Flugausfälle bei der Lufthansa Fast jeder zweite Deutsche hat kein Verständnis für Streik

Weil die Flugbegleiter bei der Lufthansa streiken, sollen rund 1300 Flüge ausfallen. In der Bevölkerung sorgt die Gewerkschaft UFO damit für Unmut.

Streikende Gewerkschaftsmitglieder
LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX

Streikende Gewerkschaftsmitglieder


An Deutschlands Flughäfen herrscht an diesem Donnerstag und Freitag wieder besondere Anspannung. Wegen eines Streiks der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO sollen bei der Lufthansa insgesamt rund 1300 Flüge ausfallen, etwa 180.000 Passagiere sollen betroffen sein.

In der Bevölkerung sind die Sympathien für diesen Ausstand nicht besonders groß. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL, gaben insgesamt gut 43 Prozent der Befragten an, kein Verständnis für die Streiks zu haben. Etwas weniger Menschen, 38 Prozent, zeigten demnach Verständnis, knapp 19 Prozent hatten keine Meinung dazu.

Der Anlass des Streiks ist vergleichsweise kompliziert. Die Gewerkschaft fordert einerseits für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Andererseits geht es in dem gesamten Tarifkonflikt aber vor allem um die Frage, ob UFO überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann. Die Lufthansa bezweifelt das.

Vor diesem Hintergrund dürfte ein Streik in der Öffentlichkeit schwieriger zu vermitteln sein als bei einem klassischen Konflikt um bessere Bezahlung für bestimmte Berufsgruppen.

Der hohe Anteil der Unentschiedenen zeigt aber auch, dass der aktuelle Ausstand der Flugbegleiter nicht so stark polarisiert wie beispielsweise ein Bahnstreik oder ein Luftverkehrsstreik zur Ferienzeit.

Ordnet man die Befragten nach Berufsgruppen, wird deutlich, dass sich vor allem Leitende Angestellte über den Streik ärgern, also jene Gruppe, die beruflich öfter mal fliegen muss. Hier gaben rund 52 Prozent an, kein Verständnis für den Streik zu haben. Nur gut 12 Prozent zeigten dagegen Verständnis.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

stk



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outsider-realist 07.11.2019
1. Mehrheit
Besteht die Bevölkerung nur aus den 43%? 57% scheinen ja wohl anderer Meinung zu sein und bilden die Mehrheit.
herrschläfer 07.11.2019
2. Typisch deutsch halt
Hauptsache meine Kohle stimmt
Hrothgaar 07.11.2019
3. Nicht schon wieder
Also Streik ist richtig und gut wenn Arbeitnehmer für Ihre rechte und Interessen kämpfen. Allerdings muss das jedes Jahr sein? Jedes Jahr das gleiche, so langsam fängt es an echt zu nerven! Wo ist das Problem, ein Tarifvertrag für 2 oder 3 Jahre bindend zu machen? Wenigstens streikt die UFO nicht in der Ferienzeit.
jk1! 07.11.2019
4. Ganz platt
Wie gut waren die Befragten wohl informiert? Wurden sie vorher darüber informiert, wie sich die Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren verschlechtert haben und sich Herr Sport mit jedem Jahr ein paar Milliönchen überweisen lässt?
2cv 07.11.2019
5. ich bin selbst Vielflieger...
...und daher auch heute unmittelbar betroffen. Mein Termin ist geplatzt, ein neuer nicht in den nächsten 3 Wochen möglich - alles deutlich unschön. Aber. Netto betrachtet, sind die Jobs des Kabinenpersonals zumindest aus meiner vordergründigen Perspektive nun auch keine hochanspruchsvollen. Wenn der Betrieb läuft, sind das Abarbeiten von Checklisten und anderen teil- oder vollständig durch IT Systeme unterstützten Abläufen aus meiner Sicht nicht ausgesprochen anspruchsvoll. Service Mindness gehört auch in der Bäckerei zum Selbstverständnis. Talent beim Improvisieren im Rahmen der vorgesehenen Möglichkeiten ist vielleicht das, was ich noch als besonders hervorzuheben sehen würde. Ich habe früher selbst als Taxifahrer gearbeitet - da lagen die Ansprüche deutlich höher. Sorry. Ich kann es nicht mehr hören. Das Anspruchsdenken ist nicht mehr zeitgemäß. Was ein Flugbegleiter früher arrangieren bzw. an Qualfikation mitbringen musste, lag beim x-fachen dessen, was heute noch notwendig ist (und ich kenne ehem. Chefstewardessen persönlich, und habe mehrere Flugbegleiter als Nachbarn).
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