Teure Energie Gazprom erwartet hohe Gasnachfrage

Noch ist Erdgas vergleichsweise billig, aber jetzt erhöhen viele Versorger die Tarife. Und das könnte erst der Anfang eines steilen Aufwärtstrends sein - denn Deutschlands wichtigster Lieferant Gazprom erwartet eine kräftig anziehende Nachfrage. Die Folge wären erneut steigende Preise.
Gazprom-Zentrale in Moskau: Der Konzern beherrscht den deutschen Gasmarkt

Gazprom-Zentrale in Moskau: Der Konzern beherrscht den deutschen Gasmarkt

Foto: Sergei Ilnitsky / dpa

Hamburg - Erdgas könnte sich künftig deutlich verteuern. Grund ist die steigende Nachfrage seit dem Ende der weltweiten Finanzkrise. "Bis 2012 ist unserer Meinung nach das Nachfrageniveau der Vorkrisenzeit wieder erreicht", sagte der Vizechef des russischen Energieriesen, Alexander Medwedew, der "Financial Times Deutschland". Die Folge wäre ein Anziehen der Großhandelspreise.

Langfristig werde der Bedarf an Erdgas sowohl in Russland als auch im Ausland wieder steigen, sagte Medwedew der Zeitung in einem schriftlich geführten Interview. Gazprom setzt deshalb darauf, seinen Marktanteil weiter auszubauen: "Wir gehen davon aus, dass russisches Gas im Jahr 2020 mehr als 30 Prozent des europäischen Gasmarkts ausmachen wird." In Deutschland liefert Gazprom bereits jetzt über ein Drittel des verbrauchten Gases.

Erdgas ist derzeit mit 17 bis 18 Euro pro Megawattstunde vergleichsweise billig, im Sommer 2008 lagen die Kosten noch bei über 30 Euro. In der Wirtschaftskrise war die Nachfrage deutlich zurückgegangen.

Doch die Abnehmer drängen auch im Aufschwung auf sinkende Preise. Gazprom steht dabei unter Druck, da sein größter europäischer Konkurrent, der norwegische Konzern Statoil, bereits akzeptiert hat, bis zu 30 Prozent seines Gases zum aktuellen Marktpreis zu verkaufen. Die Russen setzen dagegen auf lange Lieferverträge, deren Preise derzeit deutlich über dem Marktpreis liegen.

Ungeachtet der Langzeitprognose ist klar: Deutsche Kunden müssen ab September höhere Gaspreise zahlen: Wie aus einer Erhebung des Verbraucherportals Verivox für SPIEGEL ONLINE hervorgeht, erhöhen zum September und Oktober 81 Gasunternehmen ihre Preise - und zwar um durchschnittlich neun Prozent. Alle Tarife finden Sie in der großen Tabelle:

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Gazprom erwarte eine Verdoppelung des Gaspreises. Dies ist nicht richtig. Tatsächlich erwartet der Konzern eine steigende Nachfrage - was steigende Preise zur Folge haben dürfte. Die falsche Angabe geht zurück auf einen Übersetzungsfehler in der "Financial Times Deutschland". Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

cte/AFP