Verbraucherschutz Zuckerbomben zur WM

Schokolade, Weingummi, Limonaden - mit speziellen WM-Produkten wollen Lebensmittelkonzerne ihren Umsatz steigern. Ein Test der Verbraucherzentrale Hamburg zeigt: Viel sollte man davon lieber nicht zu sich nehmen.

Zu viel Zucker: Die WHO-Grenzwerte für Jugendliche werden überschritten
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Zu viel Zucker: Die WHO-Grenzwerte für Jugendliche werden überschritten


Hamburg - Eine 200-Gramm-Tüte Haribo Tropifrutti im Brazil-Mix bis zur Halbzeitpause? Ein Jugendlicher hätte sich damit auf einen Schlag dreimal so viel Zucker einverleibt, wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) künftig empfohlen. 1,5 Liter Pepsi-Cola mit Mario-Gomez-Konterfei und die darin schwimmenden 161 Gramm Zucker dazu? Der Junge wäre beim Siebenfachen des täglichen Zucker-Solls.

"Wir wollen keine Spaßbremse sein und niemandem die WM vermiesen", sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Aber wie ein Fußballereignis missbraucht werde, um überzuckerte Kinderlebensmittel und Getränke unter die Leute zu bringen, das sei "schon dreist".

Die Hamburger Verbraucherschützer haben 14 Süßwaren und Getränke getestet und deren Zuckergehalt mit dem täglichen Kalorienbedarf von männlichen Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren abgeglichen. Diese Personengruppe hat mit 3100 Kilokalorien pro Tag mit den höchsten Energiebedarf. Bisher galt die WHO-Faustformel, dass maximal zehn Prozent des täglichen Energiebedarfs durch Zucker gedeckt werden sollen. Da jedoch Krankheiten wie Diabetes oder Übergewicht bei Kindern weiter zunehmen, soll dieser Wert nun auf fünf Prozent begrenzt werden - bei Jugendlichen wären das 39 Gramm Zucker pro Tag.

Die berechneten Zuckerwerte der Verbraucherzentrale belegen jedoch, wie groß die Lücke zwischen dem Angebot im Supermarkt und den empfohlenen Richtgrößen der WHO-Ernährungsexperten ist. Verbände der Zuckerindustrie und der Ernährungsbranche sind gegen die Herabsetzung der Grenzwerte. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Menge an verzehrtem Zucker und dem Körpergewicht, heißt es dort.

Verbraucherschützer und Ärzteverbände sehen das anders und verweisen auf die besonders relevante Energiedichte, also den Kaloriengehalt pro Gramm Lebensmittel. Der häufige Konsum energiedichter Lebensmittel gilt als eine entscheidende Ursache von Übergewicht. Eine hohe Energiedichte weisen oft industriell hergestellte, zuckerreiche Lebensmittel auf. Mit Fast sechs Kilokalorien pro Gramm hat eine Yogurette von Ferrero zum Beispiel gut die vierfache Energiedichte wie Nudeln.

Auf Nachfrage bei den Herstellern äußerten sich lediglich zwei Firmen. Mars verwies auf die Nährwert-Angaben auf seinen Snacks. Keines der Schokoladenprodukte würde zudem mehr als 250 Kalorien pro Portion enthalten. Ein Sprecher der Firma Storck (Knoppers) ließ wissen, auch eine modifizierte WHO-Empfehlung gäbe keinen Anlaß, das Produkt zu ändern. Einzelne Süßwaren zu betrachten führe sowieso "in die Irre". Knoppers, so der Sprecher, sei außerdem gar nicht speziell auf Kinder ausgerichtet.



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
wirep 21.05.2014
1. yaaaay!
weltbewegende erkenntnis! süßwaren enthalten zucker! ungefähr so verblüffend wie rotes blut oder stinkender mist! selten einen irrelevanteren beitrag gelesen...
rxzlmn 21.05.2014
2.
man kauft idR auch keine Tüte Süßigkeiten oder anderthalb Liter limo für sich alleine. Was ist denn hier die Nachricht, Süßigkeiten sind ungesund? boah ne, oder??
miss_moffett 21.05.2014
3.
Zitat von rxzlmnman kauft idR auch keine Tüte Süßigkeiten oder anderthalb Liter limo für sich alleine. Was ist denn hier die Nachricht, Süßigkeiten sind ungesund? boah ne, oder??
Ich glaube, es geht darum, dass Süßigkeiten dick machen (Schockierend!). Oder dass man während einer Sportveranstaltung statt Yoguretten lieber Nudeln naschen soll ...
effesste 21.05.2014
4. Echt?
Zitat von sysopVZHHSchokolade, Weingummi, Limonaden - mit speziellen WM-Produkten wollen Lebensmittelkonzerne ihren Umsatz steigern. Ein Test der Verbraucherzentrale Hamburg zeigt: Viel sollte man davon lieber nicht zu sich nehmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/suessigkeiten-zur-fussball-wm-zu-viel-zucker-in-weingummi-und-limonade-a-970704.html
Süßigkeiten haben gar nicht weniger Kalorien, wenn etwas von WM auf der Packung steht? Na, gut, dass mir das jetzt einer erklärt hat. Danke Verbraucherzentrale! Danke Spiegel online! Danke! Danke!
les2005 21.05.2014
5. Wahnsinnig komisch
Ja, unheimlich witzig, die Welt wußte schon daß Süßigkeiten dick machen. Sehr treffend bemerkt hier im Forum. Es geht hier aber aber gar nicht um die Erwachsenen. Hier geht es aber darum, daß die Industrie diese Dickmacher bewußt an Kinder und Jugendliche vermarktet und sich dabei des positivenn WM-images bedient. Was sie lt. eigener Selbstverpflichtung ja eigentlich NIE tut. Und wer Kinder hat, weiß daß auch eine 1,5l Cola-Flasche schnell weg ist. Und wer sich umsieht, wird auch bemerken daß es verdammt viel dicke Kinder gibt.
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