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29. April 2017, 07:32 Uhr

Strom, Heizung, Konto

1000 Euro und mehr pro Jahr sparen - so geht's

Eine Kolumne von

Was hilft, um mit einfachen Mitteln mehr Geld zur Verfügung zu haben? Es ist so einfach und dennoch machen es die wenigsten: wechseln - vom Konto bis zur Versicherung.

Wir haben lange gerungen. Wie viele Euro kann ein normaler Haushalt wirklich durch zehn vernünftige Entscheidungen gutmachen? Ohne Komfort einzubüßen? Wir haben die Erfahrungen zusammengetragen.

Das Ergebnis:

300 Euro beim Strom und 300 Euro bei der Heizung, 550 Euro beim Surfen und Telefonieren und 400 Euro bei der Kfz-Versicherung, 100 Euro beim Girokonto und noch einmal 100 Euro für die ersten 10.000 Euro Tagesgeld. Schließlich noch mal bei Krankenkasse, Hausrat- und Haftpflichtversicherungen 300 Euro. (Konkrete Tipps stehen unten.)

Das macht rund 2000 Euro im Jahr für einen Durchschnittshaushalt in Deutschland. Wer zum Beispiel einen Autokredit umschulden kann, womöglich eine Baufinanzierung, der kann noch auf ganz andere Einsparungen kommen.

Von solchen Summen hätten wir früher gar nicht zu träumen gewagt. Zwar ergab eine Muster-Studie von uns aus dem Herbst 2014 schon beachtliche Beträge. Doch erst die Zusammenarbeit mit einem Berliner Radiosender im Januar vergangenen Jahres machte uns deutlich, wie groß die Einsparpotenziale der normalen Haushalte tatsächlich sind. Ohne jede Einbuße an Komfort und Sicherheit.

Was für eine gigantische Chance zur Umverteilung! Umverteilung von überhöhten Preisen zu Ausgaben für die Dinge, die das Leben schön machen: Urlaub zum Beispiel.

Steuerfreie Umverteilung

Die Umverteilung wäre steuerfrei. 40 Millionen Haushalte gibt es in Deutschland, die Umverteilung würde viele Milliarden Euro ausmachen. Sie würde kleine und große Kunden, arme und reiche Leute wohlhabender machen und manchem ein Maß an finanzieller Freiheit verschaffen, das er oder sie lange nicht gekannt hat.

Etwa 40 Prozent der Haushalte haben in den vergangenen 15 Jahren keine Steigerung ihrer Kaufkraft mehr gesehen - sagt die Bundesregierung. Sie sind zu Recht unzufrieden mit der Verteilung des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland. Auch sie könnten mehr Geld in der Tasche haben und würden wenigstens ein bisschen von den Finanzmärkten und der Globalisierung profitieren.

Denn es sind heute erstaunlicherweise die französischen und niederländischen Banken, die ihren deutschen Kunden mehr Zinsen zahlen, es sind die kleinen Strom- und Gasanbieter, die eine Einsparung bei Strom und Gas bringen. Und es ist die spanische Telefongesellschaft Telefónica, die ihr Netz einer ganzen Reihe von Discountanbietern inklusive LTE zur Verfügung stellt - was die Telekom nicht macht.

Ich will den Ertrag nicht überbewerten. Gegen eine Reihe von Problemen helfen die 2000 Euro mehr im Jahr nur wenig: Sie lösen das Rentenproblem nicht, sie lösen das Mietproblem nicht und sie schaffen auch nicht einfach so Arbeitsplätze.

Aber sie helfen schon weiter.

Vor allem schaffen die 2000 Euro Selbstvertrauen, Vertrauen in die eigene Kompetenz als Verbraucher. Vertrauen, dass man den großen und kleinen Anbietern gewachsen ist. Vertrauen, dass der Markt für den Verbraucher funktionieren kann.

An vielen Stellen funktioniert der Markt noch nicht richtig, fehlen Verbrauchern die Mittel, sich die nötigen Informationen zu beschaffen, oder die entsprechenden Sanktionen, falls die Anbieter das unterlaufen.

Dass Informationen für die normalen Bürger positive Konsequenzen haben, gelingt noch nicht immer. Nehmen wir das Beispiel Autoabgase: Alle reden über den VW-Betrugsskandal, nur wenige darüber, dass Hunderttausende Bürger in deutschen Großstädten krankmachende Stickoxide einatmen müssen, die Konzerne und Behörden einfach wegdefiniert hatten. Die europäische Umweltbehörde vermutet hier mehr Todesfälle als im klassischen Straßenverkehr.

Und die Fahrer der Autos wähnten sich sogar auf der besonders sicheren Seite, war ja alles gemessen und schon ziemlich öko. Und wer jetzt so ein Betrugsauto hat, dem wird es extrem schwergemacht, es zurückzugeben.

Gelungen ist der Verbraucheraufstand dagegen bei den illegalen Kreditgebühren sowie bei den fehlerhaften Widerrufsbelehrungen in der Baufinanzierung. Hunderttausende haben sich in den vergangenen drei Jahren mit ein wenig Anleitung aufgemacht, ihr Geld von Anbietern zurückzuholen. Mehr als eine Milliarde Euro sind an Verbraucher zurückgeflossen.

In vielen Bereichen bündeln Vergleichsportale inzwischen die Information, sodass Verbraucher davon profitieren können. Das ist ein gewaltiger Fortschritt im Vergleich zu vor zehn Jahren. Aber auch diese gebündelte Information ist nicht immer verbraucherfreundlich.

Daten allein reichen aber nicht, zum Beispiel zu Strom und Handytarifen. Man muss die Vergleichsrechner schließlich so konfigurieren, dass die Verbraucher nicht nur einen guten Marktüberblick bekommen, sondern dass sie möglichst auch in keine Falle mehr tappen können, wie Pakettarife oder langwierige Laufzeitverlängerungen. So wird die Informationsflut für die Verbraucher beherrschbar.

Denn Marktbedingungen, von denen nur die Starken und die Klugen profitieren, sind im Jahr 2017 nicht mehr die Lösung.

Wer jetzt gleich loslegen möchte mit dem Sparen, sollte bei den Themen Strom, Heizen und Handy anfangen. Damit lassen sich schnell - je nach Haushalt und Verbraucher - gut 1000 Euro weniger pro Jahr ausgeben. Für die zweite Hälfte der 2000 Euro muss man etwas mehr Aufwand einkalkulieren.

1. Stromanbieter wechseln

Bei einem Stromverbrauch von 5000 Kilowattstunden sind zum Beispiel, wenn man noch im Grundtarif steckt, leicht 300 Euro drin. Verbraucher müssen lediglich auf einem Vergleichsportal ihre Daten eingeben, den Rest, inklusive Kündigung, übernimmt der neue Anbieter. Es kostet höchstens eine halbe Stunde Zeit. Wer sicher sein möchte, dass die Filter auf dem Portal verbraucherfreundlich eingestellt sind, kann über den Finanztip-Vergleichsrechner suchen.

2. Heizkosten minimieren

Wer seine Heizenergie selbst einkauft, weil er einen eigenen Heizöltank hat oder eine Gasetagenheizung, kann hier ebenfalls schnell sparen. Beim Gas kommen wie beim Strom leicht 300 Euro bei einem Wechsel über ein Vergleichsportal aus dem Grundtarif zusammen. Beim Heizöl spart um die 150 Euro, wenn man über ein Portal billige Lieferanten sucht. Wie beim Strom müssen Kunden für niedrige Heizkosten nicht mehr als eine halbe Stunde Zeit investieren.

3. Handykosten zähmen

Um an das begehrte Smartphone zu kommen, werden häufig teure Verträge mit langen Laufzeiten abgeschlossen. Wird das Telefon aber getrennt gekauft und genügt das O2-Netz von Telefónica, kommen die meisten schon mit einem Discounttarif für zehn Euro im Monat aus. In den Netzen von Telekom oder Vodafone muss ein Vertrag in der Regel nicht teurer als 25 Euro im Monat sein. Pro Smartphone sind deshalb bei einem Wechsel aus den alten Tarifformen 150 bis 300 Euro Ersparnis drin, für eine Familie kommen da schnell 500 Euro und mehr zusammen. Auch das geht über ein Vergleichsportal recht zügig. Zeit kostet höchstens die Frist, bis einen der alte Anbieter aus dem überteuerten Tarif entlässt.

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