Streit über Zinssenkung Finanzgremium stärkt Lebensversicherer

Die garantierten Renditen von Lebensversicherungen werden spätestens Anfang 2012 sinken. Doch noch streiten Assekuranzen und Finanzministerium um Tempo und Ausmaß der Änderungen: Die Anbieter der Policen wehren sich gegen einen Zinssatz von unter zwei Prozent - und erhalten jetzt Rückendeckung.

Antrag auf Abschluss einer Lebensversicherung: Klassische Altersvorsorge
DPA

Antrag auf Abschluss einer Lebensversicherung: Klassische Altersvorsorge


Berlin - Für das Bundesfinanzministerium ist offenbar klar: Der Garantiezins von Lebensversicherungen soll Mitte 2011 von 2,25 auf 1,75 Prozent sinken. Die Versicherer sind empört - und wehren sich gegen die Pläne.

Jetzt erhalten sie Unterstützung von einem maßgeblichen Gremium zur Festsetzung der Mindestzinsen. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) teilte am Montag mit, der Garantiezins solle erst ab 2012 und lediglich auf zwei Prozent sinken.

Die Aktuarvereinigung, der Zusammenschluss der Versicherungs- und Finanzmathematiker, empfiehlt jährlich den Garantiezins. Das letzte Wort hat das Finanzministerium. Das Ministerium war den Empfehlungen der Aktuarvereinigung in den vergangenen Jahren stets gefolgt.

Das Ministerium argumentiert, die gesunkenen Renditen an den Kapitalmärkten machten die Senkung aus "Vorsichtsgründen" nötig. Mit einem niedrigeren maximalen Garantiezins kann verhindert werden, dass Versicherer im Werben um Kunden zu hohe Zinsen anbieten, die sie in den Folgejahren nicht zahlen können.

Der Garantiezins besagt, wie viel Geld Kunden von Lebensversicherungen am Ende der Laufzeit mindestens bekommen - egal wie viele zusätzliche Gewinne erwirtschaftet und an die Kunden ausgezahlt werden. Sinken die Zinsen an den Kapitalmärkten, können auch die Lebensversicherungen mit dem Geld ihrer Kunden weniger Gewinn machen. Der Garantiezins gilt nur für neu geschlossene Verträge, alte Verträge laufen mit dem bei Abschluss gültigen Garantiezins weiter. Die Lebensversicherung spielt für viele Menschen eine zentrale Rolle in der privaten Altersvorsorge.

Die Versicherungsbranche wehrt sich gegen eine Senkung auf 1,75 Prozent. Sie argumentiert, eine Absenkung auf zwei Prozent sei "ausreichend vorsichtig". Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht sich durch die nun ausgesprochene Empfehlung der Aktuarvereinigung in seiner Position gestärkt. Die Entscheidung über die Zinssenkung dürfte in den kommenden Wochen fallen.

Die Versicherer sollen außerdem nach dem Willen der Bundesregierung mehr Geld zurücklegen, um die hohen Garantiezinsen älterer Lebensversicherungen bezahlen zu können. Das berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Finanzaufsicht BaFin habe demnach die Anbieter aufgefordert, die Rückstellungen für einen Teil ihrer Verträge schon 2011 deutlich zu erhöhen.

Von der BaFin-Vorgabe betroffen seien Rückstellungen für zwischen 1995 und 2000 angebotene klassische Lebensversicherungen. Sie werden noch über die gesamte Laufzeit mit garantierten vier Prozent verzinst. Seit Beginn des Jahrtausends ist der Garantiezins nach und nach auf 2,25 Prozent gesunken.

wit/AFP



insgesamt 2 Beiträge
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flower power 27.12.2010
1. Ist doch eh alles Monopoly.
Wer hält sich daran? Es wird weiterhin gelogen und betrogen.
genius1 27.12.2010
2. Hier ein Link über Altersvorsorge, und anderes.
http://community.zeit.de/user/genius1/beitrag/2010/12/23/eine-weihnachtsgeschichte-oder-neujahrsgeschichte
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