Testkäufe Verbraucherschützer verzweifeln an Postagenturen

Überteuertes Porto und wunderliche Ratschläge: Postagenturen haben bei Testkäufen von Verbraucherschützern miserabel abgeschnitten. Keiner der 21 getesteten Läden frankierte Probesendungen korrekt. Immerhin gab es amüsante Tipps für den Versand.
Briefe in einem Verteilzentrum: Verheerendes Zeugnis für Postagenturen

Briefe in einem Verteilzentrum: Verheerendes Zeugnis für Postagenturen

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Düsseldorf - Eigentlich sollen Postagenturen den Kunden das Leben leichter machen. Wo klassische Postfilialen verschwinden, übernehmen Einzelhändler den Service für den Logistikkonzern. Doch ein Test der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ergab: Wer bei einer der 14.000 Postagenturen in Schreibwarengeschäften oder Lebensmittelläden einen Brief oder ein Päckchen aufgeben will, kann sich kaum auf die Beratung vor Ort verlassen.

Die Verbraucherschützer hatten sich in 21 Postagenturen in NRW erkundigt, wie sie am günstigsten einen 430 Gramm leichten Pullover und einen 655 Gramm schweren Atlas verschicken könnten. Das Ergebnis fiel verheerend aus. "Nicht einer brachte die beiden Sendungen korrekt auf den Weg", lautete das Fazit der Verbraucherzentrale.

Jede dritte Agentur habe deutlich überhöhte Preise - etwa 4,10 Euro oder auch "vier Euro noch was" für ein Päckchen - genannt. Das sei mehr als doppelt so viel wie nötig, kritisierten die Tester. Laut den gültigen Beförderungstarifen der Deutschen Post dürfte der Pullover in eine Maxi-Warensendung (bis 500 Gramm) für 1,65 Euro gepackt werden. Für den Atlas reiche die Maxi-Büchersendung (500 bis 1.000 Gramm) für 1,40 Euro.

Andere Ratschläge hätten sogar den Versand gefährdet: So rieten Postagenturen laut den Verbraucherschützern, den Pullover als Warensendung mit 70 Cent zu frankieren. Doch dieser Betrag reiche lediglich für 50 Gramm leichte Waren - und Unterfrankierung bestrafe die Post mit Nichtbeförderung, erhöhtem Entgelt und Nachporto für den Empfänger.

Ratschlag: Den Atlas in die Einzelteile zerlegen

Keiner der Befragten sei auf die Idee gekommen, den Pullover oder den Atlas auf die Waage zu legen, um den richtigen Tarif herauszufinden, kritisierten die Tester. In den Lotto-, Copy- und Schreibwaren-Shops sei fast die gesamte Produktpalette der Deutschen Post empfohlen worden: vom normalen Brief bis zum teuren Päckchen.

Die Post zeigte sich überrascht über das schlechte Abschneiden der Läden. Das Unternehmen selbst lasse jährlich 40.000 anonyme Testkäufe durchführen, um Schwachstellen aufzudecken, sagte ein Sprecher. "Da haben wir ein ganz anderes Ergebnis." Zum schlechten Abschneiden habe sicher beigetragen, dass die Verbraucherzentrale nach sehr speziellen Versandformen gefragt habe. Schließlich müssten Waren- und Büchersendungen unverschlossen und ohne Begleitbrief verschickt werden. Dies werde von Privatleuten kaum genutzt.

Immerhin konnten sich die Verbraucherschützer bei ihren Testkäufen auch amüsieren. In einer Agentur gab es den Rat, den Pullover klein zusammenzufalten und in einen Briefumschlag zu stecken. Ein anderer Berater machte den Vorschlag, einfach die benötigten Seiten aus dem Atlas zu reißen und als Brief zu verschicken.

Der Rat der Verbraucherschützer an Postkunden: Im Zweifel lieber selbst in einer Preisbroschüre der Post nachschauen.

mmq/dapd/AFP
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