Insolventer Stromanbieter BEV-Kunden können sich an Musterklage beteiligen

Nach der Pleite des Stromanbieters BEV will der Insolvenzverwalter früheren Kunden einen Neukundenbonus nicht anrechnen. Betroffene können sich nun in ein Klageregister eintragen.
Reparaturen an einem Strommast in Bayern: Vor etwa einem Jahr war der Stromanbieter BEV pleitegegangen

Reparaturen an einem Strommast in Bayern: Vor etwa einem Jahr war der Stromanbieter BEV pleitegegangen

Foto: Tobias Hase/ DPA

Ab sofort können sich ehemalige Kunden der insolventen Bayerischen Energieversorgungsgesellschaft (BEV) an einer Musterfeststellungsklage gegen den BEV-Insolvenzverwalter beteiligen. Das Bundesamt für Justiz eröffnete das Klageregister .

Der Stromanbieter BEV und sein Mutterkonzern, die Genie Holding AG, waren vor etwa einem Jahr pleitegegangen. Zuvor hatte die BEV mit einem Neukundenbonus in Höhe von bis zu 25 Prozent um Kunden geworben. Der Insolvenzverwalter will jedoch Zehntausenden ehemaligen BEV-Kunden den versprochenen Bonus nicht anrechnen.

Er verweigert die Bonuszahlung und forderte ehemalige Kunden in vielen Fällen sogar zu Nachzahlungen auf. Zudem fielen die Betroffenen in eine erheblich teurere Ersatzversorgung, nachdem die BEV die Belieferung mit Strom einstellte.

Für mündliche Verhandlung sind 50 Eintragungen nötig

Nun streitet der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) dafür, dass die versprochenen Boni ausgezahlt werden. Das Oberlandesgericht München hat die Musterfeststellungsklage des Verbands zugelassen. "Die betroffenen Verbraucher sollten sich nun zügig anmelden", teilte der Verband mit.

Damit es zur mündlichen Verhandlung vor dem Oberlandesgericht München Ende Juni kommt, braucht es bis zum 27. März mindestens 50 Eintragungen im Klageregister. Eine Anmeldung kann laut Verband bis zur Verhandlung auch wieder zurückgenommen werden.

Für den vzbv ist es nach der Klage gegen Volkswagen, die derzeit vor dem Oberlandesgericht Braunschweig verhandelt wird, die zweite Musterklage der Verbraucherschützer.

Die Klageform war im November 2018 in Kraft getreten. Sie soll Verbraucher im Streit mit Konzernen stärken und bietet nach Verbandsangaben vor allem für Verbraucher ohne Rechtsschutzversicherung Vorteile, da sie zunächst kein Prozesskostenrisiko tragen. Individuelle Ansprüche müssen Verbraucher nach dem Musterverfahren weiter selbst einklagen, können sich dabei aber auf das Urteil im Musterverfahren berufen.

kko/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.