Studie zu Energiearmut Hunderttausenden Verbrauchern wird der Strom abgestellt

Wer seine Stromrechnung nicht bezahlt, muss womöglich bald im Dunkeln leben. Laut einer Studie der Verbraucherzentralen sind Haushalte mit niedrigen Einkommen besonders betroffen

DPA

Von Anne-Sophie Schakat


4,8 Millionen Haushalten wurde im Jahr 2017 eine Stromsperre angedroht, mehr als 340.000 von ihnen wurde am Ende tatsächlich der Strom abgestellt. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Studie des Projekts "Marktwächter Energie" des Verbraucherzentrale Bundesverbands hervor.

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Heft 49/2019
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Die Studie untersuchte Ursachen, Herausforderungen und Folgen von Energiearmut. Demnach sind häufig Haushalte mit geringem Einkommen benachteiligt, weil ihnen das Geld zur Anschaffung von energieeffizienten Geräten fehlt und sie damit höhere Stromkosten verursachen.

Es könne aber auch Haushalte mit höherem Einkommen treffen, heißt es weiter. Zum Beispiel wenn der eigene Verbrauch wegen fehlender Kontrollmöglichkeiten jahrelang falsch eingeschätzt wurde.

Die Verbraucherschützer stellten außerdem fest, dass die Verhältnismäßigkeit von Stromsperren von den Versorgern nicht immer ausreichend geprüft werde. So seien selbst Haushalte mit Kleinkindern, Pflegebedürftigen oder chronisch Kranken betroffen.

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MissMorgan 01.12.2019
1. Alg2
Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass die Stromkosten für Alg2-Empfänger viel zu niedrig angesetzt werden. Von EON glaube ich, gab es mal eine diesbezügliche Studie. Erstens bekommt man als in Geldschwierigkeiten steckende Alg2-Empfänger nicht immer den günstigsten Tarif, kann auch nicht im Voraus bezahlen - also auch kein Rabatt. Zweitens hat man kein Geld für stromsparende Geräte (für Autos gibt es Zuschüsse, für Kühlschränke nicht) und drittens verbraucht man tatsächlich vielleicht auch ganz von selbst etwas mehr Strom wenn man den ganzen Tag Zuhause ist. Das wiederum finden die ganz schlimm, die ihre Privathandys am Arbeitsplatz aufladen (können).
Friesenbiker 01.12.2019
2. Zu 1. Alg2
Das kann ich so nur unterstreichen. Von den Arbeitsagenturen kommt auch da: Gar nichts. Mit Blick in europäische Nachbarländer: Daß in einem so wohlhabenden und, per Ansage, sozialem Land wie Deutschland jungen Familien der Strom (oder, anderes Thema, zB die Krankenversicherung) abgedreht wird, das sollte die Mehrheit (Uns) beschämen. Brauchen wir jetzt zu den "Tafeln" womöglich noch eine 'Soziale Steckdose'? Immerhin: Bei den Diakonien kann man sich aufwärmen, bekommt ein heißes Getränk und darf auch sein Handy laden. Als Gesellschaftsmodell kann es das aber ja wohl nicht sein. Irland, Schweden, Niederlande, selbst Spanien oder Portugal können das besser...
interessierter Laie 01.12.2019
3. @MissMorgan
ich denke nicht, dass der Arbeitnehmer durch am Arbeitsplatz geladene Handys signifikant weniger verbraucht. Er hat zumeist höhere Kosten - Essen in der Kantine, Pendeln, es fällt mehr Wäsche an etc. Aber der Punkt mit den alten Geräten ist unbestreitbar. Da wäre es tatsächlich an der Zeit über Förderung nachzudenken. Das wäre auch gut fürs Klima, denn in solchen Haushalten kann mit vergleichsweise geringen Investitionen viel bewirkt werden - ganz im Gegensatz zum wohlhabenden DINKs im Passivhaus. Eine Möglichkeit wäre so ähnlich wie Aufforstprogramme. Statt Bäume spendet das Unternehmen dann eben effiziente Haushaltsgeräte für Bedürftige Haushalte und spart so CO2 ein.
schlumz 01.12.2019
4.
Zitat: "Es könne aber auch Haushalte mit höherem Einkommen treffen, heißt es weiter. Zum Beispiel wenn der eigene Verbrauch wegen fehlender Kontrollmöglichkeiten jahrelang falsch eingeschätzt wurde." Verstehe ich nicht. wie soll das möglich sein? Es gibt doch Stromzähler oder kann mir da Mal jemand helfen.
dasfred 01.12.2019
5. Auch bei Geldmangel
Man muss Prioritäten setzen! Erst, die Miete, dann Strom und Wasser, dann Lebensmittel und danach den Rest. Bei Nachzahlung sofort Kontakt aufnehmen und das Amt Zwecks Hilfe ansprechen. Einige Stadtwerke bieten sogar Prepaid Zähler. Ist zwar etwas teurer, zwingt aber zu Sparsamkeit. In Hamburg zum Beispiel gibt es auch diverse soziale Beratungsstellen, die behilflich sind und notfalls auch eine Geldverwaltung für Klienten übernehmen, die Probleme haben, zu Wirtschaften. Dazu kommt dann die Hilfe bei Behördengängen. Da viele Betroffene überfordert sind, sollten auch die Stromlieferanten und die sozialen Dienste eng zusammenarbeiten. Natürlich sind die Stromkosten für Grundsicherungsempfänger sehr knapp kalkuliert, aber wenn man sie nicht bezahlen kann, liegt es meistens an anderen Ausgaben, die weniger notwendig sind. Stromsparende Geräte klingt zwar gut, aber wenn sich ein Kühlschrank erst nach sechs Jahren amortisiert, bedeutet das, man muss quasi die Ersparnis nach sechs Jahren heute vorfinanzieren. Das ist bei Stromschuldnern noch weniger möglich, als sonst. Bei dieser Problematik sind auch die Kommunen gefordert, die nötige Hilfe und Betreuung anzubieten. Kein Geld haben ist das eine. Keine Hilfe suchen und den Kopf in den Sand stecken die andere.
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