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07. März 2011, 08:08 Uhr

Streik der Lokführer

Deutschland droht bundesweites Bahn-Chaos

Der Arbeitskampf im Schienenverkehr spitzt sich zu: Am Montag veröffentlicht die Lokführergewerkschaft GDL das Ergebnis ihrer Mitgliederbefragung. Die Organisation rechnet mit einer großen Mehrheit für die Ausweitung der Streiks - die sollen sich dann nicht nur auf den Personenverkehr beschränken.

Berlin - Der Arbeitskampf im deutschen Bahn-Business droht zu eskalieren - und die Leidtragenden sind die Reisenden. Sie müssen sich ab Dienstag auf ein Chaos einstellen, das die Warnstreiks der vergangenen zwei Wochen geradezu läppisch erscheinen lassen dürfte. Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder befragt, wie es im Tarifstreit weitergehen soll - und GDL-Chef Claus Weselsky rechnet mit einer 90-Prozent-Mehrheit für eine Fortsetzung des Arbeitskampfes.

Am frühen Montagnachmittag soll das Ergebnis der Urabstimmung bekannt gegeben werden. "In der Folge werden wir noch in dieser Woche die Arbeitskampfmaßnahmen ausdehnen, sofern wir keine Angebote von den Arbeitgebern erhalten", sagte Weselsky am Montagmorgen.

Dabei solle diesmal auch der Güterverkehr einbezogen werden. Weselsky: "Wir werden aber auch nicht darauf verzichten können, den Personenverkehr weiterhin ein Stück weit zu bestreiken." Wirtschaftsvertreter warnen bereits vor gravierenden ökonomischen Folgen.

Worum geht es der GDL? Die Gewerkschaft, der rund drei Viertel der 26.000 Lokführer angehören, fordert einheitliche Tarifbedingungen auf dem Niveau der Deutschen Bahn. In einem Flächentarifvertrag soll ein Entgelt festgeschrieben werden, das bei 105 Prozent des Niveaus der Deutschen Bahn liegt. Die privaten Konkurrenten zahlen derzeit bis zu 30 Prozent weniger Gehalt. Die seit Sommer andauernden Verhandlungen sind festgefahren, sechs Privatbahnen wollen nicht mehr gemeinsam mit der GDL sprechen.

Pro Bahn warnt Lokführer davor, sich selbst zu schaden

Neben Kritik aus der Wirtschaft distanziert sich auch der Fahrgastverband Pro Bahn von der GDL. Verbandschef Karl-Peter Naumann forderte die Gewerkschaft auf, künftig "andere Formen des Streiks" zu nutzen. Der Streik sollte vor allem die Bahnunternehmen treffen und nicht in erster Linie die Fahrgäste, sagte Naumann der "Passauer Neuen Presse". Es könne nicht sein, dass die Kunden in Geiselhaft genommen werden, "obwohl sie eigentlich dieselben Interessen haben wie die Gewerkschaften".

Bei einer Ausweitung der Streiks auf den Güterverkehr sehe er die Gefahr, dass dies negativ auf die Lokomotivführer zurückschlagen könnte. Wenn der Schienenverkehr nicht zuverlässig laufe, würden nicht nur Fahrgäste, sondern auch die Unternehmen wieder verstärkt auf die Straße wechseln.

Wenn es weniger Fahrgäste und weniger Fracht für die Bahn gebe, werde auch der Bahnverkehr abnehmen - und dann würden auch weniger Lokführer benötigt. Naumann: "Der Bahn droht eine Abwanderung von Kunden. Das könnte auch weitere Arbeitsplätze im Bereich des Schienenverkehrs kosten. Die Streiks wären dann kontraproduktiv gewesen."

Als Vermittler im Tarifstreit dient sich nun Ex-Verteidigungsminister Peter Struck an. Der SPD-Politiker sagte dem "Tagesspiegel": "Wenn man mich bittet, noch einmal zu schlichten, wäre ich dazu bereit." Er plädiert dafür, dass die GDL das Angebot der Deutschen Bahn und der sechs Privatbahnen annimmt, sich wieder an einen Tisch zu setzen. Auf der Grundlage des bereits erzielten Branchentarifvertrags solle dann weiter verhandelt werden.

cte/dpa

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