Teure Krankenkassen So sparen Sie bis zu 500 Euro

Im deutschen Gesundheitswesen gibt es große Unterschiede: Zehn Krankenkassen erheben Zusatzbeiträge, drei zahlen dagegen Prämien. Im Extremfall macht die Differenz für die Versicherten mehr als 500 Euro im Jahr aus. Die Zeitschrift "Finanztest" hat ermittelt, für wen sich ein Wechsel lohnt.
Versichertenkarten: Die Wahl der richtigen Krankenkasse kann sich finanziell lohnen

Versichertenkarten: Die Wahl der richtigen Krankenkasse kann sich finanziell lohnen

Foto: Daniel Karmann / dpa

Das Gesundheitswesen ist für viele Bürger kaum noch zu verstehen. Immer neue Reformen machen es fast unmöglich, den Überblick zu behalten. Die Zeitschrift "Finanztest" hat deshalb einen großen Krankenkassentest gemacht, zum Teil mit erstaunlichen Ergebnissen (siehe linke Spalte).

Grundsätzlich ist der Beitragssatz bei allen Kassen gleich. Doch das gilt nur grundsätzlich. Denn manche Kassen erheben noch Zusatzbeiträge, andere wiederum beglücken ihre Mitglieder mit Prämienausschüttungen. So müssen gut verdienende Mitglieder der Krankenkassen BKK für Heilberufe und Gemeinsame BKK Köln (GBK) für zwölf Monate bis zu 450 Euro extra zahlen. Mitglieder der G&V BKK erhalten hingegen nach einem Jahr 72 Euro zurück. Das heißt: Der Unterschied beläuft sich auf mehr als 500 Euro im Jahr.

Sowohl Zusatzbeitrag als auch Prämie gehen nur die Mitglieder der Kassen etwas an. Für Kinder und Ehepartner, die kostenlos mitversichert sind, ändert sich nichts.

Derzeit gibt es zehn Kassen, die Zusatzbeiträge verlangen. Sieben davon verlangen jeden Monat acht Euro. Die BKK Heilberufe und die GBK rechnen anders und fordern ein Prozent des Einkommens. So kann sich eine zusätzliche Belastung bis zur derzeitigen Obergrenze von 37,50 Euro im Monat ergeben. Auch die BKK Westfalen-Lippe erhebt den Zusatzbeitrag abhängig vom Einkommen, deckelt ihn aber bei zwölf Euro im Monat.

Manche Kassen gewähren Rabatte auf den Zusatzbeitrag

Kaum verlangen die Kassen Nachzahlungen, locken einige auch schon mit Rabatten, wenn die Versicherten ihnen Arbeit beim Kassieren abnehmen. So gewährt die KKH-Allianz Mitgliedern einen Nachlass von acht Prozent, wenn sie den Zusatzbeitrag zwölf Monate im Voraus abbuchen lassen. Das macht rund 7,70 Euro aus.

Erteilen Mitglieder der DAK eine Einzugsermächtigung für den Extrabeitrag der kommenden zwölf Monate, müssen sie anstatt der eigentlich geforderten 96 Euro (zwölf mal acht Euro) nur 93 Euro zahlen. Statt des Preisnachlasses können die Versicherten auch eine Auslandsreise-Krankenversicherung der HanseMerkur für ein Jahr kostenlos bekommen. Zahlen die Mitglieder hingegen regelmäßig per Dauerauftrag, gibt es weder den Preisnachlass noch die Extrapolice.

Mit einer Vorauszahlung an die Kasse verpflichten sich die Mitglieder zu nichts. Sie können weiterhin kündigen: "Dann bekommen sie den vorab gezahlten Zusatzbeitrag anteilig zurück", bestätigt Jörg Bodanowitz, Pressesprecher der DAK. Der Schutz der Zusatzpolice endet dann aber auch.

Auch andere Kassen wie die BKK für Heilberufe bieten Rabatt. Ihre Mitglieder zahlen den Zusatzbeitrag nur für elf anstatt zwölf Monate, wenn sie ihn vorab komplett für ein Jahr entrichten oder der Kasse eine Einzugsermächtigung erteilen. Die Abrechnung ist trotzdem komplizierter als etwa bei der DAK, da die BKK für Heilberufe als eine von bisher drei Kassen einkommensabhängige Beiträge erhebt.

Die endgültige Abrechnung erfolgt erst am Jahresende

Da das Einkommen für 2010 noch nicht feststeht, wird der Zusatzbeitrag der Mitglieder zunächst aus dem jüngsten Einkommensnachweis ermittelt. Die endgültige Abrechnung erfolgt, wenn das Einkommen für 2010 feststeht. Hat es sich gegenüber dem Vorjahr verändert, können Mitglieder Geld zurückbekommen oder sie müssen sogar noch nachzahlen. Wissen Kassenmitglieder bereits, dass ihr Einkommen dieses Jahr zum Beispiel aufgrund von Arbeitslosigkeit gesunken ist, können sie das bei der Kasse melden und gleich verlangen, dass der Zusatzbeitrag für sie niedriger ausfällt.

Bisher sind rund 8,7 Millionen von rund 51 Millionen Mitgliedern der gesetzlichen Krankenkassen von einem Zusatzbeitrag betroffen. Sie haben gute Chancen, den Kosten durch einen Wechsel zu entgehen. Mehr als 50 Krankenkassen haben zugesichert, in diesem Jahr keine Zusatzbeiträge zu erheben. Verlangt eine Krankenkasse einen Zusatzbeitrag, haben die Mitglieder ein Sonderkündigungsrecht.

Doch der Kassenwechsel muss nicht immer die beste Lösung sein. Wenn Versicherte ein besonderes Versorgungsangebot wie beispielsweise homöopathische Behandlungen wahrnehmen oder ein attraktives Bonusprogramm nutzen, kann es sich lohnen, trotz Zusatzbeitrag zu bleiben.

Auch für Hartz-IV-Empfänger lohnt sich ein Kassenwechsel

Entscheidet sich jemand aber für einen Kassenwechsel, kann er seiner Kasse bis zu dem Zeitpunkt kündigen, an dem der Zusatzbeitrag erstmals fällig wird. Spätestens einen Monat davor muss die Kasse den Versicherten auf sein Kündigungsrecht hinweisen. Sonst verlängert sich die Kündigungsfrist entsprechend. Ausgenommen vom Wechselrecht sind nur diejenigen, die sich bei ihrer Krankenkasse für einen Wahltarif entschieden haben, der sie drei Jahre bindet.

Besonders drängend ist die Frage des Kassenwechsels für Empfänger von Arbeitslosengeld II. Bleiben sie in einer Kasse, die einen Zusatzbeitrag erhebt, müssen sie dieses Geld per Gesetz aus eigener Tasche zahlen. Den Grundbeitrag zur Krankenversicherung zahlen sie dagegen nicht selbst. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums sollen die Betreuer in den Jobcentern jedoch ihren Ermessensspielraum großzügig nutzen können für die Frage, ob der Wechsel der Kasse für die Leistungsempfänger eine besondere Härte darstellt. In einem solchen Härtefall würde das Amt den Zusatzbeitrag übernehmen.

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