Staatliches Siegel Tierschutzbund lehnt Tierwohl-Label ab

Ein neues Label soll höhere Anforderungen an die Schweinehaltung garantieren. Doch der Tierschutzbund mag beim Tierwohl-Label nicht mehr mitziehen.
Mastschweine

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Foto: Stefan Sauer/ picture alliance / dpa

Die Pläne von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) für ein staatliches Tierwohl-Label ernten harsche Kritik von Tierschützern. Der Tierschutzbund kündigte seine Unterstützung für das Siegel auf, das höhere Anforderungen an die Schweinehaltung garantieren soll.

"So schafft man keinen nachhaltigen Tierschutz im Stall", sagte Präsident Thomas Schröder der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Auch andere Tierschützer protestierten. Der Bauernverband bekräftigte die grundsätzliche Unterstützung für das Label, nannte die nun vorgelegten Kriterien aber "sehr ambitioniert".

Bauernpräsident Joachim Rukwied bezweifelte, dass die vom Ministerium angenommenen Mehrkosten für Landwirte von etwa 20 Prozent in der Premiumstufe des Labels ausreichen. "Das glauben wir nicht, da brauchen wir einen höheren Mehrpreis", sagte Ruwkied.

Gesetzentwurf soll bis zur Wahl kommen

Die Bauern gingen bei den Plänen grundsätzlich mit. Gelingen müsse dabei aber eine Verzahnung mit der bestehenden Initiative von Landwirtschaft und Handel, sagte Ruwkied. Dabei zahlen Supermarktketten in einen Fonds ein, aus dem freiwillig teilnehmende Bauern für Tierwohl-Investitionen honoriert werden.

Schmidt hatte am Dienstag die Kriterien für das Label vorgestellt, die bereits in der Eingangsstufe über gesetzliche Standards und auch über die Initiative der Branche hinausgehen sollen. Unter anderem muss das Platzangebot für Schweine in der Eingangsstufe um bis zu 33 Prozent größer sein als vorgeschrieben, in der Premiumstufe um 70 bis 100 Prozent. Erste Betriebe könnten wohl 2018 zertifiziert werden. Einen Gesetzentwurf will Schmidt bis zur Bundestagswahl vorstellen.

Tierschutzorganisation spricht von Betrug

Tierschutzbund-Präsident Schröder kritisierte die Ankündigungen als unseriös: "Solch ein Vorpreschen mit einem unfertigen Label belastet das Vertrauen in den Prozess und in ein Label im Grundsatz." Offen seien etwa Fragen zu Kontrollen, Zertifizierung, Beratung und nötigen Fördergeldern für Landwirte. Die Organisation "Vier Pfoten" sprach mit Blick auf die Kriterien von "Verbrauchertäuschung und Betrug". Sie brächten keine wesentlichen Verbesserungen für die Tiere.

Die Union im Bundestag mahnte Planungssicherheit an. "Die Landwirtschaft hat einen Anspruch auf schnelle Klärung der offenen Fragen", sagten Fraktionsvize Gitta Connemann und Agrarpolitiker Franz-Josef Holzenkamp (beide CDU). "Ein Label soll Branche und Gesellschaft nicht verunsichern, sondern zur Lösung des Konfliktes beitragen."

brt/dpa