Honorarstreit Tausende Apotheker streiken

Die Apotheker erhöhen den Druck auf die Bundesregierung. 4000 Apotheken in drei Bundesländern sind am Mittwoch zum Warnstreik aufgerufen, fast alle machen mit. Medikamente werden nur durch die Notfallklappe verkauft, es dürfte lange Schlagen geben.

Die Türen bleiben zu: Tausende Apotheken im Südwesten im Warnstreik.
dapd

Die Türen bleiben zu: Tausende Apotheken im Südwesten im Warnstreik.


Stuttgart/Mainz/Saarbrücken - Die Türen bleiben zu, die Fenster auf: Die Apotheken in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland treten in den Warnstreik und verkaufen nur über das Notdienstfenster. Der Grund: Die Pharmazeuten streiten mit dem Bund über Honorare.

Die Verbände riefen deshalb insgesamt 4000 Apotheken zum Streik auf. Der Saarländische Apothekerverein rechnet damit, dass sich im Land mindestens 90 Prozent der Apotheken an der Aktion beteiligen. In Baden-Württemberg sind nach ersten Erkenntnissen des Landesverbands rund 80 Prozent dabei.

Kunden müssen sich auf lange Schlangen einstellen, da die streikenden Pharmazeuten Medikamente nur über die Notdienstklappen ausgeben.

Die bundesweit etwa 21.300 selbstständigen Apotheker fordern eine Honorarerhöhung von rund einem Euro pro verordnetem Medikament auf 9,14 Euro. Der Bund plant bislang jedoch gerade einmal ein Plus von 25 Cent ab 1. Januar 2013.

Sollte die Aktion die Politik nicht zu einem Einlenken bewegen, soll der Streik verstärkt werden. Dabei müssen die Apotheker jedoch aufpassen: Alle Türen komplett zu schließen und auch tagsüber so wie in der Nacht oder sonntags nur einzelne regionale Notdienste bereit zu halten, ist verboten. Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Baden-Württembergs Landesverbandschef Fritz Becker, hatte am Dienstag gesagt: "Wir könnten diese Aktion natürlich noch länger als nur einen Tag lang ausweiten. Aber mehr Einschränkung - da wird es illegal."

Bundesweit war die Aktion der erste größere Protest der selbstständigen Apotheker seit rund zehn Jahren.

mia/dpa/dapd

insgesamt 89 Beiträge
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artusdanielhoerfeld 12.09.2012
1. Stewardessen...
...Ärzte, Apotheker... warum streiken ausgerechnet die Berufgruppen, die es am wenigsten nötig haben?
der_namenslose 12.09.2012
2. -
Angeboten wird ein Plus von rund 3% - nicht schlecht, oder? Gefordert werden fast 11%! Nicht schlecht, die vollen Kassen der Krankenkassen wecken wohl Begehrlichkeiten. Ich würde der Forderung ja zustimmen - unter einer Voraussetzung: wenn sich die Lage wieder eintrübt werden die Honorare ohne Rückfrage den sinkenden Einnahmen nagepasst. Aber DAS steht sicher nicht zur Diskussion. UNd ohne diesesn Sicherheitsmechanismus ist die Forderung ganz einfach eins: unverschämt.
enigma2.0 12.09.2012
3.
Zitat von sysopdapdDie Apotheker erhöhen den Druck auf die Bundesregierung. 4000 Apotheken in drei Bundesländern sind am Mittwoch zum Warnstreik aufgerufen, fast alle sind dabei. Medikamente werden nur durch die Notfallklappe verkauft, es dürfte lange Schlagen geben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,855406,00.html
...dann sollten alle Apothekenkunden einen Monat lang ihre Medikamente nur über ausländische Versandapotheken (z.B. Doc Morris) beziehen. Mal sehen was die notleidenden Pillenhändler dann tun. Zum Beispiel Essen bei der Tafel kaufen u.s.w.
sophica 12.09.2012
4. Selbstständige streiken - sonderbares Phänomen!
Es erstaunt mich schon, dass Selbsständige streiken - wo findet man das außer im Gesundheitssystem, wo absolut keine Transparenz gegeben ist. Wo - außer bei Ärzten weiß ich (als Kassenpatient) keinesfalls, was ein Arzt für die mir gegebene Leistung erhält? Und wieso sind bei uns identische Medikamente meist wesentlich teurer als in anderen EU-Ländern. Es gibt zumindest in der Stadt sehr, sehr viele Apothken - scheint also ein lukratives Geschäft. Dann habe ich in letzter Zeit so oft gehört, dass wir Kassenpatienten nur noch behandelt werden könnten, weil die Ärzte von den Privatpatienten höhere Einnahmen erhalten. Meist wird auch gesagt, dass nur 10 % in Privatkassen sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese 10 % die Leistungen für 90 % der Kassenpatienten praktisch durch ihre höheren Kosten für die gleiche Leistung tragen. Ich gönne den Ärzten und den Apotheken ihre Verdienste - nur es sollte einmal alles transparent gemacht werden. Mir scheint 80 %, was gesagt wird, ist gelogen. Wenn Erfolgshonorierung dann müsste das Ergebnis sein, dass die Patienten weder Medikament noch Ärzte in diesem Ausmaß als Resultat brauchten.
Hannibal72 12.09.2012
5. ?
Zitat von artusdanielhoerfeld...Ärzte, Apotheker... warum streiken ausgerechnet die Berufgruppen, die es am wenigsten nötig haben?
Das ist ungefähr so, als ob man sagt, warum beklagen sich Menschen über den Hunger in der Welt, es gibt doch schließlich genug zu Essen für alle! Es gibt Apotheker und Ärzte, denen es sicherlich sehr gut geht. Es gibt aber auch eine Menge Apotheken, die gerade pleite machen. Da hängen nicht nur die Apotheker mit ihren Familien dran, sondern auch die Angestellten. Haben Sie sich mal Gedanken gemacht, welche Verantwortung Ärzte und Apotheker tragen (auch finanziell) und welche Risiken sie eingehen. Unter den Akademikern Deutschlands gehören die (Durchschnitts-)Apotheker und -Ärzte schon lange nicht mehr zu den Spitzenverdienern. Ich persönlich möchte den Arzt oder Apotheker aber nicht dazu nötigen sich zu überlegen, womit er an mir am meisten verdienen kann. Ich hätte, gerne, daß er überlegt, wie er mich am besten gesund erhalten kann. Mit dem aktuellen Kostendruck wird das kaum möglich sein! Statt der ewig gleichen, typisch deutschen Neid-Debatte sollte vielleicht einmal differenziert diskutiert werden.
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