Soli-Aus und andere Änderungen So viel Steuern sparen Sie im kommenden Jahr

Ab Januar fällt für die meisten Deutschen der Soli weg, das Kindergeld wird erhöht und die kalte Progression ausgeglichen. Welche Entlastung bedeutet das für Singles, Alleinerziehende und Familien?
Fußgänger in Hamburg

Fußgänger in Hamburg

Foto: Markus Scholz / dpa

Wann ist 2020 endlich vorbei? Nach einem Jahr mit Coronakrise, endgültigem Brexit und zähem Machtwechsel in den USA ist diese Frage derzeit häufiger zu hören. Auch deutsche Steuerzahler haben Grund, den Jahreswechsel herbeizusehnen. Denn 2021 kommt es für sie zur »größten Entlastungswirkung seit Jahren«.

Zu diesem Schluss kommt eine Studie  des arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), die an diesem Freitag veröffentlicht wird und dem SPIEGEL vorab vorlag. Darin sind die Effekte verschiedener Steuerrechtsänderungen berechnet, die im Januar in Kraft treten. Viele davon sollen an diesem Freitag vom Bundesrat endgültig beschlossen werden.

  • Der Solidaritätszuschlag fällt für rund 90 Prozent der bisher Betroffenen weg, weitere 6,5 Prozent müssen ihn nur noch teilweise zahlen. Unverändert erhoben wird der Soli lediglich auf sehr hohe Einkommen. Gleichzeitig werden höhere Sozialversicherungsbeiträge fällig, da der Zusatzbeitrag der Gesetzlichen Krankenversicherung steigt und die Beitragsbemessungsgrenzen angehoben werden

  • Wie bereits in den Vorjahren gleicht die Regierung die sogenannte kalte Progression aus. Das bedeutet: Grundfreibetrag und Steuertarif werden an die Inflation angepasst, damit es nicht allein durch steigende Preise zu einer erhöhten Steuerlast kommt. Die Anpassung fällt vergleichsweise großzügig aus. Denn zum Zeitpunkt ihres Vorschlags ging die Regierung noch von einer Inflationsrate von 1,5 Prozent aus. Mittlerweile werden angesichts der Coronakrise nur noch rund 0,5 Prozent erwartet.

  • Auch Kindergeld und -freibetrag steigen im neuen Jahr deutlicher als zuvor. Wurde das Kindergeld zwischen 2017 und 2020 um insgesamt 12 Euro pro Monat erhöht, kommen nun auf einmal 15 Euro hinzu.

Was bedeutet das nun für einzelne Steuerzahler? Die IW-Forscher Martin Beznoska und Tobias Hentze haben es für verschiedene Bevölkerungsgruppen und Einkommen berechnet. Demnach können Singles mit dem Jahreswechsel eine Entlastung von bis zu gut 1000 Euro erwarten. Erreicht wird dieser Wert wegen des progressiven Steuertarifs aber erst bei einem Bruttoeinkommen von 6500 Euro im Monat, danach nimmt die Entlastung kontinuierlich ab. Das liegt insbesondere daran, dass der Soli dann wieder schrittweise erhoben wird. (Hinweis: Fahren Sie mit dem Cursor über die Balken, um einzelne Werte zu sehen.)

Alleinerziehende mit einem Kind sparen im neuen Jahr bis zu knapp 1200 Euro, wobei die maximale Entlastung wegen des Kinderfreibetrags erst bei einem Bruttoeinkommen von 7000 Euro erreicht wird. Schon im laufenden Jahr macht sich zudem die Erhöhung des Entlastungsbeitrags für Alleinerziehende bemerkbar. Dieser zusätzliche Freibetrag beträgt normalerweise 1908 Euro jährlich, wird als Teil der Coronahilfen aber für 2020 und 2021 auf 4008 Euro erhöht.

Absolut am höchsten ist die Entlastung in der Modellrechnung für Verheiratete mit zwei Kindern. Sie können gut 2500 Euro sparen, wofür das gemeinsame Einkommen jedoch 14.000 Euro betragen muss. Wer halb so viel verdient, spart noch gut 1000 Euro. Unterstellt wurde in der Rechnung, dass ein Partner zwei Drittel und der andere Partner ein Drittel zum Bruttohaushaltseinkommen beiträgt

Relativ ist die Entlastung bei Alleinerziehenden mit niedrigen Bruttoeinkommen mit gut fünf Prozent am höchsten. Hier hat die Kindergelderhöhung die stärksten Auswirkungen, die dann mit wachsendem Einkommen nachlassen. Bei Singles mit hohen Einkommen lässt der Effekt deutlich nach, weil sie weiterhin Soli zahlen müssen. Für Familien bleiben die Einsparungen vergleichsweise stabil, bei hohen Einkommen lässt hier aber der Effekt der Kindergelderhöhung nach.

Die IW-Forscher haben auch die Entlastungen ab 2017 berechnet, dem Jahr der letzten Bundestagswahl. Unterm Strich kommen sie zum Ergebnis, die Große Koalition habe steuerpolitisch »ihre selbst gesteckten Vorgaben aus dem Koalitionsvertrag erfüllt«. Insgesamt komme es »zu einer realen Entlastung gegenüber dem Beginn der Legislaturperiode«.  Im Vergleich zu 2017 zahlen Singles im kommenden Jahr demnach bis zu 2000 Euro weniger Steuern und Abgaben, bei Alleinerziehenden betrage der Effekt bis zu 3000 Euro und bei Familien mit zwei Kindern bis zu 4500 Euro.

Das weitgehende Soli-Aus war allerdings auch schon die größte Änderung, die Union und SPD zustande gebracht haben. Zu einer umfassenden Steuerreform hat es in dieser Legislaturperiode einmal mehr nicht gereicht. Damit bleibt unter anderem das Problem des sogenannten »Mittelstandsbauchs«, der einen besonders  steilen Anstieg des Steuertarifs im unteren Gehaltsbereich umschreibt. »Nach der Bundestagswahl im nächsten Jahr sollte sich eine neue Regierung an eine systematische Reform herantrauen«, empfehlen die IW-Autoren.