Kostenexplosion seit Pandemiebeginn Strompreiserhöhungen setzen Firmen zu

Alle wollen das Klima schützen, aber niemand dafür zahlen: Viele Firmen betrachten die Entwicklung an den Strombörsen mit Sorge. Dort hat sich der Preis seit März 2020 verdoppelt. Auch aus der Politik gibt es nun Kritik.
Energieintensive Branche: Ein Elektrolichtbogenofen zur Stahlerzeugung in Hamburg

Energieintensive Branche: Ein Elektrolichtbogenofen zur Stahlerzeugung in Hamburg

Foto: Christian Charisius / picture alliance / dpa

Der Strompreis im Großhandel ist auf Rekordjagd. Am Terminmarkt der Energiebörse EEX kostet eine Megawattstunde (MWh) Strom, die im kommenden Jahr geliefert werden soll, derzeit knapp 70 Euro. So hoch lag der Großhandelspreis, der Grundlage für viele Verträge der Industriekunden ist, laut einer Auswertung des »Handelsblatts« seit zwölf Jahren nicht mehr.

Im März 2020, zu Beginn der Pandemie, kostete eine Megawattstunde an der Energiebörse noch 35 Euro, also nur die Hälfte. Getrieben wird der Preis unter anderem vom ebenfalls steilen Anstieg des CO₂-Preises. Eine Trendwende ist deshalb nicht in Sicht (den vollständigen »Handelsblatt«-Bericht finden Sie hier ).

Die Erhöhung des Strompreises durch die CO₂-Bepreisung ist politisch gewollt. Die Idee dahinter lautet, dass die höheren Kosten für den Verbrauch fossiler Energiequellen dazu führen, dass Firmen und Verbraucher einen Anreiz haben, ihren Verbrauch zu reduzieren – und dadurch mittelfristig die CO₂-Emissionen sinken werden.

FDP fordert Entlastungen der Firmen

Zuletzt hatte allerdings bereits die Debatte über die ebenfalls durch den CO₂-Preis steigenden Benzinpreise gezeigt, dass Teile der Politik Schwierigkeiten haben, ihr grundsätzliches Bekenntnis zu mehr Klimaschutz durchzuhalten, sobald Klagen über höhere Belastungen laut werden. So stimmten Vertreter von Union und SPD in den Ärger über wachsende Spritpreise ein – obwohl sie die Weichen dafür selbst gestellt hatten.

»Für viele Unternehmen, vor allem Mittelständler, ist das ein Schock«, warnt etwa Wolfgang Hahn, Geschäftsführer der ECG Energie Consulting GmbH, die Unternehmen Energieverträge vermittelt. »Die Strompreise werden für viele Unternehmen zunehmend zur Belastung.« Energiepolitiker fordern schon eine Entlastung für die Industrie. »Stromkosten sind ein wichtiger Standortfaktor«, sagte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer dem »Handelsblatt« – und forderte bei Abgaben und Umlagen gegenzusteuern: »Über die Hälfte der Strompreise machen staatliche Kostenbestandteile aus.«

beb