GroKo-Einigung Was das Soli-Ende für Sie persönlich bedeutet

Nun ist klar: Der Solidaritätszuschlag soll wegfallen - aber nur für die unteren 90 Prozent der Steuerzahler. Gehören Sie dazu? Und wie viel Geld sparen Sie dadurch? Dieser interaktive Rechner zeigt es.

Finanzminister Olaf Scholz am Rande des Koalitionsausschusses, der den Auftrag für ein Soli-Abbau-Gesetz bis August dieses Jahres erteilte
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Finanzminister Olaf Scholz am Rande des Koalitionsausschusses, der den Auftrag für ein Soli-Abbau-Gesetz bis August dieses Jahres erteilte


Eigentlich hatten sich Union und SPD ja schon im März 2018 geeinigt: Der Solidaritätszuschlag soll für die unteren 90 Prozent der Steuerzahler wegfallen. So steht es im Koalitionsvertrag. Dennoch schien das Vorhaben zuletzt alles andere als gesichert. Teile der Union forderten, den Soli komplett zu streichen, also auch für die obersten zehn Prozent.

Nun ist klar, dass es erst einmal beim vereinbarten Abbau für die unteren 90 Prozent bleiben soll. Und seit vergangener Nacht gibt es auch einen Zeitplan: Bis Ende August soll die Bundesregierung einen Gesetzentwurf vorlegen, so der Auftrag der Koalitionsspitzen. Wirksam werden soll die Befreiung vom Soli für den Großteil der Zahler dann ab 2021.

Für Steuerzahler stellen sich nun Fragen: Gehöre ich zu den unteren 90 oder doch zu den obersten 10 Prozent? Wird mir also der Solidaritätszuschlag künftig erlassen oder nicht? Und wenn ja, wie viel Geld steht mir dadurch mehr zur Verfügung?

Hier ist ein Steuerrechner des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hilfreich, der im November vergangenen Jahres veröffentlicht wurde. Er bildet die Gesetzeslage mit Stand 2018 ab - er liefert also keine exakten Werte für die Situation in diesem Jahr oder gar für 2021. So ist etwa in diesem Jahr der Grundfreibetrag um 168 Euro gestiegen, im kommenden Jahr wird er um weitere 240 Euro erhöht. Zudem wird der Tarifverlauf jedes Jahr angehoben, um die Inflation auszugleichen - derzeit um knapp zwei Prozent jährlich.

Dennoch eignet sich der Steuerrechner, um die Größenordnung der Steuerentlastung durch den Soli-Abbau abschätzen zu können - und zu prüfen, ob man überhaupt davon profitiert.

Geben Sie in den IW-Rechner dazu das eigene Bruttojahreseinkommen ein sowie Ihren Familienstand. Wählen Sie dann zunächst das Szenario "mit Soli", um die Steuerlast nach derzeitigem Recht abzulesen. Wählen Sie danach das Szenario "ohne Soli (für 90 Prozent)" und vergleichen Sie die Steuerlast. Tipp: Aktivieren Sie die Auswahl "Solidaritätszuschlag anzeigen" rechts unterhalb des Rechners.

Für den Rechner hat IW-Wissenschaftler Martin Beznoska Mikrodaten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) aufbereitet, einer repräsentativen Langzeitbefragung von Haushalten. Anhand des Einkommensteuertarifs für 2018 berechnete er die Steuerschuld für Ledige sowie Verheiratete mit und ohne Kinder.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

fdi

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Seite 1
rromijn 17.06.2019
1. 2 kinder
unterschied ob mit 2 oder ohne kinder 200€ aufs jahr, noch Fragen?
Sleeper_in_Metropolis 17.06.2019
2.
Zitat : "Für Steuerzahler stellen sich nun Fragen: Gehöre ich zu den unteren 90 oder doch zu den obersten 10 Prozent? Wird mir also der Solidaritätszuschlag künftig erlassen oder nicht? " Naja, für die oberen 10 Prozent ist es doch eh egal, ob die die paar Euro nun weiterhin zahlen müssen oder nicht. Für den Gegenwert können die sich ungefähr eine SUV-Tankfüllung mehr im Jahr "leisten", also nicht der Rede wert. Und für die restlichen 90 Prozent ist die Soli-Abschaffung auch eher symbolischer Natur, ist es doch mit Abstand der kleinste Posten auf der Steuer&Abgaben-Rechnung.
Bln79 17.06.2019
3. Steile These
Zitat von Sleeper_in_MetropolisZitat : "Für Steuerzahler stellen sich nun Fragen: Gehöre ich zu den unteren 90 oder doch zu den obersten 10 Prozent? Wird mir also der Solidaritätszuschlag künftig erlassen oder nicht? " Naja, für die oberen 10 Prozent ist es doch eh egal, ob die die paar Euro nun weiterhin zahlen müssen oder nicht. Für den Gegenwert können die sich ungefähr eine SUV-Tankfüllung mehr im Jahr "leisten", also nicht der Rede wert. Und für die restlichen 90 Prozent ist die Soli-Abschaffung auch eher symbolischer Natur, ist es doch mit Abstand der kleinste Posten auf der Steuer&Abgaben-Rechnung.
Das halte ich für eine steile These. Bei den 10% sind Sie nämlich ganz schnell. Ein Brutto von 55.000€ p.a., ledig, keine Kinder, schon sind Sie mit drin. Und 4.600€ Monatsbrutto ist ein vollkommen normales mittleres Einkommen.
trademaster89 17.06.2019
4. @Sleeper
"Naja, für die oberen 10 Prozent ist es doch eh egal, ob die die paar Euro nun weiterhin zahlen müssen oder nicht. Für den Gegenwert können die sich ungefähr eine SUV-Tankfüllung mehr im Jahr "leisten", also nicht der Rede wert." Witzig. Wenn ich den Rechner benutze sind es 900 Euro im Jahr. Das ist der Jahressprit für meinen SUV (den auch ich mir nicht leisten kann)... ich hoffe Sie sind kein Mathelehrer oder sogar VWL.
effing 17.06.2019
5. @#2
Nicht ganz. Es ist schon ein Problem, dass in der breiten Bevölkerung die sogenannten "Durchschnittsverdiener" nicht die geringste Ahnung haben, mit welchen Summen die Steuerlast bei den sogenannten "Besserverdienern" zu Buche schlägt. Die Weiterzahlung des Soli bedeutet deshalb für mich nicht nur die Kosten einer Tankfüllung. Vielmehr könnte ich die Karre davon das ganze Jahr über volltanken. Das sind die Größenordnungen. Kleiner Realitätscheck.
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