Stromnetz Verbraucherschützer raten von Tennet-Bürgeranleihe ab

Die Verbraucherzentralen warnen vor der Bürgeranleihe des niederländischen Stromanbieters Tennet: Den Anlegern werde suggeriert, dass es sich um eine rentable Geldanlage handle. Viele seien sich der Risiken nicht bewusst.
Strommast in Pfatter: Risiko des Totalverlusts

Strommast in Pfatter: Risiko des Totalverlusts

Foto: A3528 Armin Weigel/ dpa

Hamburg - Die sogenannte Bürgeranleihe zum Ausbau des Stromnetzes eignet sich laut Verbraucherschützern nicht für Privatanleger. Der Grund seien hohe Risiken, teilten die Verbraucherzentralen Hamburg und Baden-Württemberg am Montag mit.

Den privaten Anlegern werde suggeriert, dass sie exklusiven Zugang zu einer rentablen Geldanlage erhielten. Mit Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) werben zwei Regierungsmitglieder für diese Form der Beteiligung am Ausbau der Stromnetze. Dadurch bestehe "die Gefahr, dass viele Menschen im Vertrauen darauf die Anlagerisiken nicht ausreichend berücksichtigen", sagte Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Wer in die Bürgeranleihe investiere, trage das Risiko eines Totalverlustes und könne den Kredit, den er dem Unternehmen Tennet gebe, nie kündigen, warnte Klug. Die Laufzeit sei unbefristet, so dass die Anleihe nur an der Börse verkauft werden könne. "Wie viel an der Börse gezahlt wird, ist jedoch ungewiss." Den angekündigten Zins von fünf Prozent gebe es für Anleger frühestens nach Baubeginn. Bis dahin liege er bei drei Prozent. Zudem könne sich der für 2015 geplante Baubeginn durch Gerichtsverfahren verzögern, da es Widerstände in der Region und bei Umweltschützern gebe.

Bürgerbeteiligung soll 15 Prozent der Investitionen bringen

Altmaier und Rösler hatten sich Anfang Juli mit den vier Netzbetreibern auf ein Konzept für sogenannte Bürgeranleihen geeinigt. Sie hoffen, dass sie damit den Netzausbau beschleunigen und die Akzeptanz für neue Leitungen erhöhen können. Die Mindesteinlage soll dem Konzept zufolge bei etwa tausend Euro liegen. Anwohner in unmittelbarer Nähe neuer Leitungen sollen bevorzugt werden. Die Regierung schätzt, dass bis 2023 rund 20 Milliarden Euro in neue Netze investiert werden müssen. Die Bürgerbeteiligung soll bis zu 15 Prozent dieser Investitionssumme einbringen.

Modelle der Bürgerbeteiligung sollen in den kommenden Monaten die vier Netzbetreiber Amprion, Tennet, TransnetBW und 50Hertz entwickeln. Tennet betreut bereits das Pilotprojekt in Schleswig-Holstein zur Finanzierung einer Windstromleitung. 160.000 Haushalte in den Kreisen Nordfriesland und Dithmarschen wurden angeschrieben. Die Zeichnungsfrist läuft bis 30. August.

Die geplante Westküstenleitung soll Strom aus Windparks an der Nordseeküste über 150 Kilometer in den Süden Schleswig-Holsteins leiten, wo Anschluss an das überregionale Netz besteht.

cte/AFP