Grönland-Import Trinkwasser aus Gletschereis erhält Schweizer Schmähpreis

Tafelwasser aus dem Tausende Kilometer entfernten Grönland? Eine Schweizer Handelskette bot es an. Jetzt erhielt sie einen Negativpreis, für den es noch starke Konkurrenten gab.
Eisberg im Fjord von Narsaq auf Grönland (Archiv): Mineralwasser mit Markenname "Berg"

Eisberg im Fjord von Narsaq auf Grönland (Archiv): Mineralwasser mit Markenname "Berg"

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Wolfgang Heumer/ dpa

Das Tafelwasser stammt aus grönländischem Gletschereis, wird in Kanada produziert - und von einer Warenhauskette in der Schweiz verkauft. Für diesen absurden Transport hat der Schweizer Einzelhändler Manor nun einen Schmähpreis bekommen.

Manor stellte sich der Kritik. Sie nahm den Schmähpreis des Vereins Alpen-Initiative, der die Bergwelt vor dem Transitverkehr schützen will, in der Konzernzentrale in Basel entgegen.

"Rabenschwarz und nicht grün müsste diese grüne Produktaufschrift sein", sagte der sozialdemokratische Abgeordnete und Präsident der Alpen-Initiative laut Mitteilung  über das Mineralwasser mit dem Namen "Berg" bei der Preisverleihung. "Trinkwasser aus Grönlandeis über den Atlantik zu verschiffen, ist der Gipfel des Unsinns." Die Entnahme von Eisbergbruchstücken entziehe dem Meer Kälte - und der Transport erhitze zudem die Atmosphäre.

794 Gramm CO₂-Ausstoß pro Flasche

Das Wasser aus geschmolzenem grönländischem Gletschereis über insgesamt 9600 Kilometer zu befördern, wirkt nach Ansicht der Initiative in Anbetracht schmelzender Polarkappen besonders zynisch. Außerdem gebe es günstiges und sauberes Wasser in großer Menge in der Schweiz selbst. Der CO₂-Ausstoß für das Wasser belaufe sich auf 794 Gramm - pro 750-Milliliter-Flasche wohlbemerkt.

Eine Manor-Sprecherin sagte, das Unternehmen habe schon im Frühjahr beschlossen, dieses und andere Mineralwasser aus dem Ausland bis Ende des Jahres aus dem Sortiment zu nehmen: "Wir nehmen das Feedback der Öffentlichkeit und der Kundinnen und Kunden sehr ernst."

Fast 6000 Menschen hatten sich an einer Onlineabstimmung über das absurdeste Produkt beteiligt. Nominiert waren unter anderem auch Granatapfelkerne aus Peru, die zur Verarbeitung per Schiff nach Ägypten gebracht werden, dann per Luftfracht in die Schweiz kommen und dort mit Lastwagen in die Läden von Coop gefahren werden. Zur Wahl standen auch Gewürzgurken aus Vietnam, die bei der Lebensmittelkette Migros angeboten werden.

apr/dpa