Strompreis EEG-Umlage steigt um rund fünf Prozent

Strom wird wohl teurer. Sowohl die sogenannte EEG-Umlage als auch die Entgelte für Stromnetze sollen steigen. Welche Kosten können Ihnen entstehen? Eine Beispielrechnung.

Windenergiepark in Brandenburg
Patrick Pleul/ZB/DPA

Windenergiepark in Brandenburg


Die Umlage zur Förderung von Ökostrom in Deutschland steigt 2020 um mehr als fünf Prozent. Das haben die Betreiber der großen Stromnetze bekannt gegeben. Die sogenannte EEG-Umlage beträgt demnach im kommenden Jahr gut 6,76 Cent pro Kilowattstunde und ist damit um 5,5 Prozent höher als in diesem Jahr mit rund 6,41 Cent.

Die EEG-Umlage ist ein wichtiger Bestandteil des Strompreises. Sie macht ungefähr ein Viertel der Kosten aus und finanziert die festen Vergütungen, die Ökostrom-Produzenten für die Einspeisung ihres Stroms bislang unabhängig vom Marktpreis bekommen.

Weitere Bestandteile des Strompreises für Privatkunden sind:

  • der Großhandelstrompreis, der rund ein Fünftel des Endkundenpreises ausmacht,
  • die Abgaben für den Erhalt und Ausbau der Stromnetze, die mit rund einem Viertel beim Endkundenpreis zu Buche schlagen sowie
  • andere Abgaben und Umlagen
  • und die Gewinnmargen der Stromerzeuger.

Die EEG-Umlage wird wohl nicht der einzige Preistreiber sein: Auch die Netzentgelte werden laut ersten Prognosen im kommenden Jahr steigen. Bisher wurden laut einer Analyse des Verbraucherportals Check24 die neuen Netzentgelte für 68 Prozent der Versorgungsgebiete veröffentlicht. Im Durchschnitt steigen sie nach bisherigen Zahlen 2020 um neun Prozent.

Nach einer Einschätzung des Verbraucherportals Verivox dürften auch die Großhandelspreise 2020 über dem aktuellen Niveau liegen. Verbraucher in Deutschland müssen sich erneut auf Strompreiserhöhungen einstellen, teilte das Portal mit.

Grundsätzlich steht es den Stromlieferanten frei, ob sie die steigenden Gebühren an ihre Kunden weiterreichen - und wenn ja, wie viel davon. Rein rechnerisch ergeben sich aus den Erhöhungen folgende Mehrkosten, die sich übers Jahr verteilen:

  • Ein Singlehaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 2000 Kilowattstunden würde rund sieben Euro mehr für die EEG-Umlage und 14 Euro mehr für die Netzentgelte zahlen.
  • Bei einem Dreipersonenhaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden wären es 12,28 Euro mehr für die EEG-Umlage und 24,50 Euro mehr für die Netzentgelte.
  • Ein Vierpersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden käme auf Mehrkosten von 18 Euro für die EEG-Umlage und 35 Euro für die Netzgebühren.

Verbraucher in Deutschland zahlen europaweit neben den Dänen die höchsten Strompreise. Im Rahmen ihres Klimapakets plant die Bundesregierung Entlastungen beim Strompreis, im Gegenzug zu einem Einstieg in eine CO2-Bepreisung in den Sektoren Verkehr und Gebäude.

So soll ab 2021 die Umlage zur Deckung der Kosten des nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergüteten Stroms in einem ersten Schritt um 0,25 Cent pro Kilowattstunde gesenkt und dann weiter verringert werden. Die Koalition will dadurch besonders Familien und kleine sowie mittelständische Firmen entlasten.

Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW nannten als einen Grund für die höhere Umlage die Entwicklung des sogenannten EEG-Kontos. Dieses sei zwar zum 30. September mit 2,2 Milliarden Euro im Plus gewesen. Da der Kontostand aber rund 40 Prozent niedriger sei als im Vorjahr, führe dies zu einem Anstieg der EEG-Umlage für das Jahr 2020.

ssu/mamk/dpa



insgesamt 231 Beiträge
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Rescia 15.10.2019
1. Singlehaushalt mit 2.000 Kilowattstunden?
Wow, das muss man wohl erstmal schaffen. Lebe in einem Singlehaushalt mit den üblichen Geräten (Weiße Ware, TV, Umlauferhitzer, PCs, E-Piano, Musikanlage, usw.) und komme auf 750 Kilowattstunden pro Jahr - ohne irgendeine Einschränkung.
hannesmann 15.10.2019
2.
Die EEG Umlage gehört komplett abgeschafft. Die Beträge sind über die CO2 Abgabe auszugleichen. Es kann nicht sein, dass die Exportwirtschaft zu Lasten der mittelständischen Wirtschaft und der Privatverbraucher hiervon befreit ist, und der "kleine Mann" das bezahlt.
the.blacklist 15.10.2019
3. Hier mal eine ein paar Informationen im Kontext
Auszug aus der ZDF Sendung Die Anstalt vom 01. Oktober 2019 https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-clip-5-160.html
Cailean 15.10.2019
4. Das sind dann pro Person und Monat...
...zwischen 1,10 Euro und 1,75 Euro. Wenn dafür der Umbau hin zu erneuerbaren Energien vorangeht, gerne.
fuchsi 15.10.2019
5. Das falsche Signal
Die erneute Erhöhung schadet dem Umstieg auf die lokal emissionsfreien Elektroautos, der Preisabstand zum hoch subventionierten Diesel wird dann geringer. Weshalb ein mit 2,2 Mrd. im Plus liegendes Konto durch diese Preiserhöhung noch weiter aufgefüllt werden muss, wurde nicht begründet, sondern bleibt unklar.
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