascht uns ja das Bundesfinanzministerium mit einer pragmatischen Lösung. Soll es sich dafür ruhig die notwendige Zeit nehmen. Schließlich wollen wir ja auch mit der Steuererklärung für das Jahr 2020 Steuern sparen.

Viel Erfolg beim Steuererklären in diesem Jahr!