Studie Hersteller setzen auf schnellen Verschleiß bei Elektrogeräten

Viele Verbraucher haben es geahnt, jetzt könnte eine Studie den Beweis liefern: Hersteller bauen demnach Schwachstellen bei Elektrogeräten ein, damit diese schneller kaputtgehen. Leidtragende sind die Kunden und die Umwelt.

Berlin - Jeder kennt das: Das Elektrogerät ist gerade mal ein paar Jahre alt, schon gibt es den Geist auf. Dumm nur, dass die Garantie bereits abgelaufen ist. Hinter dem Ärger steckt laut einer Studie Methode: Hersteller von elektronischen Geräten wie Druckern, Kopfhörern, Waschmaschinen oder Elektrozahnbürsten sorgten immer häufiger für Schwachstellen in ihren Geräten, damit diese schneller verschleißen oder kaputtgehen. Die Untersuchung der Grünen-Bundestagsfraktion führe zahlreiche Produkte auf, bei denen die Industrie laut Experten täusche oder trickse, berichten mehrere Zeitungen, darunter die "Saarbrücker Zeitung" .

Aus der Studie geht hervor, dass Hersteller Bauteile verwenden, die einen frühzeitigen Defekt auslösen. Auch würden technische Tricks angewendet, um die Nutzungsdauer eines Gerätes zu verkürzen.

Die Leidtragenden sind laut dem Gutachten die Kunden, die in immer kürzeren Abständen neue Produkte kaufen müssten. Der künstliche Verschleiß koste sie mehrere Milliarden Euro im Jahr. Er habe für die Untersuchung in den vergangenen Jahren an die 2000 Hinweise ausgewertet, sagte einer der Autoren, der Verbraucherexperte Stefan Schridde, der Zeitung.

Die Grünen-Politikerin Dorothea Steiner nannte die Strategie eine "Schweinerei". Frühzeitiger Verschleiß verursache "auch immense Müllberge". Die verbraucherpolitische Sprecherin der Fraktion, Nicole Maisch, forderte eine zügige Überarbeitung des "Gewährleistungs- und Garantierechts".

Einer der bekanntesten Fälle der sogenannten geplanten Obsoleszenz ist das Glühbirnenkartell von 1924. Die großen Leuchtmittelhersteller einigten sich in Verhandlungen darauf, dass die Birnen nach tausend Stunden Brenndauer kaputtgingen. Sie begründeten dies damit, dass bei einer längeren Brenndauer die optimale Lichtausbeute nicht mehr gewährleistet sei.

yes/AFP
Mehr lesen über Verwandte Artikel