Benzinpreise Morgen ist Schluss mit dem Tankrabatt – und so geht es weiter

Die Steuerentlastung auf Kraftstoffe endet. Nun steigen die Preise an der Zapfsäule wieder. Aber was genau kommt da auf Sie zu? Der Überblick.
Der Tankrabatt läuft aus: Nun wird es wieder teuer an der Zapfsäule

Der Tankrabatt läuft aus: Nun wird es wieder teuer an der Zapfsäule

Foto: Uwe Lein / dpa

Mobilität wird für viele Menschen wieder deutlich teurer. In der Nacht zu Donnerstag läuft nicht nur das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn aus, auch der sogenannte Tankrabatt endet. Die Senkung der Energiesteuern auf Kraftstoffe auf das in der EU zulässige Mindestmaß war ebenfalls auf drei Monate befristet. Wie geht es nun weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Preise kommen nun auf Verbraucherinnen und Verbraucher zu?

Ab Mitternacht gelten für Benzin und Diesel wieder die alten Steuersätze. Inklusive Mehrwertsteuer steigt der Preis für Superbenzin der Sorte E10 damit um 35 Cent pro Liter, für Diesel werden pro Liter 17 Cent mehr fällig. Die Preise für Benzin und Diesel werden also wieder deutlich steigen, so viel ist klar. Um wie viel und wann – das ist offenbar deutlich schwerer vorherzusagen.

Der Bundesverband freier Tankstellen (BFT) etwa erwartet bereits in der Nacht zu Donnerstag beziehungsweise in den frühen Morgenstunden ein deutliches Plus. »Im Tagesverlauf und in den kommenden Tagen wird das dann aber sicher wieder etwas abschmelzen, wenn Wettbewerbseffekte einsetzen«, sagte der Verbandsvorsitzende Duraid El Obeid der Deutschen Presse-Agentur.

In den kommenden Tagen und Wochen werden die Verbraucherinnen und Verbraucher dann »sicher eine Mischung aus hohen und niedrigen Preisen sehen«, sagt ADAC-Experte Jürgen Albrecht. Schon in den vergangenen Tagen seien die Preisunterschiede je nach Region und Tageszeit teils im zweistelligen Centbereich gewesen: »Das wird zunächst eher noch mehr werden.« Die niedrigen Steuersätze galten auch für Tankstellenbetreiber, einige dürften also noch günstig gekauften Sprit haben, den sie auch entsprechend günstiger abgeben könnten.

Der Bundesverband freier Tankstellen geht indes wegen Problemen beim Schienen- und Wassertransport von Kraftstoffen von eher leeren Tanks der Betreiber aus. Außerdem hätten viele Tankstellenbetreiber bei der Einführung des Rabatts Verluste gemacht, weil sie zuvor teuer eingekauftes Benzin sofort nach der Steuersenkung günstig abgegeben hätten.

Wie stark haben die Konzerne denn nun an dem Rabatt verdient?

Tatsächlich ist die Wirkung des Tankrabatts in den vergangenen Wochen zunehmend verpufft , wie eine Auswertung des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt. Eine erste Untersuchung des RWI im Juli war noch zu dem Ergebnis gekommen, dass der Tankrabatt »im Wesentlichen« an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde. Die aktuelle Auswertung zeichnet nun ein differenzierteres Bild. Demnach wurde der Tankrabatt etwa zur Hälfte aufgefressen, insbesondere beim Diesel.

Als Ursache machen die RWI-Forscher aber nicht etwa die Geldgier der Mineralölkonzerne aus, sondern die gestiegenen Transportpreise für Treibstoff aufgrund der anhaltenden Trockenheit und extrem niedriger Flusspegelstände. Dass die Mineralölwirtschaft ihre Marge erhöht hat – die Konzerne also mehr verdienten, indem sie einen Teil des Rabatts einbehielten, lasse sich zwar als Grund auch nicht ausschließen. Zumindest für den Juni sei aber klar ersichtlich, dass der Tankrabatt weitergegeben worden sei.

Der ADAC kommt in Summe zu dem Schluss, dass die Steuersenkung nicht vollständig weitergegeben wurde. Mit den Rohölpreisen oder auch Sonderfaktoren wie Kriegsfolgen, dem schwachen Euro oder Niedrigwasser im Rhein ließen sich die hohen Preise nicht vollständig erklären. Und in den vergangenen Tagen habe sich die Mineralölwirtschaft bereits wieder ein Preispolster verschafft: Allein in den zurückliegenden 14 Tagen sind die Spritpreise nach Angaben des ADAC im bundesweiten Durchschnitt um 6,8 Cent beim E10 und 15 Cent beim Diesel gestiegen.

Foto: ADAC

Da aber die Wertschöpfungskette vom Ölfeld an die Zapfsäule selbst für Expertinnen und Experten schwer zu durchschauen ist, schaut der ADAC gespannt zum Bundeskartellamt, das am Dienstag angekündigt hat, die Preisgestaltung der Tankstellen nach dem 1. September genau beobachten zu wollen.

Gibt es Diskussionen zu einem Nachfolgemodell?

Beim 9-Euro-Ticket ist die Diskussion über eine Nachfolgeregelung längst in vollem Gange. Beim Tankrabatt sieht das anders aus, wohl vor allem, weil er mit Blick auf tatsächliche Entlastungen für Geringverdienende und die Signale in der Klimakrise kritisch gesehen wird.

Welche Tipps helfen beim Spritsparen?

Einer aktuellen Umfrage des ADAC zufolge haben Autofahrerinnen und Autofahrer noch großes Potenzial beim Spritsparen. Ein großer Teil der Befragten (47 Prozent) passt zwar bereits seine Fahrweise an, um Kraftstoff zu sparen, jedoch ist die Zahl im Vergleich zu einer Umfrage aus dem Frühjahr leicht rückläufig. Dabei lasse sich allein durch Fahrweise bis zu 20 Prozent an Sprit sparen.

Daher gilt:

  • Fix beschleunigen, rechtzeitig hochschalten (bei einer Drehzahl von ca. 2000 U/min) und erst zurückschalten, wenn der Motor ruckelt oder brummt. Bei Fahrzeugen mit Automatik hilft der »Eco«-Modus.

  • Motorbremswirkung nutzen, also frühzeitig vom Gas gehen, das Auto beispielsweise die letzten paar Hundert Meter bei eingelegtem Gang auf eine Ortschaft zurollen lassen, statt unmittelbar davor abrupt abzubremsen.

  • Kurze Strecken vermeiden

  • Motor aus, wenn die Leerlaufzeit voraussichtlich länger als 20 Sekunden dauert. An Bahnübergängen ist das übrigens vorgeschrieben.

  • Klimaanlagen kosten je nach Fahrzeugmodell, Technik und Einsatzbedingungen 0,3 bis 1,5 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer, eine Standheizung etwa 0,2 bis 0,5 Liter pro Stunde. Auch offene Seitenfenster oder Schiebedächer können bei hohen Geschwindigkeiten Kraftstoff kosten.

Außerdem: den Reifendruck im Auge behalten, kein unnötiges Gewicht im Kofferraum mit sich rumfahren, Autobahntankstellen meiden, wenn nötig, auf den Autohof ausweichen. Und: Tank-Apps nutzen. Die sparen mehr als zehn Cent pro Liter bei richtigem Einsatz. Große Umwege lohnen sich natürlich nicht, aber die Apps zeigen zum Beispiel die preiswerten Tankstellen an ihren Alltagsrouten an.

Morgens sind die Preise zudem höher, als abends, zwischen 20 und 22 Uhr beobachtet der ADAC die günstigsten Preise. Nur für den heutigen Tag, da wollen die Experten diesbezüglich keine Versprechungen machen.

sak
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