Rangliste So transparent arbeiten die großen Spendenorganisationen

Adventszeit ist Spendenzeit. Dutzende Organisationen werben um Geld für den guten Zweck. Doch wie transparent arbeiten sie? Ein umfassender Test im Auftrag von SPIEGEL ONLINE gibt Antwort: die Rangliste der 50 Top-Spendenorganisationen.
Im Einsatz gegen Ebola für Ärzte ohne Grenzen in Liberia: Wie gut informieren Spendensammler?

Im Einsatz gegen Ebola für Ärzte ohne Grenzen in Liberia: Wie gut informieren Spendensammler?

Foto: Getty Images

Hamburg - In den Wochen vor Weihnachten geben die Deutschen mehr als dreimal so viel Geld für gute Zwecke wie in den anderen Monaten des Jahres - passend zu einem Fest, das im Zeichen der Nächstenliebe steht. Dutzende gemeinnützige Vereine oder Stiftungen verstärken deshalb derzeit ihr Werben. Bei dieser großen Auswahl fällt vielen Spendenwilligen die Entscheidung nicht leicht.

Umso wichtiger ist es, sich umfassend informieren zu können. Je transparenter eine Organisation über ihre Ziele und ihre konkreten Aktivitäten und deren Wirkung informiert, desto fundierter kann jeder für sich selbst die Entscheidung treffen: Sollen die mein Geld kriegen?

Doch wie umfassend, systematisch und schnell auffindbar informieren Deutschlands große Spendensammler? Phineo , ein Analysehaus für den gemeinnützigen Sektor, hat im Auftrag von SPIEGEL ONLINE 50 Top-Organisationen einem umfassenden Transparenz-Test unterzogen. Über mehr als zwei Monate hinweg werteten die Experten gründlich die Informationen auf den Webseiten der Organisationen aus. Denn: Wer im Jahr 2014 Informationen leicht zugänglich machen will, veröffentlicht sie online.

Bewertet wird Transparenz - nicht die Wirkung selbst

Ergebnis ist das Transparenz-Ranking von 50 großen deutschen Spendenorganisationen. Nutzen Sie es zur Orientierung, beachten Sie dabei jedoch: Die Rangliste bildet ab, wie transparent eine Organisation agiert - nicht, wie wirkungsvoll ihr Handeln ist. Organisationen, die auf den letzten Plätzen gelandet sind, sind deshalb nicht pauschal wirkungslos. Aber sie machen es bestehenden oder potenziellen Spendern schwer, sich über Strategie, Aktivitäten und Wirkung zu informieren. Und umgekehrt gilt durchaus: Transparenz ist ein starker Indikator für Wirksamkeit.

Interaktiv

Bei der Auswahl der 50 Organisationen waren uns Größe und Bekanntheit wichtig, aber auch, möglichst viele verschiedene Tätigkeitsfelder abzudecken - von der Entwicklungszusammenarbeit über Hilfe für Kinder in Deutschland bis zur Pressefreiheit.

Bewertet wurden jeweils drei Hauptkriterien: Ziele, Aktivitäten und Wirkung. Jedes dieser Kriterien bestand wiederum aus drei Teilkriterien. Vorbildliche Beispiele für Transparenz haben wir für jedes dieser insgesamt neun Teilkriterien zusammengestellt - Sie finden sie weiter unten in diesem Text. Und eine ausführliche Beschreibung der Methodik finden Sie ganz am Ende dieses Artikels. Phineo stellt zudem auf seiner Website eine ausführliche Fassung der Studie online zur Verfügung .

Übrigens: Wenn Sie sich fragen, ob Sie gemessen an Ihrem Einkommen mehr oder weniger spenden als der Durchschnittsdeutsche - die Antwort gibt unser Spendenrechner.

Weshalb Transparenz als Kriterium für Spendenorganisationen?

Der Zusammenhang von Transparenz und wirkungsvollem Handeln ist eng: Wenn eine Organisation Spendengelder zum Beispiel für Projekte in Entwicklungsländern ausgibt, ist sie an einem effektiven Einsatz der Mittel interessiert. Dazu ist sie auf eine gute Buchhaltung und eine Überprüfung der Aktivitäten vor Ort angewiesen. Oder anders ausgedrückt: Eine vorbildliche Spendenorganisation verfügt selbst ohnehin über alle Informationen, um optimal transparent zu sein. Diese Informationen auch leicht zugänglich zur Verfügung zu stellen, ist dann ein vergleichsweise geringer Aufwand.

Selbstverständlich hängen die Erwartungen an Art und Umfang der bereitgestellten Informationen stark davon ab, wie groß eine Organisation eigentlich ist und was sie tut. Während etwa Ärzte ohne Grenzen exakt beziffern kann, wie vielen Kindern sie binnen eines Jahres mit auf die Welt geholfen hat, können Gruppen wie Amnesty International oder Reporter ohne Grenzen, deren Arbeit zu großen Teilen aus Lobbying besteht, ihre Wirkung oftmals nicht derart exakt und konkret nachweisen - und müssen es auch nicht.

So hat Phineo getestet

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