Shutdowns, Homeoffice, Homeschooling Privathaushalte verbrauchen fünf Prozent mehr Strom

Die Coronapandemie treibt den Stromkonsum zu Hause in die Höhe – und mit ihm die Kosten. Das zeigt eine Analyse von Tausenden Datensätzen, die dem SPIEGEL vorliegt.
Strommast

Strommast

Foto: A3502 Horst Ossinger/ dpa

Die Stromkosten vieler Verbraucherinnen und Verbraucher sind während der Coronapandemie deutlich gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online für den SPIEGEL. Der Stromverbrauch pro Haushalt stieg demnach 2020 im Schnitt um 162 Kilowattstunden, was einem Plus von etwa fünf Prozent entspricht. Bei einem durchschnittlichen Preis von 31,37 Cent pro Kilowattstunde ergeben sich im Mittel Mehrkosten von rund 50 Euro.

Hauptgrund für den höheren Verbrauch ist, dass viele Menschen wegen Shutdown, Homeschooling und Homeoffice-Arbeit mehr Zeit zu Hause verbringen. Basis für die Auswertung von co2online sind 3212 Datensätze von Privathaushalten, die auf tatsächlichen Stromzählerständen basieren. Fast drei Viertel der ausgewerteten Haushalte verbrauchten demnach mehr Elektrizität.

In anderen Analysen sind die Kostenschübe sogar noch größer. Laut einer Umfrage unter rund 500 Verbrauchern, die das Portal Verivox für den SPIEGEL durchgeführt hat, mussten Stromkunden für 2020 im Schnitt 112 Euro nachzahlen. Bei knapp 80 Prozent erhöhten sich demnach die monatlichen Abschläge, im Schnitt fast um ein Fünftel.

Verbraucher vergeuden bis zu zehn Milliarden Euro

Neben der Coronapandemie treibt auch eine allgemeine Stromverschwendung die Kosten. Laut co2online zahlen Verbraucher in Deutschland jedes Jahr bis zu zehn Milliarden Euro drauf, weil sie gängige Möglichkeiten zum Stromsparen nicht nutzen. So finden sich in vielen Haushalten noch immer keine LED-Lampen oder Sparduschköpfe und kaum energieeffiziente Geräte. In der Folge entstehen jedes Jahr unnötige Emissionen von fast 15 Millionen Tonnen CO₂.

Diese Zahlen finden sich im neuen Stromspiegel , einer Erhebung von co2online und mehreren Forschungsinstituten, Wirtschaftsverbänden und Verbraucherschützern, die vom Bundesumweltministerium gefördert wird. Für die Erhebung wurden Daten von etwa 290.000 Verbrauchern ausgewertet. Die Ergebnisse lagen dem SPIEGEL vorab vor.

  • Konkret kann ein Zweipersonenhaushalt in einem Mehrfamilienhaus, der sein Wasser mit Strom erwärmt und insgesamt 2800 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, bis zu 320 Euro an Stromkosten sparen.

  • Eine vierköpfige Familie in einem Einfamilienhaus, die ihr Wasser nicht mit Strom erwärmt und 4000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, kann sogar gut 410 Euro sparen.

»Wer sich mit dem eigenen Stromverbrauch auseinandersetzt, kann sehr einfach dazu beitragen, das Klima langfristig zu schonen«, sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online. »Energiesparen in Gebäuden ist das A und O für den Klimaschutz – auch in der Pandemie.«