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25. April 2013, 14:27 Uhr

Stiftung Warentest

Wasser mit Geschmäckle

Gut sieben Liter Wasser mit Aroma trinkt jeder Deutsche im Jahr. Doch bei der Stiftung Warentest haben viele Marken nun verheerend abgeschnitten. Fünf Produkte erhielten die Note "mangelhaft", kein einziges Wasser enthielt ein vollständiges Fruchtaroma.

Berlin - Von den bunten Bildern frischer, reifer Früchte auf dem Etikett sollten Verbraucher sich nicht täuschen lassen: In aromatisierten Wassersorten finden sich keine echten Fruchtnoten, sondern oft lediglich Kunstaromen. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest, die 25 Getränke in acht Geschmacksrichtungen untersucht hat. Um fast 23 Prozent ist deren Absatz im vergangenen Jahr gestiegen, im Schnitt trinkt jeder Deutsche im Jahr 7,3 Liter des aromatisierten Wassers.

Das Ergebnis der Tester ist verheerend: Die Verpackung suggeriere Verbrauchern, dass das Aroma tatsächlich von Äpfeln, Zitronen und Beeren stamme, sagte die Chefredakteurin der Zeitschrift "test" Anita Stocker. "Das ist irreführend: Keines der Getränke enthält ein vollständiges Fruchtaroma, nennenswerten Fruchtsaft oder Fruchtmark."

Verbraucher müssten beim Kleingedruckten schon sehr genau hinsehen, um das zu durchschauen. "Meist ist nicht drin, was draufsteht. Dafür ist aber drin, was nicht draufsteht", kritisierte Stocker. Überwiegend sei bei den Inhaltsstoffen nur "natürliches Aroma" angegeben, ergänzte Birgit Rehlender, Projektleiterin für Lebensmitteluntersuchungen. In diesem Fall müsse der Geschmack aber gar nicht aus dem Apfel stammen, sondern könne aus anderen pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen hergestellt werden.

Anders sieht es aus, wenn als Zutat "Apfelaroma" vermerkt ist: In diesem Fall müsse das Aroma zu 100 Prozent aus dem Apfel stammen, bei "natürlichem Apfelaroma" zu mindestens 95 Prozent. Bis auf ein Produkt rochen und schmeckten die Wässer Rehlender zufolge auch nicht fruchttypisch und fehlerfrei, sondern überwiegend aromatisiert und nur fruchtähnlich.

Fünf Produkte enthalten Benzoesäure

Auf Schadstoffe prüften die Warentester speziell fünf Wässer, die Benzoesäure enthalten. Das Konservierungsmittel kann dazu führen, dass das Getränk mit dem krebserzeugenden und keimzellenschädigenden Benzol belastet ist. Der für Trinkwasser geltende Grenzwert liegt bei 1 Mikrogramm pro Liter.

Da alle vier Wässer mit Kirschgeschmack im Test in großen Mengen den ähnlich wie Benzoesäure aufgebauten Aromastoff Benzaldehyd enthalten, überprüften die Tester auch diese Produkte auf Benzol. In einem fanden sie die laut Rehlender eine "völlig inakzeptable Belastung" von drei Mikrogramm. Die Ergebnisse seien jedoch noch nicht endgültig geklärt und weitere Tests nötig. Die Stiftung wolle die endgültigen Daten so schnell wie möglich online veröffentlichen.

Die Gesamtnote "sehr gut" oder "gut" erhielt kein Produkt, nur sechs waren "befriedigend", fünf bekamen ein "mangelhaft". Fast allen war Zucker zugesetzt, am meisten den Getränken mit Erdbeeraroma. Dadurch können bis zu 200 Kalorien pro Liter enthalten sein. Die Preise pro Liter reichen von etwa 33 Cent beim Discounter bis zu circa 1,45 Euro für ein Markenprodukt.

Stocker empfiehlt, Wasser mit Fruchtnoten lieber selbst zuzubereiten. Verbraucher könnten zum Beispiel eine Tasse Früchtetee mit einem Liter kaltem Wasser mischen oder einen Schuss Fruchtsaft ins Wasser geben. Auch ein paar Gurkenstücke und Minzblätter oder einige Zitronenscheiben und etwas Ingwer, die zehn Minuten im Wasser durchziehen, geben Aroma.

Eines der als mangelhaft bewerteten Produkte ist Volvic Apfel. Laut Stiftung Warentest dürfte das Wasser so nicht verkauft werden, weil es entgegen der Auszeichnung "Apfelaroma" keine natürlichen Aromastoffe enthalte. Zudem sei das Produkt mit Benzoesäure konserviert.

Der Volvic-Hersteller Danone teilte auf Anfrage mit, das Unternehmen halte sich bei der Deklaration des Aromas an die rechtlichen Vorgaben. Alle Produkte seien "mit der für ihren Geschmack charakteristischen Frucht gekennzeichnet". Das verwendete Kaliumbenzoat sei ein sicherer und zugelassener Konservierungsstoff. Bonaqa-Abfüller Coca-Cola teilte mit, die Fruchtabbildungen entsprächen den Vorgaben für Erfrischungsgetränke der deutschen Lebensmittelbuch-Kommission. Das Produkt sei "in Übereinstimmung mit den geltenden rechtlichen Vorschriften gekennzeichnet". Die übrigen Hersteller der als mangelhaft bewerteten Wasser äußerten sich bislang nicht zu dem Test.

cte/dpa

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